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Die verirrte E-Mail ( Love of my Life ) Part 1/2

Der Wecker klingelte unaufhörlich und Melina schlug ihn nach Minuten K.O. Sie hatte überhaupt keine Lust aufzustehen. Vieles hatte sich in den letzten Tagen geändert. Ihr Freund hatte die Beziehung beendet, weil sie ihm nicht geben konnte, was er von ihr wollte. Sie wollte sich nur dem „Einen“ hingeben, wo sie sich sicher war, dass es das ganze Leben hielt.
Melina hatte ihre Vorstellungen, wie der Mann ihrer Träume war, nur leider war ihr dieser noch nicht über den Weg gelaufen.

Mühselig raffte sie sich aus dem Bett und schwang ihre müden Knochen ins Bad um ihre Lebensgeister mit einer kalten Dusche wiederzuerwecken.
Als sie in den Spiegel blickte, schüttelte sie traurig mit dem Kopf. Ihre Augen waren verweint und Blässe zierte ihre hübsches Gesicht. Melina war eine schöne junge Frau, lange schwarze Haare und fast schwarze Augen. Ihre Cappuchino farbene Haut rundete das Bild ab.
Doch ihr war es egal wie sie aussah und der Mann, der ihr Herz gewinnen sollte, sollte nicht nur nach dem Aussehen gehen. Ihr war es wichtig, dass er ihr ins Herz sah, sie liebte wie sie war.

Nachdem sie dann endlich geduscht hatte, ging sie in die Küche und frühstückte. Dabei hörte sie leise Musik und wie jeden Morgen verließ sie Punkt acht Uhr das Haus um ihren Job im Supermarkt anzutreten. Ihr Platz war dort die Kasse und jeden Tag zog sie acht oder auch mehr Stunden die Waren übers Band und musste sich das Gerede und Gemecker der Kunden anhören.
Tag ein Tag aus derselbe Trott und irgendwie wollte Melina aus diesem Trott raus.

Ihre Kollegin, Anja, wartete schon an der Straßenecke auf sie und strahlte sie an. Sie verbrachten viel Zeit miteinander und so wurden die langen Abende manchmal nicht so einsam und jetzt wo sie wieder allein war, war es gut eine so liebe Freundin um sich zuhaben.

Gemeinsam gingen sie zur Arbeit und waren kurz vor acht uhr an ihrem Arbeitsplatz. Es war schon wieder der Teufel los, obwohl sie noch gar nicht geöffnet hatten, stürmten die Massen herein. Es war kurz vor Weihnachten und Melina hatte immer das Gefühl, wenn es auf Feiertage zuging, dass die Menschen einkauften, als würden sie verhungern, nur weil vielleicht ein, zwei Tage kein Geschäft geöffnet hatte.

Heute war es wirklich ganz schlimm, so das Melina es noch nicht einmal schaffte eine Pause zumachen. Als endlich Feierabend war, fragte Anja sie ob sie ausgehen sollten, aber Melina lehnte dankend ab. Sie wollte einfach nur noch nach hause und ihre Füße hochlegen. Vielleicht ein bisschen im Internet surfen und ein paar E-mails an ihre Freunde schreiben.

Anja war ein wenig enttäuscht, aber akzeptierte es. Endlich war Feierabend und zu hause angekommen, warf Melina ihre Sachen achtlos in die Ecke und ließ sich ein heißes Bad ein. Sie entspannte sich allmählich und nachdem sie sich besser fühlte räumte sie ein wenig ihre kleine Wohnung auf. Als auch das geschafft war, nahm sie sich einen heißen Kaffee und setzte sich an ihren Laptop. Endlich entspannen und den Tag hinter sich lassen, dachte sie bei sich.
Sie öffnete ihre Lieblingsseiten im Netz, las hier und da und als ihre Augen schwer wurden, beschloss sie ins Bett zu gehen, aber was war das?

Eine E-Mail!

Als sie nachsah, wunderte sie sich. Den Absender kannte sie nicht. Erst überlegte sie, ob sie die öffnen sollte, aber die Neugierde siegte dann doch.


Liebe meines Lebens!

Liebe meines Lebens, du hast mich verletzt
Du hast mir das Herz gebrochen und jetzt lässt du mich alleine

Liebe meines Lebens. Kannst du das nicht sehen?

Bring es zurück, bring es zurück, nimm es mir nicht weg,
denn du weißt nicht, was mir das bedeutet

Liebe meines Lebens, verlass mich nicht.
Du hast mir mein Herz genommen. Jetzt verlässt du mich.

Liebe meines Lebens. Kannst du das nicht sehen?
Bring es zurück, bring es zurück. Nimm es mir nicht weg, denn du weißt nicht
was mir das bedeutet.

Du wirst dich erinnern, wenn das hier alles vorbei ist.
Wenn ich älter geworden bin, werde ich da sein.
An deiner Seite um dich zu erinnern, dass ich dich noch liebe... (Ich liebe dich noch)
Komm zurück und
bitte bring es zu mir nach Hause, denn du weißt nicht, was mir das bedeutet...

Liebe meines Lebens...

Dein dich immer liebender J.



Mit diesen Worten endete diese Mail und Melina saß einfach nur da. Tränchen kullerten ihr über ihre Wangen. Das war so schön, aber so unsagbar traurig, dass es in ihrem Herzen wehtat. Dieser „J“ schien diese Person sehr zu lieben…..

Sollte sie auf diese Mail antworten? Sie war ja nicht für sie bestimmt. Aber sollte dieser „J“ nicht wissen, dass diese Worte nicht bei der Person angekommen waren, der sie galten?

Unschlüssig saß sie da, sprang auf, holte sich noch einen Kaffee und seufzte. Was war denn jetzt richtig und für einen Moment hielt sie inne und hörte in sich hinein. Ihr Herz gab wies ihr den Weg.


Lieber Unbekannter,

ich weiß zwar nicht, wen du meinst, aber wenn der oder diejenige das liest, glaube ich das deine Liebe erhört wird, und du nicht mehr lange unglücklich bist. Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

Die Unbekannte.



Ein Klick und die Mail war unterwegs. Eine Weile starrte Melina noch auf den Bildschirm. Schlüssig war sie sich nicht, ob es richtig war, aber nun konnte sie es nicht mehr ändern.
Nachdem sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte, schaltete sie den Laptop aus und ging zu Bett. Sie schloss ihre Augen und träumte von einem Mann, ohne Gesicht. Er hielt sie in den Armen und sie fühlte sich geliebt. Ob da draußen wirklich ein Mann existierte, der sie lieben konnte, wie sie war?

In den nächsten Tagen kam keine Reaktion auf ihre Mail und sie hoffte, dass die Beiden sich wieder gefunden hatten und einfach nur glücklich waren. In Gedanken war sie oft bei „J“ und drückte die Daumen.

Heute hatte sie nach langem frei und so beschloss sie ein paar Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Schon allein dieser Gedanke sich ins Gewühl stürzen zu müssen, ließ ihre Laune in den Keller sinken. Sie hasste es, aber es musste nun mal sein. Auch sie brauchte ein paar Dinge, auch wenn sie allein war, aber von Luft und Liebe konnte sie nicht leben und in ihrem Fall war es ja nur Luft.

Endlich hatte sie sich in ihren dicken Wintersachen eingemummelt und als sie vor die Tür trat, schneite es. Das brachte sie ein wenig zum lächeln. Es war nicht oft, dass hier Weihnachten schneite. In jedem Geschäft, in welches sie ging, spielten sie Weihnachtsmusik und nach dem dritten Laden, war sie unglücklich und traurig, weil ihr immer mehr bewusst wurde, dass sie am Fest der Liebe wieder einmal allein war. Darum beschloss sie nach Hause zu gehen, das wichtigste hatte sie und den Rest konnte sie dann in ihrem Supermarkt einkaufen. Einen Tag musste sie noch arbeiten und dann hatte sie endlich Urlaub.
Mühsam trug sie ihren Einkauf in ihre Wohnung und stellte diesen im Flur ab. Eines wusste sie jetzt schon. Niemand bekam sie heute mehr vor die Tür. Ihre Füsse waren eiskalt, ihre Nase rot gefroren und ihre Stimmung auch nicht die Beste. In der Küche verstaute sie dann alles und als sie das erledigt hatte und ins Wohnzimmer ging, stand der ungeschmückte Tannenbaum direkt vor ihrer Nase. Eigentlich wollte sie heute die Kugeln und Lichter anbringen, aber die Lust war wie weggeblasen und schließlich war morgen ja auch noch ein Tag.

Darum nahm sie ihren Laptop, setzte sich aufs Sofa und las die News, dabei schweifte aber ihr Blick immer wieder zum Tannenbaum. Irgendwie störte es sie, dass er noch nicht fertig war. Also raffte sie sich auf und begann ihn zu schmücken. Jedoch der E-Mail Ton lenkte sie wieder ab und mit Herzklopfen sah sie nach, von wem sie eine E-Mail hatte. Und tatsächlich, es war eine Mail von diesem unbekannten Absender da.
Nervös und mit zitternden Händen öffnete sie und las:



Hallo Unbekannte,

ich danke dir für deine liebe Mail. Leider hat die Person, die sie bekommen sollte, nicht so reagiert wie du. Aber ich weiß jetzt das irgendwo auf dieser großen weiten Welt eine Person gibt, die diese Kleinigkeiten noch zu schätzen weiß. Schade, dass meine Liebe des Lebens meine Botschaft nicht verstanden hat, sondern nur eine Unbekannte.

Liebe Grüße J.



Als Melina dieses las, hatte die ein merkwürdiges Gefühl der Vertrautheit in sich. Es stimmte sie traurig, dass es nicht geklappt hatte mit den Beiden. Seltsamerweise riet ihr Herz ihm wieder zu antworten und schnell tat sie es.


Hallo J,

habe gerade deine Mail bekommen und sie macht mich traurig. Aber glaube mir. Wenn sie die Liebe deines Lebens ist, wird sie deine Botschaft annehmen und zu dir zurück kehren. Du darfst nur nicht aufhören zu hoffen.

Die Unbekannte


Diesmal zögerte sie nicht und schickte die Mail gleich ab.
Danach widmete sie sich wieder dem Baum und als er in allen Farben schimmerte, ging es Melina richtig gut und sie stand einfach nur davor und lächelte.

Plötzlich hörte sie:

// Sie haben eine neue Nachricht.//

Neugierig wie sie war, setzte sie sich gleich wieder an den Computer und öffnete sie.
Sie musste zugeben, dass sie sich freute, dass der Unbekannte, so schnell zurück geschrieben hatte.

Hallo Unbekannte,

entschuldige das ich dir schon wieder schreibe, aber ich habe das Gefühl ich kann dir vertrauen. Glaubst du wirklich an die Liebe deines Lebens? Gibt es sie denn wirklich? Oder ist es nur ein Wunschdenken von den Menschen. Wird die wahre Liebe immer erwidert?

Dein J. (Ich hoffe ich darf das so sagen?)


Melina schmunzelte ein wenig und es machte ihr richtig Spaß und sie antwortete darauf.

Hallo J,

du darfst es zu mir sagen. Es ist komisch. Ich vertraue dir auch. Wir kennen uns gar nicht, aber du redest mit mir über die Liebe. Du fragst mich ob ich daran glaube? Natürlich glaube ich daran. Ich habe sie zwar auch noch nicht gefunden, aber ich gebe die Hoffnung nie auf. Selbstverständlich wird die wahre Liebe erwidert. Da gibt es keine Zweifel. Glaube fest daran. Und wenn sie es ist, der du das geschrieben hast, dann kommt sie zu dir zurück.

Deine Unbekannte.


Ein Klick und sie war abgeschickt.
Sehnsüchtig wartete sie nun auf eine Antwort von ihm.
Und es dauerte auch nicht lang.

Hallo meine Unbekannte,

ich wollte dir nur sagen. Ich glaube auch an die wahre Liebe, aber ob sie diejenige ist, weiß ich mittlerweile auch nicht mehr. Wir haben uns auseinander gelebt und ich fühle dieses Kribbeln nicht mehr. Ständig haben wir Streit und beide sind wir nicht mehr glücklich. Ist das auch wahre Liebe?

Dein J.


Nachdem sie das gelesen hatte, war Melina in Gedanken versunken und grübelte.
Sollte sie ihm noch einmal darauf antworten?
War das nicht zu persönlich?
Wer war dieser J. denn eigentlich?
Sie entschied sich jetzt nicht zu antworten und schaltete den Laptop aus.
Danach bereitete sie sich was zu Essen vor und setzte sich aufs Sofa um sich einen Film anzusehen.
Aber welchen?
Die Auswahl im TV war nicht wirklich groß und sie konnte sich einfach nicht entscheiden.
Letzten Endes blieb sie bei „Dirty Dancing“ hängen, den sie schon zigmal gesehen hatte.
Aber während des gesamten Filmes starrte sie immer wieder auf ihren Laptop.
Innerlich war sie zerrissen.
Dieser Unbekannte hatte etwas an sich, was sie magisch anzog.
Unbegreiflich konnte man etwa Gefühle zu Jemanden entwickeln, den man nur per E-mail kannte? Konnte so etwas passieren?


Ihr Herz antwortete mit „Ja“ aber ihr Verstand ließ sie es sich noch nicht selbst eingestehen. Wieder versuchte sie sich auf den Film zu konzentrieren und als dieser endete ging sie ins Bett. Sie schlief sehr unruhig und am nächsten Morgen bekam sie die Quittung und verschlief. Als sie erwachte, erschrak sie und so schnell ihre Beine sie tragen konnte, machte sie sich fertig und lief zur Arbeit. Ihr Chef sah sie strafend an. Wie konnte sie denn verschlafen? Ausgerechnet wenn es kurz vor Weihnachten war. Melina entschuldigte sich mehrmals bei ihm und ging an ihre Arbeit. Die Stunden vergingen heute seltsamerweise wie im Flug. Der letzte Ansturm bevor die Kassen sich für ein paar Tage schlossen und das kam ihr auch ganz gelegen. Sie hatte so viel zu tun, dass sie nicht einmal an diesen Unbekannten J. dachte.

Nach Feierabend saßen die Kollegen noch auf einen gemeinsamen Umtrunk zusammen und als sie sich verabschiedeten, atmete Melina durch. Endlich Urlaub!

Zuhause konnte sie es dann doch nicht mehr aushalten. Noch keine zwei Minuten in der Tür, schaltete sie ihren Laptop an, bevor sie sich auszog.

Im Flur hörte sie schon:

//Sie haben zwei neue Nachrichten!//

Melina sah nach und beide waren von J. dem Unbekannten.


Die erste:

Hallo Unbekannte,

du antwortest ja gar nicht mehr. Bin ich dir zu Nahe getreten? Warte auf Antwort von dir.

Dein J.


Die zweite:

Hallo Unbekannte,

ich warte immer noch auf Antwort von dir. Seit ich mit dir schreibe, gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich fühle mich sehr allein und jetzt wo Weihnachten ist, ist es sehr schlimm für mich. Ach ist ja auch egal. Falls du mir noch schreiben möchtest. Ich heiße Jason.

Alles Liebe Jason.



Nachdenklich saß Melina da und starrte auf die E-Mails. Jason also hieß er. Sie mochte diesen Namen. Immer und immer wieder las sie seine Nachrichten. Sollte sie ihm wirklich antworten?

Konnte ja eigentlich nicht schaden. Sie war ja auch an Weihnachten allein und konnte diese Einsamkeit, die Jason spürte, nachempfinden. Sie schrieb einfach drauf los:

Hallo Jason.

Entschuldige, ich hatte Zweifel, ob ich dir antworten soll. Aber ich bin auch allein an Weihnachten, also werde ich dir wieder schreiben, wenn du möchtest. Vielleicht hast du ja Lust, mir etwas von dir zuerzählen. Ich heiße übrigens Melina.

Bye, bis zum nächsten Mal



Als sie die Nachricht abgeschickt hatte, ging sie in die Küche um den Entenbraten vorzubereiten. Morgen kam ihre Freundin Anja zu Besuch und so war sie nicht ganz allein über die Feiertage und sie freute sie auf ihre Freundin. Als sie in der Küche werkelte, hörte sie:

// Du hast eine 1 neue Nachricht.//

Schwupps war sie wieder an ihrem Computer und öffnete die Mail. Natürlich war sie von Jason. Er schien schon auf Antwort gewartet zu haben.

Hallo Melina,

du hast einen schönen Namen. Wo lebst du? Wie alt bist du? Entschuldige, ich weiß man sollte eine Lady nicht nach dem Alter fragen. Also, tut mir leid. Aber ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Wie du ja schon weißt, ich heiße Jason, bin 35 Jahre und lebe in London. Wenn du mehr wissen möchtest, frag mich einfach.

Dein Jason


Melina wurde es ganz warm ums Herz, als sie die Mail las. Sie konnte es sich nicht erklären, aber sie fühlte sich ihm so nahe, dass war ein unbeschreibliches Gefühl. Aber was sollte sie ihm antworten?
Verwirrt und zugleich sehr nachdenklich ging sie zurück in die Küche und ließ die Antwort erst mal sein. Nach einer Stunde hörte sie erneut:

// Sie haben 1 neue Nachricht!//

Ihr Herz klopfte an die Wände ihrer Brust. Schmetterlinge erwachten in ihrem Bauch und ihre Wangen glühten. Was war das nur? Unschlüssig stand sie nun da. Wenn sie diese öffnete, wie ging es denn weiter?

Wie?

Fortsetzung folgt!

© Maya

Maya am 24.6.11 16:18

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tina / Website (25.6.11 14:48)
Hallo Maya ...

ich warte schon immer sehnsüchtig auf ene Geschichte von dir und hoffe Tiel 2 lässt nicht zu lange auf sich warten *ggg*
Love of my life von Queen ist auch für mich eng mit meiner großen Liebe verbunden. Allerdings fand meine persönlich Geschichte bisher kien gutes Ende. Ich höre nicht auf zu hoffen, doch augenblicklich scheint es sinnlos und die Stimme von Freddy Mercury hat mich in vielen Jahren schon durch so manche Nacht getröstet.

Danke dir dafür das du den Songtext aufgegriffen hast und für das was du daraus machtest.

lg Tina