World Of Written Words.

MERRY CHRISTMAS!

Wir wünschen euch allen ein Frohes Fest und eine wundervolle Zeit mit Familien und Freunden!

We wish you all Merry Christmas and a wonderful time with family and friends!

Best regards

Shani Ajmera and Maya

A letter into Heaven!

Hey…..Ja, ich bin es Papa, dein Töchterchen, Maya. Hast du geglaubt ich habe deinen Geburtstag vergessen?
Nein, niemals wird das passieren.

„HAPPY BIRTHDAY, PAPS!!“

Ich kann mir vorstellen, dass du jetzt grinst. Ja, deine erwachsene Tochter schreibt dir einen Brief. Wann habe ich das das letzte Mal gemacht? Ich war ein kleines Mädchen und war im Ferienlager. Hatte solches Heimweh, wollte einfach nur zu dir zurück.
Wo soll ich nur anfangen? Früher war das viel einfacher. Die Briefe an dich waren immer gleich.

Wie geht es dir? Mir geht es gut. Das Wetter ist schön. Das Essen ist nicht so gut. Freu mich wenn ich wieder zu hause bin! Hab dich lieb.

Aber heute ist es nicht so leicht dir zu schreiben.

Wie lange ist es her, dass wir miteinander geredet haben?
Wie lange ist es her, dass du mich in den Armen gehalten hast?
Wie lange ist es her, dass ich dich lachen hören konnte?

Fast drei Jahre!

Ich hatte immer gedacht, ich habe noch soviel Zeit mit dir. Aber das Schicksal wollte es einfach nicht.
Du bist gegangen und hast mich zurück gelassen. Und es tut immer noch weh und macht mich traurig. Ich vermisse dich so furchtbar und wünschte mir, dass wir viel mehr Zeit gehabt hätten. Jahre in denen wir alles teilen hätten können und vor allem ich dir sagen könnte, dass ich dich liebe und du der tollste Papa auf der ganzen Welt bist.
Jeden Tag frage ich mich nun:

Wo bist du nun?
Kannst du mich sehen?
Bist du glücklich, da wo du jetzt bist?
Bist du stolz auf mich?


All diese Fragen und noch so vieles mehr und ich bekomme niemals eine Antwort darauf. Nun ja, ich habe mich entschlossen dir diesen Brief an deinem Geburtstag zu schreiben, um dir einfach zu sagen, wie sehr ich dich liebe.

Du warst einfach nur toll. Mein Fels in der Brandung. Wenn wir zusammen waren, war ich immer dein kleines Mädchen. Auch als ich schon eine erwachsene Frau war.
Es gibt immer noch Tage an denen ich mich verloren fühle, dass das kleine Mädchen da ist und einfach nur von ihrem Vater in die Arme genommen werden möchte.
Gerade jetzt in diesen Moment fühle ich mich verloren und möchte einfach nur das kleine Mädchen sein. Aber ich versuche stark zu sein und dir deinen letzten Wunsch zu erfüllen. Endlich wieder zu lächeln.

Die Zeit, die wir zusammen hatten, war einfach zu kurz. So vieles wurde nie ausgesprochen und manchmal wünschte ich, dass ich es dir gesagt hätte. Ich hab dir oft gesagt, wie lieb ich dich habe, aber nun habe ich das Gefühl, dass es noch viel zu wenig war.

Oft denke ich an unsere gemeinsamen Momente. Wenn die großen Familienfeiern waren und wir beide uns zurück gezogen haben, weil uns der Trubel auf die Nerven ging. Unsere stundenlangen Diskussionen über Gott und die Welt, über das Leben. Unsere gemeinsamen Spaziergänge, wo wir nur nebeneinander hergegangen sind und nichts gesagt haben. Diese Stille war so angenehm und ich fühlte mich so frei. Manchmal bedurfte es keiner Worte. Du hast mich angesehen und wusstest, wie es mir ging und warst da, hast meine Tränen getrocknet, hast ernst mit mir geredet oder mich einfach nur zum Lachen gebracht.
Du hast dir immer Sorgen um mich gemacht, auch wenn ich das nicht wollte und ich kann mir vorstellen, dass diese Falten auf deiner Stirn manchmal noch da sind und du sagst: “Hey Maya, lächele, alles wird gut!“

Okay, ich bin ehrlich, auch vermisse ich es, dass du mich ärgerst. Wir haben schon den ersten Schnee und ich war draußen und sah dich da stehen, wie du mich damals mit dem Schnee attackierst hast. Dein freches Grinsen. Ich konnte immer schon vorher sehen, dass du schon wieder was planst um mich zu ärgern, aber deine Ideen waren immer einzigartig.

Irgendwie habe ich das Gefühl, das du immer bei mir bist, auch wenn ich dich nicht sehen kann. Doch an Tagen wie heute, wünschte ich mir, dass du hier wärst, dass ich dich umarmen kann und dir sagen kann, dass ich dich liebe.

Aber egal wo du bist, ich wünsche dir von ganzem Herzen, einen ganz tollen Geburtstag. Ich werde dir ein Lächeln schicken und in Gedanken bei dir sein.

Du bist das Beste was mir jemals passiert ist. Du warst der tollste Papa auf Erden und möchte dir einfach hier und jetzt danken, dass ich deine Tochter bin. Ich danke für die tollen gemeinsamen Jahre und all die Momente trage ich in meinem Herzen und werde sie nie wieder vergessen!

Danke Papa!


It is not easy to live without you!
To give everything, every day and every moment.
But you are always in my heart.
Will never forget you!

And I pray, that we will see us one day again!
I don't know, where you are, but I imagine,
that you can see me....
that you are proud of me…..
that you smile with me…
that you are sad and happy with me…

that you are always by my side
and if it is a rainy day,
I can feel, how you touches me
and shows me that you are there!
Miss you, Dad!



I WISH YOU A VERY HAPPY BIRTHDAY! LOVE U! YOURS MAYA

Danke / Thank you!

Wir möchten heute einfach mal Danke sagen. Seit Tagen bekommt unsere Homepage mehr und mehr Leser. Danke, dass euch unsere Stories, die wir schreiben gefallen. Eigentlich sind wir ein bisschen sprachlos und überrascht, weil wir es nicht erwartet hatten, dass so viele Menschen es mögen hier zu sein und zu lesen. Es macht uns glücklich, dass ihr uns besucht und danke für die netten Kommentare, die ihr da lasst. Es ist schön zu wissen, dass euch unsere Seite gefällt. Wir danken euch von ganzem Herzen!


We just wanna say thank you. Since days we got more and more readers here on our homepage. Thank you, that you like our stories, which we write. Actually we are a little speechless and surprised, because we haven´t expected that so many people like it to be here. It makes us happy, that you visit our page and thanks for leaving a note here. It is nice to know, that you like our page. Thank you from the bottom of our heart!


Maya & Shani




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The Secret!

Die schwere Tür der Zelle wurde geöffnet und sie wurde achtlos hinein geworfen. Molly lag auf dem Boden und wimmerte, krümmte sich vor Schmerzen. Mit tränenverschleierten Augen blickte sie zum Fenster. Das Einzige, was ihr ermöglichte, den Tag und die Nacht zu unterscheiden. Jeden Tag hoffte sie auf Erlösung, doch Gott war nicht gnädig mit ihr und ließ sie mit ihren seelischen und körperlichen Schmerzen zurück.
Durch die Gitterstäbe suchte die Sonne sich einen Weg und es erfüllte sie mit ein wenig Wärme im ihrem kalten Leben.
Leben? Molly wünschte es würde endlich enden. Ihre Seele war voller Wunden, die niemals heilen sollten. Ihr Herz war gebrochen und das Vertrauen in die Menschen hatte sie verloren.
Die Kraft wieder aufzustehen hatte sie nicht mehr. Zuviel war geschehen und einen Grund gab es auch nicht mehr. Für wen sollte sie denn noch kämpfen?
Sie war allein auf weiter Flur. Niemand kümmerte sich noch um sie. Als man sie brauchte war sie gut genug, aber nun wo sie Hilfe benötigte, war niemand mehr da.
Ihre Familie hatte sich von ihr abgewendet und tat so als existierte sie überhaupt nicht. Ihre Freunde? Diese konnten nicht verstehen, warum sie es getan hatte und hielten sie für irre.
Das traurigste war, dass niemand hinter die Fassade von Mollys Wesen geblickt hatte. Die meisten in der Stadt hielten sie für ein loses Frauenzimmer.
Zu der Zeit war sie es noch nicht, aber das Leben brachte sie auf diesen absteigenden Zweig und sie wurde in diesen Sog gezogen und konnte nicht mehr entkommen. Ihr blieb keine andere Wahl mehr.


Mittlerweile saß Molly schon 10 Jahre im Gefängnis.
Sie war eine Mörderin!
Auch wenn es keine Entschuldigung war, sie hatte diese Tat aus Verzweiflung und Wut begangen, sah einfach keinen anderen Ausweg mehr.
Auch wenn es eine Verzweiflungstat war, konnte man das nicht entschuldigen. Sie hatte kein Recht jemanden das Leben zu nehmen, auch wenn dieser Mensch sie zutiefst verletzt hatte.
Er hatte sie zutiefst gedemütigt, über Jahre angelogen und betrogen und eines Nachts drehte Molly dann durch. Verlor ihre Beherrschung und tötete ihn.
Dieser Mann hatte ihr alles genommen. Ihre Würde, ihren Stolz, ihren Glauben, Ihr Herz und ihre Seele!
Während Molly geglaubt hatte, er liebte sie von ganzem Herzen, hatte er sie nur für seine Zwecke benutzt.

Wäre sie an diesem Tage nicht so früh nach Hause gekommen, hätte sie es gar nicht gesehen. Sie kam zur Tür herein und sah ihn, wie er sich mit einer anderen Frau vergnügte. In diesem Moment zerbrach Molly, hatte erkannt, dass sie einfach nur ein Spielzeug für ihn war. Ohne zu überlegen, nahm sie ein Messer und stach auf ihn ein und somit hatte sie ihre eigenes Schicksal besiegelt.


Zusammengekauert und weinend lag sie nun auf dem Boden ihrer Gefängniszelle. Sie war in einen winzig kleinen Raum eingesperrt und hat mit niemanden seit 10 Jahren geredet. Die Behandlung war sehr schlecht und Molly kam sich vor, als wäre sie in der Hölle. Manchmal sehnte sie sich nach einem heißen Bad oder einfach nur einem weichem Bett. Aber sie war eine Mörderin und hatte im Gefängnis solchen Luxus nicht verdient.
Die Wärterinnen behandelten sie wie eine Aussätzige und schlugen sie ohne Grund. Einmal so hart, dass sie Molly notoperieren mussten. Ihr Leben hing am seidenen Faden, aber auch in diesem Moment hatte Gott keine Gnade und ließ sie nicht sterben.
Molly hielt es für die gerechte Strafe. Es war kein kleines Vergehen, welches sie begangen hatte.


Als sie in Gedanken in ihre Vergangenheit zurück ging, füllten sich ihre Augen und der Schmerz in ihr wuchs ins Unermessliche. Ihre Eltern hatten sie nie wirklich geliebt. Sie war das einzige Mädchen und ihre Brüder wurden ihr immer vorgezogen.
Molly wurde herumgeschubst und wie ein Aschenputtel behandelt. Liebe hatte sie nie gespürt. Sie war immer allein und wünschte sich, dass eines Tages ein Prinz kam und sie dort heraus holte, sie liebte und wie eine Prinzessin behandelte.
Mit 16 brach sie aus ihrem alten Leben aus, verschwand bei Nacht und Nebel und wart niemals mehr gesehen. Sie ging in eine andere Stadt und bläuäugig vertraute sie fremden Menschen. Viel Geld hatte sie nicht und sie hielt sich mit Minijobs über Wasser. Von dem wenigen was sie verdiente, kaufte sie sich Bücher um zu lernen und ihr Lebensstandard zu verbessern.
Molly flüchtete sich des Nachts in die Bücher. Dann war sie in einer anderen Welt und fühlte sich sicher. Es war eine Flucht vor dem Leben, eine Flucht vor der Zukunft.


Die Jahre vergingen und Molly war mittlerweile 20 Jahre geworden, lebte in einer kleinen Absteige und des Nachts lag sie im Bett und weinte. Ihr Leben wurde einfach nicht besser. Egal was sie versuchte, sie scheiterte. Was hatte sie nur so böses in ihrem Leben getan? Warum gab es denn niemanden der sie liebte?
Eines Tages ging sie ins Kino. Das erste Mal in ihrem Leben und sie sah sich einen Liebesfilm an. Ihre Augen strahlten und sie verlor sich immer mehr in das Land der Wünsche.
Gab es auch einen Mann für sie?
Die Einsamkeit fraß sie immer mehr auf und um ihr zu entfliehen, nahm sie einen Job in einer Bar an.. Irgendwie musste es doch möglich sein, mehr Geld zu verdienen und aus diesem Loch heraus zukommen. Soviel hatte Molly schon getan.
Die Schuhe für andere geputzt. Die Wäsche von fremden Leuten gewaschen, aber damit konnte man nicht viel Geld machen. Es reichte gerade so, dass sie die Miete zahlen konnte und etwas zu essen hatte. Man munkelte, dass man in einer Bar wirklich viel verdienen konnte und ein kleiner Hoffnungsschimmer erwachte, als Molly dort ihre Arbeit antrat. Sie wollte ihr Glück dort versuchen. Erst kam sie sich dort ein wenig fehl am Platze vor. Es war nicht die Art von Arbeit, die sie mochte. Halb nackt auf dem Tisch zu tanzen, war nicht wirklich schön und wenn die Männer sie antatschen wollten, verfiel sie in den ersten Tagen in Panik. Nach einer Weile aber störte sie es nicht mehr, weil das Geld welches ihr von ihnen zugesteckt wurde, ihr zu einer neuen Wohnung verhalf, die nicht mehr nur noch ein kleines Loch war.
Das schlimmste aber war, dass sie nicht bemerkte, dass sie in etwas hineingezogen wurde, was sie niemals wollte.


Seit Wochen saß nun ein Mann in der Bar und beobachtete Molly. Dieser machte ihr Angst und sie hielt immer Abstand. Sie war in ihre Umkleidekabine, als es klopfte.
„Herein?“
Dieser Mann trat ein und fing sofort an zureden. Erzählte ihr, dass er einen lukrativen Job für sie hätte. Für Molly hörte es sich gut an, weil sie noch sehr naiv und unerfahren war. Das nutzte dieser Kerl aus. Er legte ihr einen Vertrag auf den Tisch und sie unterschrieb. Erst als sie auf der Straße stand und auf Freier wartete, wurde ihr klar, was passiert war. Molly war in die Prostitution abgerutscht, weil niemand da war um ihr zu helfen. Weil niemand sie gelehrt hatte, niemanden Fremdes zu vertrauen.


Es war zu spät und als sie das erste Mal ihren Job getan hatte, stand sie stundenlang unter der Dusche. Weinte und wollte den Schmutz von ihrem Körper waschen, aber dieser haftete an ihr und ließ nicht mehr von ihr ab. Das Gefühl von Ersticken war in ihr und sie musste sich mehrmals übergeben. Molly hatte ihren Körper und ihren Stolz verkauft.
Die Gefühle in ihr waren gestorben. Es war nur noch kalt in ihr und sie stumpfte mit jedem Freier mehr ab. Nichts regte sich mehr in ihr. Das Leben war aus ihr gewichen.
Für sie war es nur noch ein Job und sie funktionierte perfekt.


Eines Tages hielt eine Limousine vor ihr und die Tür sprang auf. Molly ging näher und sah hinein. Diese Augen von dem Mann waren faszinierend und sie verlor sich. Noch nie hatte sie so etwas in sich gespürt. Er lud sie ein und sie fuhr mit ihm. Aber er tat nicht das, was Molly erwartete. Nein, gemeinsam gingen sie essen, unterhielten sich über alles mögliche. Plötzlich erzählte er ihr, dass er sie von der Straße wegholen wollte. Das sie ein besseres Leben verdient hätte. Molly erklärte ihm, warum sie es tat. Sie musste ja schließlich Geld verdienen und hatte nichts anderes gelernt. Die Rechnungen mussten bezahlt werden. Der Mann hörte einfach nur zu und bot ihr wiedererwarten einen Job in seiner Firma an.
Molly wusste nicht was sie sagen sollte und fragte wie das gehen sollte. Sie konnte doch nichts. Thomas aber ließ sich von dieser Idee nicht abbringen und letztendlich willigte Molly ein. Es war ein Weg aus der Prostitution und ein Neubeginn.


Tage und Wochen vergingen und Thomas hatte sein Versprechen eingehalten. Molly bekam einen Job als Sekretärin in seiner Firma und sie fühlte sich dort sehr wohl. Thomas und sie gingen oft aus und Molly verliebte sich in ihn. Er war in ihrem Herzen und sie konnte nichts mehr dagegen tun. Er war ein sehr zuvorkommender Mann, verwöhnte sie und wusste immer was er tun musste, dass sie sich wohlfühlte. Keinen Gedanken verschwendete Molly daran, dass auch er sie nur für seine Zwecke benutzte. Thomas war Mitglied vom Stadtrat und hatte somit viele Verpflichtungen und auch die abendlichen Veranstaltungen waren nicht wenig. Was Molly nur wunderte, dass er sie nie dazu mitnahm. Als sie ihn darauf ansprach, erklärte er ihr, dass das immer Männergeschäfte waren und Frauen dort nicht hingehörten.
Molly glaubte ihm. Sie war ihm verfallen und hörig zugleich. Egal was er ihr erzählte, sie vertraute ihm, weil sie ihn liebte. Lange wartete sie darauf, dass er ihr sagte, dass auch er sie liebte und dann nach langem Warten, sagte er es ihr endlich. Das war das schönste, was er ihr jemals gesagt hatte und so wurden sie offiziell ein Paar.


Drei Jahre waren nun vergangen und Molly träumte mehr und mehr von einer eigenen Familie und sie wollte ihm davon erzählen. Heute. Schnell fuhr sie zu seinem Appartement und ihre Knie zitterten, als sie die Tür öffnete.
Molly hielt in ihrer Bewegung inne, als sie diese Geräusche hörte. Es waren bekannte Geräusche. Ihr wurde übel und ganz langsam ging sie in Richtung Schlafzimmer, öffnete die Tür und sah genau das, was sie den Geräuschen zufolge, erwartete. Ihr blieb das Herz stehen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Als Thomas sie sah, sprang er auf und schob sie mit sich in die Küche und versuchte es mit Erklärungen, aber Molly wollte nichts mehr hören. Das was sie gesehen hatte, war eindeutig.
Entrüstet fragte Molly ihn was das soll und warum er das tat.
„Ich dachte du liebst mich!“
„Ja tue ich ja auch!“
„Aber warum denn? Ich dachte wir wollten heiraten?“
Thomas Gesicht verfinsterte sich.
„Ich kann dich nicht heiraten.“
Für Molly brach eine Welt zusammen und sie schluchzte.
„Warum?“
Mit kalter Stimme antwortete er ihr:
„Erstens, weil ich schon verheiratet bin und zweitens, hast du wirklich geglaubt ich heirate eine Frau von der Straße? Eine Hure?“
In diesem Moment glaubte Molly sich verhört zuhaben. Was hatte er gerade gesagt?
Sie verpasste ihm eine Ohrfeige und Wut kam in ihr auf. Das sah er also in ihr? Ihr Verstand setzte aus und sie griff nach dem Messer, welches auf dem Tisch lag und stach blind auf ihn ein. Die Frau, die eben noch im Bett mit Thomas war, sah es und schrie lauthals durch ganze Haus. Molly sah sie nur mit eiskalten und leeren Blick an. Es schien als wäre sie gar nicht mehr in dieser Welt, als bekam sie nichts mehr mit.
Das Messer, hielt sie einfach nur fest. Das Blut tropfte auf dem Boden, neben Thomas. Molly fühlte gar nichts mehr. Sie war innerlich tot.
Die Frau rief die Polizei und Molly ließ sich verhaften. Teilnahmslos ließ sie alles geschehen.


Die Verhandlung ließ nicht lange auf sich warten. Die Zeitungen waren voll mit Artikeln, dass Molly ein Mitglied des Stadtrates getötet hatte. Sie wurde durch den Dreck gezogen. Ihre ganze Vergangenheit wurde aufgerollt und die Menschen verabscheuten sie. Sie schrien laut auf, dass Molly die Todesstrafe verdient hatte.
Nach tagelangen Warten aufs Urteil erhielt sie es endlich.

15 Jahre Gefängnis!!

Molly war enttäuscht. Sie hätte die Todesstrafe in Kauf genommen. Es war ihr egal was ihr geschah. Ihr Leben war kein Leben mehr. Nun aber war sie schon 10 Jahre in dieser kleinen Einzelzelle. Ihr Körper war zerschunden und sie war gebrochen.

Molly wurde je aus ihren Gedanken gerissen, als sie Zellentür geöffnet wurde. Die Wärterin kam herein und zerrte sie an den Haaren hoch. Nur ein Stöhnen kam über Mollys Lippen und dabei blieb es auch. Hätte sie ein Wort gesagt, hätte sie wieder Schläge bekommen. Also hielt sie den Mund. Noch kannte Molly nicht den Grund, warum sie geholt wurde. Ihr damaliger Anwalt war da. Mit dem hatte Molly am wenigsten gerechnet. Das letzte Mal hatte sie ihn gesehen, als die Verhandlung abgeschlossen war. Nun saßen sie sich wortlos gegenüber. Plötzlich legte er seine Hand auf ihren Arm, was sie ängstlich zusammen zucken ließ. Sofort zog sie ihren Arm fort. Berührungen jeglicher Art konnte sie nicht mehr ertragen.


Der Anwalt durchbrach die Stille und erzählte ihr, dass er die ganzen Jahre an ihrem Fall gearbeitet hatte. Molly war erstaunt. Das hätte sie nie erwartet und als er dann sagte, dass er es geschafft hatte, dass sie vorzeitig entlassen werden sollte, wurden ihre Augen ganz groß.
„Wollen sie mir etwa sagen, ich komme hier raus?“
Lächelnd nickte er:
„Ja. Sie werden noch heute entlassen, Molly!“
Tränen füllten ihre Augen und fassungslos sah sie ihn an.
„Ich darf gehen?“
„Ja Molly. Ich muss nur noch einige Papiere unterschrieben.“
„Aber warum haben sie das für mich getan? Sie kennen mich doch gar nicht.“
Er nahm seine Brille ab, sah an Molly vorbei und erklärte es ihr:
„Wie soll ich es ihnen erklären, Molly. Wenn ich ehrlich bin, sie haben mir einen großen Dienst erwiesen.“
„Ich?“
„Ja. Auch wenn ich vielleicht hart klinge, aber dieser Mann hatte den Tod verdient!“
Molly verstand gar nichts mehr und fragte nach:
„Was meinen sie?“
„Er war ein Mörder, Molly!“
Molly schluckte und zog die Augenbrauen hoch:
„Würden sie mir jetzt bitte genau sagen, was sie meinen?“
„Also gut. Er war mein Vater!“
Sie sprang auf und lief aufgeregt umher.
„Ich habe ihren Vater getötet und sie helfen mir hier raus? Ist das nicht ein bisschen makaber?“
Der Anwalt senkte den Blick, damit Molly seine Tränen nicht sah und mit tränenerstickter Stimme gab er ihr Antworten, damit sie es verstand.
„Er hat meine Mutter getötet. Ich war damals zu schwach, sonst hätte ich ihn getötet. Aber ich konnte es nicht und hatte immer auf das Gesetz gehofft. Aber wie sie sehen, es werden oft die falschen Menschen bestraft und weil ich weiß, wie er war und sie unter ihn gelitten haben, wollte ich sie retten.“
„Das heißt sie verzeihen mir?“
„Molly ich muss sie um Verzeihung bitten. Wenn ich den Mut gehabt hätte, wäre ihnen das alles nicht passiert!“
Das eben Gehörte, konnte Molly nicht realisieren. Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile darüber und es war gut so. Molly war nicht böse und es tat ihr leid, dass dieser Mann so leiden musste. Aber dann kamen sie wieder zum Hauptthema. Molly sollte entlassen werden. Nervös lief sie auf und ab.


Sie sollte aus dieser Hölle entkommen? Gedanken kreisten in ihrem Kopf herum. Es dauerte keine Stunde mehr und sie fand sich vorm Tor des Gefängnisses wieder. Ihr Anwalt stand neben ihr, gab ihr die Papiere, die sie brauchte, wünschte ihr viel Glück und ließ sie mit ihrem kleinen Päckchen, was sie in der rechten Hand allein zurück.
Nach zehn langen Jahren war sie nun frei. Der Anwalt hatte für alles gesorgt, hatte ihr eine Adresse und ein Schlüssel gegeben. Dort war nun ihr neues zuhause und auch einen Job hatte er für sie gefunden Molly sollte in einem kleinen Kaffee am Rande der Stadt als Bedienung arbeiten.
Hilflos und ängstlich ging sie durch die Straßen der Stadt. Immer die Angst, dass sie jemand erkannte. Ihr Blick war gesenkt und bei jedem lauten Geräusch zuckte sie zusammen.
Ein neues Leben wartete nun auf sie. Zehn Jahre war sie allein in einer kleinen Zelle eingesperrt und nun war sie in dieser großen Stadt, umgeben von lauten Geräuschen und musste sich wieder zurechtfinden.
Nach endlosen Minuten kam sie an ihrer neuen Adresse an.


Mit zittrigen Fingern schloss sie die Tür von ihrer neuen Wohnung auf, zögerte aber noch hinein zugehen. Tief Luft holend trat sie dann doch ein und sah sich neugierig um. Sie war liebevoll und gemütlich eingerichtet und es gefiel ihr. Das war nun ihr neues zuhause.
Zweifel jedoch schlichen sich ein. Sollte sie es wirklich schaffen? Konnte sie wirklich neu anfangen, nach allem was geschehen war? Jahrelang hatte sie in Dunkelheit gelebt und musste sich nun davon lösen und Schritt für Schritt Licht in ihr Leben lassen.

Die Wochen vergingen und Molly fing an sich wieder ins Leben einzufinden. Ihr neuer Job machte ihr Spass. Die Leute waren nett zu ihr und sie fühlte sich von Tag zu Tag sicherer.

Heute hatte sie Spätschicht und es war nicht viel los im Kaffee. Zwei Männer kamen herein und setzten sich in die Ecke und unterhielten sich angeregt. Molly stand mit dem Rücken zu ihnen, als einer von Beiden sie bat ihnen zwei Tassen Kaffee zu bringen. Ohne ihn anzusehen, rief sie, dass der Kaffee sofort kam. Molly brachte den Kaffee an den Tisch und sah die Männer an. Erst den Einen, der den Kaffee bestellt hatte, dann den anderen. Er schien der ruhigere von ihnen zu sein und es schien ihm nicht gut zugehen. Als er hochblickte, sahen sie sich beiden an. Länger als man jemanden eigentlich ansah. Seine Augen waren so traurig und gingen Molly tief ins Herz. Sie verbargen seine Tränen, die nur jemand sah, der ins Herz blicken konnte. Er weinte innerlich. Molly riss sich von seinem Anblick los und ging ein bisschen zu schnell zur Theke zurück. Immer wieder sah zu ihm und manchmal trafen sich ihre Blicke.


Nach zwei Stunden verließen sie das kleine Cafe und Molly konnte Feierabend machen. Als sie vor die Tür trat, atmete sie tief die Nachtluft ein, ging ganz langsam in Gedanken versunken in Richtung ihrer Wohnung. Da entdeckte sie jemanden an einer Hauswand lehnend. Eigentlich sollte sie sich umdrehen und gehen, aber eine magische Macht zog sie zu diesem jemand. Eine innere Stimme riet ihr ab. Die Angst das ihre Identität aufflog war immer noch in ihr. Wer wollte schon etwas mit einer Mörderin zu tun haben?
Die Magie, die von ihm ausging, ließ diese Bedenken schnell verschwinden und sie stand vor ihm.
„Hallo, sie sind ja noch da. Ich dachte sie sind mit ihrem Freund gegangen?“
Er räusperte sich.
„Ich weiß nicht wohin!“
Molly verstand das nicht.
„Sie wissen nicht wo sie hingehen sollen? Wie wäre es mit nach Hause?“
„Dort fühle ich mich einsam!“
„Wollen wir ein wenig spazieren gehen?“
Dieser Mann nickte und gemeinsam gingen sie ein.
Ab und an sahen sie sich an und versanken in den Augen des anderen. Molly mochte seine Augen. Sie erzählten soviel von ihm, auch wenn er es nicht in Worte fasste. Beherzt griff er nach ihrer Hand und blieb mit ihr stehen. Sie senkte verlegen den Blick. Ihr Herz klopfte wild und hörte ihn sagen:
„Danke!“
„Wofür? Ich habe doch nichts getan!“
„Doch haben sie. Sie sind einfach da und fragen nicht, hören mir zu!“ Das trieb Molly die Röte auf die Wangen. Diese Situation war so ungewohnt für sie und schnell ließ sie ihn los.
„Ich muss aber jetzt gehen. Morgen habe ich Frühschicht und ich sollte besser schlafen gehen.“
Hastig drehte sich um ohne Antwort abzuwarten. Ein wenig verwirrt rief er ihr nach:
„Wir werden uns wieder sehen!“
Diese Worte bohrten sich tief in Mollys Herz und sie drehte sich noch einmal zu ihm um und lächelte. Zum Abschied hob er seine Hand und winkte ihr zu. Auch wenn er lächelte, Molly erkannte die Tränen in seinen Augen. Er war ein wildfremder Mann, aber sie fühlte sich ihm so nah, als kannte sie ihn länger. Zuhause angekommen ging sie gedankenverloren zum Fenster und sah noch einmal hinaus. Die ganze Zeit dachte sie an den Fremden. Dieser hatte ihr Herz in einer ganz neuen Art und Weise berührt.


Am nächsten Morgen war dieses Gefühl noch nicht verschwunden und sie ging zur Arbeit. Sie liebte ihren Job, aber liebte sie auch sich selbst und ihr Leben?
Nein, die letzten Jahre hatten sie gezeichnet. Der Glaube an die guten Dinge war verloren. Die Angst jeden Tag von jemanden erkannt zu werden verließ sie nicht. Sie hatte Angst vor den abwertenden Blicken. Wer konnte schon eine Mörderin in seiner Umgebung ertragen?
Im Cafe war viel zu tun und so war Molly ein wenig abgelenkt und hatte keine Zeit mehr zum nachdenken.
Sie stand an der Theke, als ihr ein kleiner Junge einen Zettel in die Hand drückte. Verwundert darüber, fragte sie ihn was das sollte, aber er ging einfach. Mit fahrigen Fingern öffnete sie das Briefchen und las:
„Hallo schöne Frau, danke das sie für mich da waren. Ich möchte sie gern wiedersehen. Was halten sie davon. Heute Abend um 8 Uhr im Park? Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag und hoffe auf ein Wiedersehen. Christian“
Traurig ließ sie den Zettel sinken, doch ihre Gefühle fuhren auf und ab. Sollte sie dort hingehen? Sollte sie ihn treffen?
Ihr Herz sagte ja, aber ihr Verstand sagte ihr, sie sollte es bleiben lassen. Wenn er die Wahrheit über sie wusste, würde auch er sie hassen. Später als sie sich auf den Heimweg machte, grübelte sie und kam zu keinem Entschluss.

Eine Stunde später hatte ihr Verstand gesiegt. Sie blieb zu hause und setzte sich weinend aufs Sofa. Der Raum war Dunkel und sie versuchte sich in die Dunkelheit zu fliehen um nicht den Schmerz zu spüren, der in ihrem Herzen tobte. Als sie ihre Augen schloss sah sie ihn. Christian. Aber es durfte nicht sein. Nur durch ihre Verzweiflungstat vor 10 Jahren, hatte sie sich ihr eigenes Leben ruiniert, hatte kein Recht mehr glücklich zu sein. Sie bestrafte sich weiterhin selbst.


Es klingelte an der Tür und sie zuckte zusammen. Müde und mit hängenden Schultern ging sie zur Tür und lugte durch den Spion. Sie konnte es einfach nicht glauben. Christian war da. Direkt vor ihrer Haustür. Wie kam er hierher? Woher wusste er, wo sie wohnte?
Noch einmal klingelte es und sie öffnete die Tür:
„Hallo!“, sagte er mit einem wunderschönen Lächeln!
„Hallo, woher wissen sie?“
„Ich habe im Cafe gefragt, weil du nicht gekommen bist!“
„Hmmm!“
Mehr kam nicht über ihre Lippen. Sollte sie sich jetzt freuen? Christian bemerkte ihre Zerstreutheit.
„Hey, freust du dich nicht?“
„Doch, doch, schön dich wieder zu sehen….ähmmm…“
„Ich heiße Christian Evers!“ Er reichte ihr die Hand.
„Molly!“, mehr wollte sie nicht von ihrem Namen preisgeben. Es könnte ja sein, dass Christian sich an die Schlagzeilen erinnerte. Das wollte sie verhindern. Ihre Hand haltend antwortete er:
„Freut mich, Molly. Ein schöner Name!“
„Danke!“
Christian spürte die Distanz zwischen Beiden. Er fühlte, dass sie Angst hatte. Aber Angst vor was? Vor ihm?
„Darf ich reinkommen?“
Erst jetzt bemerkte Molly das sie noch immer an der Tür standen.
„Ja kommen sie!“
Nervös schloss sie die Tür und wusste nicht wohin mit ihren Armen.
„Möchten sie einen Kaffee?“
„Oh ja gern!“
Molly zeigte ihm das Wohnzimmer und bat ihm auf dem Sofa Platz zu nehmen. Sie ging in die Küche und bereitete Kaffee zu und fragte sich dabei, was sie hier eigentlich tat. War das nicht zu gefährlich?

An diesem Abend kamen sich die Beiden näher und als es Zeit war für ihn zu gehen, musste sie ihm versprechen, sich wieder mit ihm treffen. Molly sagte zu und so vergingen die Tage. Sie lernten sich besser kennen und Molly blühte wieder auf. Sie konnte lächeln. Christian hatte immer eine Antwort auf alles und manchmal kämpften sie um das letzte Wort. In diesen Moment konnte sie ihre Vergangen und ihr Geheimnis, welches sie verbarg, vergessen.


Mollys Geburtstag stand vor der Tür und Christian holte sie ab. Eine Überraschung hatte er auch für sie und sie quengelte die ganze Zeit, dass er sie nicht so lange hinhalten sollte. Jedoch grinste er dann nur frech und hielt ihr vor, dass Geduld eine Tugend war. Was sie natürlich wahnsinnig machte.
Gemeinsam fuhren sie mit seinem Auto Richtung Autobahn. Irritiert sah sie ihn an. Irgendwie wusste er die Antwort, ohne das sie ihn fragte:
„Lass dich einfach überraschen!“
Das verschlug ihr die Sprache. Warum mussten Männer immer nur in Rätseln reden. Das war gemein und sie knurrte ein wenig mit ihm herum. Er ließ sich aber nicht beirren, lächelte und fuhr konzentriert die Autobahn entlang.
Kurz bevor sie das Ziel erreichten, bat Christian Molly, die Augen zu schließen und sie gehorchte. Er hielt an und half ihr beim Aussteigen, hielt ihr die Hand vor die Augen dass sie nicht schummelte und lugte.
Ein wenig unbeholfen gingen sie Schritt für Schritt und endlich war es soweit. Christian nahm die Hand herunter und Molly öffnete die Augen. Es war ein wundervoller Anblick. Sie waren am Strand, in einer ganz kleinen Bucht, außerhalb der großen Stadt.
„Happy Birthday, Molly!“
Erstaunt sah sie ihn an. Ihre Augen glänzten, als tanzten tausend kleine funkelnde Sterne in ihnen. Ihr Lächeln war bezaubernd und Christians Herz geriet in Aufruhr. Molly war so wunderschön. Die Frau seines Herzens.
Er hauchte ihr ein Küsschen auf die Wange und sie errötete, schenkte ihm auch eines. Hand in Hand gingen sie hinunter ans Wasser und sahen aufs weiter Meer hinaus. Plötzlich wurde Molly traurig und Christian sah es.
„Was ist los?“
„Nichts. Es ist alles in Ordnung. Es ist so wunderschön hier! Ich danke dir von ganzem Herzen!“
Aber das war nicht der wirkliche Grund ihrer Tränen. Nein, sie wusste, dass es das Ende war. Die Liebe hatte sich in ihr Herz geschlichen und das durfte einfach nicht sein. Natürlich wusste sie, dass Christian sie auch liebte, auch wenn er es nicht sagte. Jede Mimik, jede Geste verriet es ihr und wenn sie in seine Augen blickte, sah sie die Liebe zu ihr, die ihr Herz so stark wärmte, dass es unglaublich war.
Spät brachte er sie nach Hause und sie verabredeten sich für den nächsten Tag. Molly küsste ihn ganz sanft auf die Wange und hauchte ihm ein leises Danke zu. Christian sagte nichts und als sie ausstieg, wartete er solange bis sie im Haus war. Erst dann fuhr er selbst heim.


Mittlerweile waren Monate vergangen. Keiner von Beiden hatte bis jetzt die drei Worte ausgesprochen. Christian nicht, weil er Angst hatte sie zu verlieren und Molly nicht, weil wenn sie es sagte, wusste sie, dass sie gehen musste. Denn die Wahrheit kannte er nicht und sie konnte es ihm einfach nicht sagen.
Nur Christian wollte mehr. Er wollte sie heiraten und eine Familie gründen und eines Abends, als sie einen Spaziergang machten, bat er sie für einen Moment stehen zu bleiben.
Tief sah er ihr in die Augen und sie schrie innerlich.
// Nein tue es nicht. Bitte sage es nicht.//
Ihr Flehen wurde nicht erhört und sie hörte, wie Christian sagte:
„Molly ich liebe dich!“
Entgeistert sah sie ihn an und als er mit seinen Lippen näher kam, entzog sie sich ihm und wisperte:
„Du darfst mich nicht lieben, Christian. Bitte nicht.“
„Das tue ich aber und das wird sich niemals ändern. Nichts und niemand kann mich daran hindern, dich zu lieben. Molly!“
Ihr Herz blutete so furchtbar. Die Qualen in ihr wurden unerträglich und sie lief in die Nacht, ließ ihn stehen.
Sie hasste sich selbst, schimpfte mit sich selbst. Wie konnte sie das nur zulassen. Wie konnte Christian eine Mörderin lieben?
Das konnte sie ihm nicht antun. Er musste sie vergessen.
Auch sie versuchte gegen ihre Gefühle anzukämpfen. Wehrte sich mit aller Macht dagegen. Ja, sie liebte ihn mehr als andere auf der Welt, aber er hatte jemanden besseres verdient. Mit ihr konnte Christian keine Zukunft haben.
Er war ihr gefolgt. Wie konnte er sie davon kommen lassen und als er sie eingeholt hatte, zog er sie in seine Arme und hielt die sich wehrende Molly fest. Sie versuchte frei zukommen, aber seine starken Arme umhüllten sie und es gab kein entkommen. Verzweifelt und unter Tränen fragte sie:
„Warum liebst du mich? Warum ausgerechnet mich?
Sanft strich er ihr eine Strähne aus ihrem Gesicht und streichelte ihre Wange.
„Ich liebe dich seit unserer ersten Begegnung. Es ist einfach geschehen und ich will mich nicht länger wehren. Du bist in meinem Herzen, Molly und in jeder Sekunde denke ich an dich. Ich möchte nicht mehr ohne dich sein. Kannst du es nicht verstehen?“
Seine Worte hatte Molly berührt und die Tränen liefen unaufhaltsam.
„Ich liebe dich auch, Christian…aber!“
„Nichts aber….“
Er verschloss ihre Lippen mit einem zärtlichen Kuss und Molly vergass ihre Angst. Sie fühlte sich geliebt und beschützt und sie hoffte, dass dieser Moment niemals endete.
Hand in Hand gingen sie sich immer wieder ansehend zum Auto zurück und Christian nahm sie mit und zeigte ihr sein zuhause. Es war ein wenig steril hier und er zuckte ein wenig schüchtern die Schultern. Das brachte Molly zum Lächeln.
„Das kriegen wir schon hin, Schatz!“
Die Hoffnung in Christian war erwacht. Hatte er es geschafft Mollys Vertrauen zu gewinnen? Hatten sie jetzt eine wundervolle Zukunft vor sich?


Nach ein paar Tagen aber zogen dunkle Wolken über das junge Glück. Christian hatte die unzähligen Narben an ihrem Körper entdeckt und sie danach gefragt. Molly steckte in der Klemme. Was sollte sie ihm darauf antworten?
Immer und immer wieder holte ihre Vergangenheit sie ein. Aber über ihren Schatten konnte sie nicht springen und tischte Christian immer wieder kurze Antworten auf. Er konnte sich keinen Reim darauf machen, hoffte aber, dass sie ihm eines Tages erzählte, was wirklich geschehen war.
Christian und Molly lebten schon einige Jahre in seinem Haus. Sie waren glücklich. Manchmal überkam Molly die Angst, dass doch noch alles herauskam.
Einmal hatte Christian sie beobachtet, als sie weinend auf der Terrasse saß und in den Sternenhimmel blickte. Er setzte sich zu ihr und nahm ihre Hand. Molly konnte ihm nicht in die Augen sehen, als er mit ihr redete:
„Liebling. Du lachst, aber deine Augen weinen ohne Tränen. Ich sehe, dass dich etwas bedrückt. Sag mir, was es ist.“
Wortlos stand sie auf und ging ins Haus. Der Frieden im Hause der Beiden war vorbei. Von Tag zu Tag gab es mehr Streit zwischen den ihnen. Christian hatte es langsam satt, dass sie ihm nicht vertraute und ihm etwas verheimlichte.
Er war im Recht, aber Molly konnte nicht. Sie hatte doch keine Ahnung, wie er darauf reagieren würde und sie nicht mehr lieben würde und darum schwieg sie beharrlich weiter.


Gestresst kam Christian an diesem Abend nach Hause. Die Türen knallten und Molly zuckte ängstlich zusammen. Sie wusste, dass es wieder Streit gab, wenn er in dieser Stimmung war. Er kam ins Schlafzimmer, sagte nicht einmal Hallo zu ihr. Es schien als war die Liebe der Beiden am Ende.
Auch das miteinander Reden war schon fast gestorben. Sie lebten aneinander vorbei.
Molly fasste sich ein Herz und wollte mit ihm reden. So konnte es nicht weitergehen. Sie wollte ihn nicht verlieren:
„Schatz, was ist los?“
Christian sah sie böse an und erwiderte:
„Das weiß du doch ganz genau. Ich habe die Faxen dicke. Ich will endlich wissen, was du mir verheimlichst. Meine Geduld ist einfach am Ende. Du vertraust mir nicht.“
Auch Molly wurde böse. Was sollte das denn jetzt?
„Ach, es hat doch kein Sinn mit dir zureden!“, schrie sie zurück.
Das war zuviel des Guten und weinend verließ sie das Haus.
Währenddessen holte Christian den Koffer von Molly unter dem Bett hervor und wollte einige Sachen von ihr rein werfen. Die Beziehung war am Ende.
Als er ihn öffnete, sah er die vielen Zeitungsartikel. Molly hatte sie alle aufgehoben. Neugierig warf er einen Blick darauf und er erstarrte.
Molly kam zurück und sah ihn auf dem Bett lesend. Er blickte kurz hoch, stand auf und ging an ihr mit den Worten vorbei:
„Wenn ich wiederkomme, bist du aus meinem Haus verschwunden, Molly!“
Dann war er fort und Molly sank weinend auf den Boden. Jetzt kannte er ihr Geheimnis. Ihr Glück war zerstört.
Einige Minuten vergingen, dann raffte sie sich auf und schrieb einen Abschiedsbrief. Erzählte ihm alles, was geschehen war und endete mit den Worten:

„Trotz allem was ich damals getan habe, meine Liebe zu dir war kein Spiel und ich danke dir, dass du mir in meinem Leben gezeigt hast, was es heißt zu lieben. Welche Gefühle es in einem auslöst. Diese Gefühle werde ich mitnehmen und dort wo ich hingehe, werden sie mich mit Wärme einhüllen. Leb wohl Christian und danke für alles. Ich liebe dich. Auf ewig!“

Sie legte den Brief aus seinen Nachttisch, packte ihren Koffer und verließ das Haus. Wohin sie gehen sollte, wusste sie nicht. Sie war wieder allein. Hatte alles verloren und hasste sich selbst und das Leben. Sie bereute es nun, ihm nichts gesagt zu haben. Vielleicht hätten sie ja doch eine Zukunft gehabt. Vielleicht nicht, aber sie hätte ihm dann nicht den Schmerz zugefügt, den er jetzt erleiden musste.


Christian kam zurück ins Haus. Seine Wut war verraucht und hoffte, dass Molly noch da war. Es war an der Zeit, dass sie redeten. Jedoch fand er nur noch den Abschiedsbrief. Er las ihn und seine Tränen brannten sich heiß in seine Wangen. Warum hatte sie sich ihm nicht eher anvertraut? Seine Liebe wäre niemals erloschen. Christian liebte sie und das sollte sich auch nicht durch ihre Tat ändern. Eine innere Leere war in ihm. Sie fehlte ihm. Sie gehörte zu ihm. Als er seine Augen schloss, sah er jeden einzelnen Moment mit ihr. Ihr Lächeln, ihre wunderschönen Augen. Sie war ein Teil von ihm und er konnte ohne sie nicht leben. Schnell lief er zu seinem Auto. Er musste sie finden. Stundenlang fuhr er durch die Nacht, aber keine Spur von ihr. Molly war wie vom Erdboden verschluckt.
Traurig fuhr er heim und ging ins Haus. Seine Schultern hingen schlaff herunter. Als er die Treppen zum Schlafzimmer hochging, fuhr er sich durchs Haar.
Immer wieder die Frage, wie sollte es jetzt weitergehen. Niedergeschlagen setzte er sich aufs Bett. Molly war fort!


Jahre waren vergangen. Molly war in eine andere Stadt gezogen und es verging nicht ein Tag an den sie nicht an ihn dachte. Die Liebe zu ihm, wuchs trotzallem von Tag zu Tag.
Christian hatte nie die Hoffnung aufgegeben, Molly wieder zufinden. Er glaubte daran, dass die Liebe einen Weg fand, sie wieder zu vereinen. Und er behielt recht. Er fuhr zu einer Tagung und stand am Buffet, als er Molly plötzlich entdeckte. Sie servierte die Cocktails. Auch sie spürte seine Nähe und blickte sich suchend um. Als sie ihn entdeckte, schluckte sie. Christian überlegte nicht lange, lief auf sie zu und zog sie in seine Arme, schluchzte:
„Bitte verzeih mir. Ich liebe dich!“
Molly konnte einfach nichts sagen, ließ es nur geschehen und als sie sich in die Augen sahen, stand die Zeit still. Zärtlich küssten sie sich und ließen ihre Liebe wieder erwachen.
Die Beiden hatten sich wieder und an diesem Abend redeten sie überalles und endlich, nach sovielen Jahren konnten sie in eine glückliche Zukunft blicken.

Ein Geheimnis hatte soviel Schmerzen bereitet. Ein Geheimnis, welches Molly mit sich trug. Jedoch die Liebe zueinander brachte sie wieder zusammen und gab ihnen eine zweite Chance. Die Beiden hatten daraus gelernt. Egal was es war, man sollte über alles reden und das größte Problem konnte gelöst werden, wenn beide einander vertrauen!

© Maya

Please don´t leave me!

Liebe fragt nicht nach der Hautfarbe, nicht nach der Religion und auch nicht nach der Sprache, die wir sprechen. In der Liebe gibt es so etwas nicht. Liebe geht über Grenzen hinaus und so finden sich die Herzen, denn sie sprechen nur eine Sprache. Die Sprache der Liebe.

Kabir arbeitete in einer Firma in London und dort lebte er auch seit Jahren. Aber seine Wurzeln waren in Dubai begraben. Seine Familie lebte dort und wann immer er konnte, reiste er zu ihnen. Jedoch fühlte er sich auch in London sehr wohl. Dort hatte er seine große Liebe Stacy, kennen und lieben gelernt. Gemeinsam gingen sie nun schon zwei Jahre durchs Leben. Das Einzige was ihn störte. Seine Familie wusste davon nichts und es war an der Zeit, dass sie erfuhren, dass er Stacy ehelichen wollte und sein Leben mit ihr teilen möchte. Auf ewig.


Eines Abends als sie einen Spaziergang machten, fragte Kabir sie, ob sie nicht mit ihm nach Dubai kommen möchte. Er flog in drei Tagen, für zwei Monate, in seine Heimat. Stacy blieb stehen und sah ihn mit großen Augen an:
“Ist das dein Ernst?”
“Ja. Ich möchte, dass meine Familie dich endlich kennenlernt!”
“In drei Tagen?”
“Ja!”
Stacy senkte den Blick. Sie wäre gern mit ihm gegangen, aber es ging jetzt nicht und sie eröffnete es ihm traurig.
“Ich kann jetzt nicht, Kabir. Mein Verlag wartet auf die Fortsetzung des Buches. Ich muss noch jede Menge schreiben!”
Ein wenig enttäuscht sah er sie an. Sie ging näher und legte ihre Hand auf seine Wange.
“Schatz, ich kann aber nachkommen. Gib mir 3 Wochen und dann komme ich zu dir.”
Erst überlegte Kabir. Aber wie konnte er nein sagen. Er wusste, wie sehr sie das Schreiben liebte und er wollte ihr niemals im Weg stehen. Ganz im Gegenteil, er unterstützte sie, wo er nur konnte.
“Okay, du schreibst und wenn du deine Arbeit abgeliefert hast, dann kommst du nach!”
Glücklich, dass Kabir nicht mit ihr böse war und das sie ihn nicht enttäuscht hat, nahm sie ihn in den Arm und hauchte ihm ein Küsschen auf. Die Beiden hatten sich gesucht und gefunden. Nie gab es große Probleme und wenn etwas nicht in Ordnung war, redeten sie mit einander um es aus der Welt zu schaffen. Alles schien perfekt.


Die drei Tage, an denen Kabir noch da war, waren wunderschön, gingen aber viel zu schnell vorbei. Stacy kämpfte gegen ihre Tränen an, als sie sich am Flughafen verabschiedeten. Drei Wochen waren so lang und sie wusste nicht, wie sie das schaffen sollte. Auch Kabir war traurig. Er hätte sie so gern gleich mit genommen und stolz seinen Eltern die Liebe seines Lebens vorgestellt. Die Beiden hielten sich in den Armen und blieben zusammen, bis der endgültig letzte Aufruf kam und nun war es um Stacy geschehen. Die Tränen konnte sie nicht mehr aufhalten. Er wischte sie liebevoll fort:
“Bitte nicht weinen, Schatz. Wir sehen uns doch ganz bald wieder!”
Stacy bekam kein Wort über ihre Lippen und nickte nur traurig und dann musste er gehen und ließ sie allein zurück. Sie nahm sich vor, so schnell wie möglich ihre Arbeit zu beenden, damit sie zu Kabir fliegen konnte. Jedoch war das schwerer als sie gedacht hatte, denn die Worte wollten einfach nicht so, wie sie wollte.
Immer und immer wieder flogen die Gedanken zu Kabir. Alle gemeinsamen Erinnerungen waren in ihrem Kopf. Nur ausgerechnet jetzt war ein ungünstiger Zeitpunkt. Auch Kabir vermisste Stacy sehr und rief sie so oft er konnte an. Noch hatte er seiner Familie nichts erzählt. Er wollte sie überraschen, ahnte nicht in einer Minute, dass das ungeahnte Folgen haben konnte.


Endlich hatte Stacy ihre Arbeit abgeschlossen und freudig schickte sie ihr Geschriebenes zum Verlag. Danach buchte sie ihren Flug und rief ihn an. Es dauerte eine Weile, bis er abnahm. Sofort bemerkte sie, dass etwas nicht mit ihm stimmte.
“Kabir, was ist los?”
“Nichts, es ist alles in Ordnung!”
Schnell lenkte er ein, damit Stacy nichts mitbekam.
“Wann kommst du endlich?”
“Morgen früh geht mein Flug. Holst du mich vom Flughafen ab?”
“Ja natürlich. Wann?”
Stacy gab ihm die Ankunftsdaten und verabschiedete sich von ihm. Irgendetwas störte sie und ihre Freude wurde getrübt. Sie vermisste sein Lächeln. Freute er sich denn gar nicht, dass sie morgen bei ihm war? Was war denn nur geschehen?
Unruhig und nervös packte sie ihren Koffer und hoffte morgen die erlösende Antwort auf ihre Fragen zu bekommen. An Schlaf war diese Nacht nicht zu denken.


Kabir ging es auch nicht anders. Doch Angst machte sich in ihm breit, denn er musste Stacy etwas offenbaren und wusste noch nicht wie. Würde sie das verstehen? Die Stunden, bis sie endlich ankam, waren endlos.
Am Flughafen waren viele Menschen und auch Kabir. Nervös strich er sich durchs Haar. Auch wenn sie sich schon so lange kannten, es fühlte sich an, als trafen sie sich heute zum ersten Mal.
Es war so weit und er entdeckte Stacy. Sie war so wunderschön und er lächelte. Sein Herz klopfte wild und schien jeden Moment aus seiner Brust zu springen. Sein Puls raste und als sie ihn auch sah, liefen sie aufeinander zu und hielten sich ganz fest in den Armen.
Die Liebe der Beiden wuchs in diesem Moment ins Unermessliche. Und es dauerte eine Weile bis sie sich aus der Umarmung lösen konnten. Stacy sah ihm in die Augen und entdeckte Traurigkeit.
“Kabir, was ist passiert?”
“Nichts, warum fragst du?”
“Deine Augen sind so traurig?”
“Ach nein. Es ist alles in Ordnung.”
Sie glaubte ihm nicht, beließ es erst mal dabei. Sie wusste, wenn er nicht reden wollte, hatte es keinen Sinn.


Gemeinsam fuhren sie zum Haus von Kabirs Eltern. Dort angekommen, gingen sie hinein. Stacy war aufgeregt und er hielt ihre Hand ganz fest. Mit den Augen sagte er ihr, dass sie keinen Grund hatte. Alles war gut.
Jedoch konnte er sie nicht beruhigen und als sie vor seinen Eltern stand, fühlte sie die Ablehnung, die von ihnen ausging. Sie waren nett, dass stand außer Frage. Aber die Atmosphäre war sehr unterkühlt und Stacy fühlte sich hier nicht willkommen. Nachdem seine Eltern sie genug “gemustert” hatten, führte Kabir sie in seine eigene kleine Wohnung, im Haus seiner Eltern.
Ja, hier war es warm. In jeder Ecke dieser Räume konnte sie Liebe spüren und als sie ihn ansah, konnte sie ein paar Tränchen in seinen Augen schimmern sehen. Schnell ging sie zu ihm und küsste ihn sanft.
“Was ist passiert, Kabir?”
Er konnte es einfach nicht sagen und zog sie in seine Arme, flüsterte:
“Bitte lass mich niemals allein. Bitte!”
Stacy hielt ihn fest, streichelte zärtlich durch sein Haar, verstand nicht warum er so traurig und aufgewühlt war. Kabir hatte sich verändert, seit er hier in Dubai war. Noch nie hatte sie ihn so traurig erlebt.
“Schatz, warum sollte ich dich allein lassen?”
Wieder erwiderte er nichts, hielt sie einfach nur fest. Die Minuten vergingen und plötzlich, drehte Kabir auf, als hätte es diese Aussage nie gegeben, schlug ihr vor Dubai zu zeigen. Stacy kam mit diesem Tempo nicht mit, aber sie willigte ein.


Kabir und Stacy machten einen Stadtbummel. Immer und immer wieder sah sie ihm tief in die Augen. Er konnte ihren Blick nicht stand halten und blickte sofort in eine andere Richtung. Nun war sie sich ganz sicher, dass er etwas verheimlichte.
Am Abend saßen sie eine Weile mit seinen Eltern zusammen. Stacy fühlte sich nicht wohl in ihrer Nähe. Auch wenn sie versuchten nett zu ihr zu sein, war da etwas, was ihr Angst machte. Dankbar, dass Kabir sagte, dass sie gehen wollten, atmete sie tief durch.
Wenn die beiden in seiner Wohnung waren, war er ein komplett andere Mann. Nur die Schatten in seinen Augen blieben.


Es war spät in der Nacht, als Stacy aufwachte. Das Bett neben ihr war leer und sie blickte sich suchend um. Kabir stand am Fenster und sah gedankenverloren hinaus. Sie ging zu ihm, umarmte ihn von hinten, gab ihm ein Küsschen auf seine nackte Schulter.
Lächelnd sah er sie an und zog sie in seine Arme.
“Danke, dass du mich liebst, Stacy!”
“Willst du mir nicht endlich sagen, was dich so bedrückt?”
“Es ist wirklich alles in Ordnung!”
So langsam wurde sie böse mit ihm. Sie fühlte, dass er sich unsagbar quälte.
“Also gut. Wenn du meinst!”
Traurig ging sie zurück ins Bett. Warum vertraute er ihr nicht? Bis jetzt hatten sie doch jede Hürde geschafft, jedes Problem gelöst. Was war nun so schwer, es nun zu sagen?

Am nächsten Tag war Kabir so als hätte es die letzte Nacht nicht gegeben. Er lächelte, verwöhnte seine Stacy und am Abend saßen sie gemeinsam am Strand. Er saß hinter ihr und sie kuschelte sich an seine Brust. Manchmal waren sie einfach nur leise und hörten dem Rauschen der Wellen zu. Stacy liebte es in seinen Armen zu liegen. Dort fühlte sie sich sicher und geborgen. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne für die Zukunft, aber als Stacy über die Hochzeit redete, wurde Kabir ganz still und sie spürte seinen schnellen Herzschlag. Sie bekam keine Antworten auf ihre Fragen und das machte sie stutzig.


Sein Lächeln war anders wie sonst und das Glänzen in seinen Augen war gänzlich verschwunden. Dieses Mal wollte sie ihn nicht davon kommen lassen. Es war an der Zeit heraus zu finden, was ihn so verändert hatte. Kabir jedoch blieb stur und sie fingen sich an zu streiten.
Stacy stand auf und schimpfte laut mit ihm.
“Warum vertraust du mir nicht und sagst mir endlich was hier los ist?”
Auch er stand auf und wollte ihr wieder näher kommen, doch Stacy ließ es nicht zu und ihre Augen verengten sich.
“Hast du jemand anderes kennen gelernt?”
Ein Stich durchfuhr sein Herz. Stacy glaubte, dass er eine andere Frau liebte?
Wie konnte sie das denken? Für ihn gab es nur sie! Sie war die Einzige und sollte es immer bleiben. Panik und Angst machte sich in ihm breit. Wie sollte er ihr denn sagen, dass seine Eltern nicht mit der Hochzeit einverstanden waren. Das sie schon eine andere Frau für ihn im Auge hatten und um deren Hand angehalten haben, ohne das er davon wusste.
Wie konnte er das Stacy erklären? Die Angst sie zu verlieren, war so unglaublich groß und darum hatte er ihr noch nichts davon gesagt.
Stacy hatte sich in Rage geredet und weil er nicht antwortete, ging sie allein fort. Kabir ging zurück zum Haus und seine Eltern riefen ihn zu sich um alles zu besprechen.
Sie redeten nicht sehr leise und als Stacy zurück kam, hörte sie das Gespräch. Ihr Herz blieb fast stehen, als sie hörte, was seine Eltern für Kabir geplant und vorgesehen hatte.
Tränen schossen ihr in die Augen und sie ging in seine Wohnung, lief dort hin und her. Ihr Herz brach in Tausend Einzelteile. Das war also das Geheimnis.
Eine arrangierte Ehe!
Sie war im Weg und seine Eltern wollten die Ehe zwischen Kabir und ihr nicht. Nun wusste sie, warum er sich so quälte. Jedoch zweifelte sie nicht einen Moment an seiner Liebe zu ihr.
Was war jetzt aber die Lösung des Problems?
Stellte Kabir sich gegen die arrangierte Ehe, verlor er seine Familie. Heiratete er die andere Frau, war ihre Beziehung zu Ende.
Das war eine schwere Entscheidung. Kabir riss sie aus den Gedanken, als er ins Zimmer kam.
“Hallo Kabir.”
Ihre Stimme war fremd und er ahnte, was passiert war. Er blieb im Türrahmen stehen.
“Du hast alles mit angehört?”
“Ja!”
Sie konnte ihre Tränen nicht mehr verbergen und er lief zu ihr und nahm sie in den Arm.
“Bitte weine doch nicht. Ich werde die andere Frau nicht heiraten!”
Stacy sah ihn an und schluchzte, konnte nichts sagen. Er zog sie aufs Sofa und sah ihr tief in die Augen, hauchte ihr ein Küsschen auf.
“Bitte Schatz, hör auf zu weinen. Alles wird gut!
“Aber wenn du sie nicht heiratest, dann wirst du von deiner Familie verstoßen.”
Kabir sah Stacy nicht an.
“Ich weiß, aber du bist mir wichtiger als alles andere. Es ist mein Leben und ich werde keine Frau heiraten, die ich nicht liebe. Ich liebe dich!
“Ich liebe dich auch.”
Dann wurde es ganz still und sie hingen ihre Gedanken nach. Als Kabir eingeschlafen war, beobachtete sie ihn. Sie liebte ihn so sehr, war aber hin und hergerissen. Ihre Gefühle fuhren Achterbahn. Ihr Herz war bei ihm, aber konnte sie zulassen, dass er seine Familie für sie verlor?
Stacy hatte keine Familie mehr. Er war der Einzige, der in ihrem Leben war und sie liebte. Sie wusste, was es bedeutete ohne Eltern zu leben. Konnte sie ihm das antun, wo sie doch wusste, wie sehr Kabir seine Eltern liebte?


Die ganze Nacht war sie wach und dachte darüber nach und als er erwachte, versuchte sie zu lächeln, aber es gelang ihr nicht. Kabir wusste, was das bedeutete.
“Bitte verlass mich nicht, Stacy. Bleib bei mir. Ich kann nicht ohne dich leben.”
Sie legte ihre Hand auf seine Lippen.
“Keine Sorge ich bleibe bei dir. Auf immer und ewig.”
Nur irgendwie glaubte Kabir ihr nicht. Ihre Augen verrieten ihm, dass sie gehen würde. Noch war ihr Urlaub nicht vorbei und er hoffte, dass er sie noch umstimmen konnte. Er gab sich die größte Mühe, ihr die Tage so schön wie möglich zu machen.
Doch ihre Augen waren immer traurig. Es war als verabschiedete sie sich von ihm. Kabir hatte noch mal versucht mit seinen Eltern zu reden, aber es führte kein Weg zu ihnen. Sie bestanden auf die arrangierte Ehe. Sie duldeten Stacy nur noch für die Zeit ihres Urlaubes hier im Hause.


Der Tag verging wieder sehr schnell. Kabir und Stacy lagen im Bett und hielten sich fest in den Armen. Während ihm die Augen zufielen, flüsterte er:
“Bitte verlasse mich nicht, Stacy. Ich liebe dich“
Tief und fest war eingeschlafen und vorsichtig löste sie sich aus seinen Armen um ihn nicht zu wecken.
Ganz leise packte sie ihre Koffer und ging zur Tür, sah noch einmal zu ihm und flüsterte:
“Ich werde dich immer lieben, aber ich kann nicht zulassen, dass du deine Familie meinetwegen verlierst. Pass auf dich auf und vergiss mich nicht.”
Dann ging sie hinaus, kämpfte gegen ihre Tränen an, klopfte an die Tür des Wohnzimmers. Kabirs Eltern ließen sie hinein und sahen sie erstaunt an.
“Ich wollte mich nur verabschieden. Sie wollen, dass Kabir eine andere Frau heiratet und ich werde gehen. Ich habe kein Recht, mich in ihre Familienangelegenheiten zu mischen, aber bitte tun sie mir einen Gefallen. Passen sie gut auf ihn auf. Er verdient es glücklich zu sein. Ich werde ihn nie aufhören zu lieben, aber ich akzeptiere ihre Entscheidung. Die Familie sollte immer zusammen sein und ich werde mich nicht dazwischen drängen. Danke für ihre Gastfreundschaft und ich wünsche ihnen alles Gute.”
Kabirs Vater sah sie ernst an und nickte nur und setzte sich wieder. Aber seine Mutter nahm Stacy noch einmal in den Arm.
“Pass auf dich auf, mein Kind!”
“Das werde ich! Bye.”

Bei Nacht und Nebel verließ sie unter Tränen das Haus und flog nach London zurück. Auch hier brach sie alle Zelte ab, weil sie wusste, dass Kabir sie dort suchen würde und so schnell gab er nicht auf. Darum entschloss sie nach New York zugehen. Ihr war es egal, wo sie lebte. Sie war allein!

Für Kabir brach eine Welt zusammen, als er am nächsten Morgen erwachte und er von seinen Eltern erfuhr, dass Stacy gegangen war. Natürlich hatte er versucht sie zu erreichen. Ohne Erfolg. Sein Vater unterdessen arrangierte die Ehe mit der anderen Frau und seine Mutter versuchte für Kabir da zusein.


So vergingen ein paar Wochen und Kabir war ein Schatten seiner selbst geworden. Die Hochzeit stand kurz bevor und er grämte sich mehr und mehr. Er wollte keine andere Frau, nur Stacy!
Er aß nicht mehr, schlief nicht mehr und redete kaum noch. Seine Eltern fingen an sich Sorgen zu machen und eines Abends unterhielten sie sich ernsthaft. Sie hatten Angst ihn zu verlieren.


“Vielleicht sollten wir uns das mit der Hochzeit noch einmal anders überlegen!” sagte sein Vater und seine Frau blickte ihn erstaunt an, ließ ihn aber ausreden.
“Ich will nicht das Kabir daran zerbricht und ich denke Stacy geht es auch nicht besser. Ich bin sehr beeindruckt, sie ist gegangen, ohne einmal an sich zu denken. Sie war bereit die Schmerzen auf sich zu nehmen, nur um unsere Familie nicht zu zerstören. Ich denke, ich werde etwas unternehmen!”
“Was denn?”, fragte seine Frau.
“Warte es ab.”


Gesagt getan. Kabirs Vater verreiste ohne jemanden irgendetwas von seinem Ziel zu sagen. Er hatte lange recherchiert, wo er Stacy finden konnte und flog nun zu ihr. Als er vor ihrer Tür stand, war sie erschrocken.
“Ist etwas mit Kabir?”
“Darf ich reinkommen?”
“Ja, natürlich. Kommen sie!”
Gemeinsam gingen sie in die kleine Wohnung und redeten stundenlang und mit jeder Stunde, die verging, wurde Stacys Lächeln immer schöner. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals und sie willigte ein, mit Kabirs Vater mit zu kommen.


Der Vater gab ihr ein Zimmer im Haus. Nur musste sie versprechen, sich nicht zu zeigen. Sie nickte und ohne zu überlegen, umarmte sie ihn.
“Danke!”
Das erste Mal in ihrem Leben sah sie Kabirs Vater lächeln und verlegen werden.
Der Tag der Hochzeit war da und Kabirs Mutter war bei Stacy, deren Nerven völlig blank lagen. Sie konnte es kaum noch erwarten, Kabir wieder zu sehen und ihn in die Arme zu schließen. Die Zeit ohne ihn war die Hölle und jeden Tag betete sie zu Gott, dass noch ein Wunder geschah. Und dieses Wunder kam in Form von Kabirs Vater.

Die Zeremonie war im vollen Gange und Stacy wurde an den Bräutigam gegeben, der völlig neben sich stand. Noch immer sperrte er sich gegen diese Ehe, fühlte sich, als trat er die Liebe zu Stacy mit Füssen. Aber auch ein seltsames Gefühl war in ihm. Das konnte nicht sein. Wieso fühlte er sich so wohl in Gegenwart seiner Braut. Es war etwas Neues aber gleichzeitig etwas Altbekanntes.

Stacys Gesicht war mit einem Schleier bedeckt und als er ihn lüften sollte, zitterten seine Hände. Erst wehrte er sich mit Händen und Füssen dagegen, bis sein Vater ihn anstieß, dass er es endlich tun sollte. Die Zeit blieb stehen und es wurde ganz still. Und als er ganz langsam ihr Gesicht freigab, pochte sein Herz so wild und Wärme machte sich in ihm breit. Seine dunklen Augen wurden größer, als er seine Stacy erkannte. Sie senkte schüchtern und lächelnd ihren Blick. Verwirrt sah er zu seinem Vater und dieser nickte ihm aufmunternd zu. Dann konnte Kabir sich nicht mehr halten und zog Stacy in seine Arme.


“Du bist zurück. Ich danke Gott!”
“Nein, danke deinem Vater!”, sagte sie lächelnd.
Kabir blickte zu seinem Vater und danke ihm mit seinen Augen. Die Hochzeitszeremonie wurde wunderschön und die Beiden waren die glücklichsten Menschen an diesem Tag auf der ganzen Welt.

Die Beiden führten eine wundervolle Ehe. Ihre Liebe wuchs von Tag zu Tag mehr und seine Eltern waren glücklich mit ihnen. Sie hatten gelernt, dass man Liebe nicht arrangieren kann. Das Herz spricht seine ganz eigene Sprache und interessiert sich nicht für die Religion, die Sprache, oder die Hautfarbe.

Die Sprache des Herzens heißt LIEBE!!!!

© Maya

Lost Memories

In einem großen Haus am Rande der Stadt spielte sich etwas unheimliches ab. Eine Frau stand mit einem Messer bewaffnet da und sie hörte ihn immer wieder sagen:
„Schatz, es ist alles in Ordnung. Leg das Messer weg. Ich bin es!“
Sie erkannte ihn nicht, konnte sich nicht erinnern, ihm jemals begegnet zu sein. Ihr Körper zitterte und in ihrem Gesicht war die pure Angst zu erkennen. Immer und immer wieder schrie sie:
„Kommen sie mir nicht zu nahe!“
Trotzdem ging er ganz langsam auf sie zu, als hätte er nicht verstanden. Hektisch fuchtelte sie mit dem Messer umher, jedoch ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und ganz leise kamen die Worte über seine Lippen.
„Christina gib mir bitte das Messer. Es ist alles gut!“
„Nein, das werde ich nicht tun. Gehen sie weg.“
Ihre Kopfschmerzen wurden immer intensiver und sie war nicht mehr in der Lage, die Situation zu erkennen. Christina erkannte einfach nicht, wer vor ihr stand. Sie fühlte sich von ihm bedroht. Fahrig blickte sie umher. Endlich hatte sie den Ausgang entdeckt, ließ das Messer einfach fallen und lief in die Nacht hinaus. Die frische Luft jedoch gab ihr keine Erlösung. Schwindel und Übelkeit übernahm die Gewalt über ihren Körper und sie blieb einen Moment stehen, um Luft zu bekommen.
Ihr Schädel brummte und Christina dachte er zersprang jeden Moment.
Die Straßen waren menschenleer. An eine Haltestelle blieb sie stehen, sah sich um und wusste nicht wohin. Nach Minuten hielt ein Bus und sie stieg ein.
Weinend und ängstlich kauerte sie sich in die hinterste Ecke des Busses.
Eine ältere Dame kam auf sie zu und fragte:
„Geht es ihnen nicht gut?“
Viel konnte Christina nicht sagen. Sie hielt sich nur ihren Kopf fest und stöhnte.
„Mein Kopf tut so weh. Es tut so weh. Bittel helfen sie mir!!
Die Frau kniete sich zu Christina herunter und legte ihr die Hand auf die Schulter.
„Atmen sie ganz tief durch!“
An der nächsten Bushaltestelle überzeugte die Frau, Christina mit auszusteigen.
An der Luft versuchte Christina zu erkennen, wo sie war, aber sie erkannte alles nur noch Schemenhaft.
Diese Schmerzen brachten sie fast um den Verstand und immer wieder bat sie die Frau:
„Helfen sie mir doch. Es tut so weh!“
Christina bekam danach nicht mehr viel mit. Die Frau nahm sie an die Hand und brachte sie zum Krankenhaus, welches zwei Straßen weiter befand. An Christina ging das alles vorbei. Es war als wäre sie gar nicht mehr richtig bei Bewusstsein. Nur noch Hämmern in ihrem Kopf und immer wieder schloss sie ihre Augen um diesem hässlichen Schmerz nicht die Oberhand zu geben.


Im Krankenhaus angekommen, bat die Frau, die Krankenschwester an der Anmeldung um Hilfe und sofort wurde eine Liege geholt und Christina legte sich hin, schloss ihre Augen. Nach einer Weile kam auch der Arzt um nach ihr zu sehen.
„Hallo, ich bin Dr. Albers.“
„Mein Name is Mrs. Myers. Ich habe die junge Frau im Bus entdeckt. Sie hat furchtbare Schmerzen und braucht Hilfe.“
„Na, dann werde ich sie mir mal ansehen. Wissen sie wie die junge Frau heißt?“
„Nein, leider nicht. Sie hat nicht viel gesagt.“
Der Arzt untersuchte Christina, nachdem sie sie in ein Zimmer gebracht hatten. Mrs. Myers wartete ungeduldig draußen. Auch wenn sie die junge Frau nicht kannte, sie hatte Christina gleich in ihr Herz geschlossen. Warum konnte sie nicht sagen.
Nach einer ewig langen Wartezeit, kam Dr. Albers zurück.
„Und Doktor, wie geht es ihr?“
„Sie muss operiert werden. Sie hat einen kleinen Hirntumor, der stark auf das Gehirn drückt.“
„Ist die Operation gefährlich? Und wann wollen sie operieren?“
„Sie wird gerade in den Vorbereitungsraum geschoben. Gefährlich ist diese OP nicht, aber es ist eine Operation!“
„Ja Doktor, ich weiß. Darf ich hier warten?“
„Das dürfen sie.“
Mrs. Myers bedankte sich und ging in den Warteraum. In Gedanken immer bei diesem jungen Ding. Sie sah so zerbrechlich aus. Die Minuten zogen sich wie Kaugummi hin und jeder einzelne Minute war die Hölle. Das Warten brachte Mrs. Myers um den Verstand.
Endlich kam Dr. Albers zu ihr.
„Und Doc?“
Sie hat die OP gut überstanden. Den Tumor konnten wir entfernen. Doch es gab einige Komplikationen. Ich kann ihnen noch nicht sagen in wie weit sich das auf ihr Gedächtnis auswirkt.“
Mrs. Myers hielt sich die Hand vor den Mund:
„Das arme Ding. Wie kann ich denn helfen?“
„Wollen sie das denn?“
„Ja. Wissen sie mein Mann und ich hatten nie eigene Kinder. Und ich habe sie gleich in mein Herz geschlossen, als sie mich um Hilfe bat.“
„Gut. Ich denke sie braucht auch Hilfe. Wir wissen ja nicht wer sie ist.“
Die beiden besprachen noch einige Dinge und dann ging Mrs. Myers zu Christina und bewachte ihren Schlaf. In ihren Augen sah sie aus wie ein Engel, der zu ihr geschickt wurde und sie wollte ihr Liebe schenken, bis sie wieder gesund war.


Tagelang kam Christina nicht zu Bewusstsein, aber Mrs. Myers wich nicht eine Minute von ihrer Seite. Sie wollte nicht, dass die junge Frau allein war, wenn sie aufwachte.
Endlich war es soweit. Eines Morgens schlug Christina ganz langsam ihre Augen auf. Verwirrt sah sie sich um und entdeckte die alte Dame und fragte sehr ängstlich:
„Wer sind sie? Wo bin ich?“
Liebevoll nahm Mrs. Myers Christinas Hand und stellte sich vor.
„Hab keine Angst, Kind. Ich bin Mrs. Myers. Aber du kannst mich Regina nennen. Ich habe dich vor ein paar Tagen gefunden und dich ins Krankenhaus gebracht.“
„Ins Krankenhaus? Warum?“
Christina konnte sich an nichts mehr erinnern und verstand gar nichts von dem was Regina sagte.
Sie versuchte sich an irgendwas zu erinnern. Aber es war nichts mehr da. Noch nicht mal ihr eigener Name und Christina bekam Panik.
„Wie ist mein Name?“fragte sie unter Tränen.
Mrs. Myers erkannte das Problem sofort und klingelte nach dem Arzt.
Dieser kam sofort und Christina geriet mehr und mehr in Panik.
„Was ist hier los? Wer bin ich? Was zur Hölle habt ihr mit mir gemacht?“
Sie bekam eine Beruhigungsspritze und dann wurde ihr alles erklärt. Weinend sank Christina in ihre Kissen. Wie sollte sie denn weiterleben? Ohne jegliche Erinnerung an ihr Leben.
Regina brach es das Herz sie so zusehen und nahm wieder ihre Hand und hielt sie ganz fest.
„Wir schaffen das schon.“
„Wir?“
„Ja mein Kind. Ich bin bei dir.“
„Aber ich weiß doch gar nicht wo ich hingehöre. Wie mein Name ist!“
„Was hältst du davon, wenn ich dir einen Namen gebe? Zumindest so lange, bis deine Erinnerung zurück kommt!“
„Ich weiß nicht.“
Eine Weile herrschte einfach nur Schweigen und Christina blickte aus dem Fenster. Der Arzt hatte ihr gesagt, dass sie wieder gesund wurde, aber ob die Erinnerungen zurückkamen, dass konnte er ihr nicht versprechen.
Bedeutete das, dass sie wieder von vorn anfangen musste? War das gut? Was war ihr altes Leben? Wer war sie?
Es vergingen noch einige Tage, bis Christina sich damit abgefunden hatte, dass sie neu anfangen musste. Regina gab ihr den Namen Fee.

Jeden Tag fühlte sie sich nun besser. An ihren neuen Namen hatte sie sich gewöhnt und mit Regina an ihrer Seite fühlte sie sich sicher und wohl. Nur manchmal tauchten Fragen auf.
Vermisste sie denn niemand?
War da niemand, der nach ihr suchte?
Jedoch schien es niemanden zu geben und als der Tag der Entlassung kam, wusste sie nicht wohin. Regina fragte vorsichtig.
„Kind, was hältst du davon mit mir zu kommen? Ich wohne mit meinem Mann weit ab von der großen Stadt, auf einem Dorf und auch er würde sich freuen, wenn du bei uns lebst, bis du dich selbst wieder gefunden hast.“
Das zauberte Christina ein Lächeln auf die Lippen. Sie liebte Regina wie eine Mutter. Und sie willigte ein. Sie hatte ihre Vergangenheit verloren, aber ein neues zuhause gefunden.


Es war soweit. Regina nahm Christina an die Hand und sie verließen die Klinik. Sie war wieder gesund und musste nun in ein neues Leben gehen. Gemeinsam gingen sie zum Auto. Ein wenig nervös setzte sie sich hinein.
Nun sollte es los gehen. Ein Leben ohne Erinnerungen und Vergangenheit.


Bevor Regina den Wagen startete, nahm Christina ihre Hand und fragte schüchtern:
„Darf ich dich Mama nennen?“
Auf diese Frage war Regina nicht gefasst und Tränen traten in ihre wunderschönen dunklen Augen. Christina wollte sie doch nicht zum weinen bringen und entschuldigte sich schnell.
„Es tut mir leid. Ich hätte das nicht fragen sollen.“
„Doch. Weißt du, ich liebe dich wie meine eigene Tochter und ja, du darfst mich Mama nennen. Weißt du ich konnte nie selbst eigene Kinder bekommen und nun hat Gott mir doch noch ein Mädchen geschenkt.“
Die beiden nahmen sich in die Arme. Eine neue Familie wurde geboren.

Die Fahrt war sehr lang und Christina saugte den Anblick der Landschaft auf, aber konnte sich nicht erinnern, ob sie jemals hier war. Im Dorf angekommen, wurde sie von allen Bewohnern freundlich aufgenommen und Regina strahlte. Die Liebe zu dieser jungen Frau konnte man in ihren Augen lesen. Gemeinsam gingen sie zu der kleinen Hütte, am Ende des Dorfes. Ein Mann saß davor auf einer Bank und lächelte. Es war seltsam, Christina war nicht ein bisschen nervös und als er sie umarmte, kullerten Tränchen über ihre Wangen. Seine Stimme war sehr dunkel, aber ganz warm:
„Herzlich Willkommen mein Kind, in unserem bescheidenen Heim!“
Schüchtern sah Christina ihn an und er küsste ihre Stirn. Die Drei nahmen sich glücklich in die Arme.

Monate waren nun vergangen und Christina fühlte sich wohl hier und half ihren neuen Eltern. Sie liebte die Beiden abgöttisch. Und nach einiger Zeit übernahm sie das Unterrichten der Kinder auf dem Dorf. Es wurde ein Schulgebäude gebaut und so hatte sie ihre Berufung gefunden. Nicht einen Tag hatte sie mehr an ihre Vergangenheit gedacht. Es war als lebte sie hier schon ihr ganzes Leben.

Der Unterricht war gerade beendet und Christina hörte eine Frau laut schreien. So schnell sie konnte lief sie los, um zu sehen, was geschehen war. Eine Nachbarin lag in den Wehen. Niemand war für sie da. Ihr Mann war vor einigen Wochen gestorben und sie war allein auf sich gestellt. Als Christina ankam, sah sie ihre Mutter. Diese hatte ein sehr sorgenvolles Gesicht. Ein Arzt gab es hier nicht. Erst im nächsten Dorf, aber das war über eine Stunde entfernt. Christina stand ihr bei und hielt die ganze Zeit die Hand der Gebärenden. Diese sah Chris an und flehte:
„Bitte, wenn ich es nicht schaffe. Pass auf mein Kind auf.“
Erst antwortete Christina nicht, aber nachdem sie mehr und mehr flehte, willigte sie ein und gab ihr das Versprechen.
Die Geburt war zu schwer. Die Mutter schaffte es nicht und hinterließ ein kleines Mädchen. So wurde Christina von einer Minute zur anderen Mutter. Liebevoll nahm sie das Baby in den Arm und gab ihr den Namen Jill.

Es folgten sehr harte Wochen für Christina. Morgens um vier stand sie auf und ging aufs Feld um ihren Eltern zu helfen und danach kümmerte sie sich um Jill, nahm die Kleine mit zur Schule und unterrichtete die anderen Kinder. Jill lag im Körbchen neben ihrem Tisch und die Kinder störte es auch nicht, wenn sie mal weinte. Am Nachmittag arbeitete sie wieder auf dem Feld und des Nachts, wenn das Dorf in Schlaf gehüllt war, korrigierte sie die Hefte.

So auch in dieser Nacht. Doch dieses Mal war es anders, weil Jill furchtbar weinte und schrie. Sie wollte einfach nicht aufhören. Christina stieß an ihre Grenzen, konnte das Baby einfach nicht beruhigen. Auch hatte sie hohes Fieber und Panik machte sich in ihre breit. Als sie nach Stunden immer noch nicht aufhörte, fuhr sie mit der Kleinen ins Krankenhaus. Irgendetwas stimmte mit Jill nicht und Verzweiflung machte sich in ihr breit. Was war nur los mit der Kleinen?
Weil sie nicht Krankenversichert war, wie es meistens mit den Dörflern war, musste Christina all ihr erspartes geben, damit Jill die nötigen Untersuchungen bekam. Nach einer Weile hatte der Arzt den Grund gefunden. Jill hatte einen schweren Herzfehler.
Christina konnte es einfach nicht glauben, was der Arzt ihr sagte. Diese Diagnose war für sie wie ein Schlag ins Gesicht. Die bitterlichsten Tränen weinte sie, denn sie ahnte, was das bedeutete. Trotzdem fragte sie hoffnungsvoll:
„Was bedeutet das nun?“
Doch die Hoffnung wurde schnell zerstört, als ihr gesagt wurde, dass Jill keine hohe Lebenserwartung hatte und sehr viel Medikamente brauchte, die aber auch sehr teuer waren. Das Geld hatte Christina nicht und sie fragte sich die ganze Zeit, wie sollte sie diese Behandlung für Jill aufbringen?
Am Boden zerstört fuhr sie heim und erzählte es ihren Eltern. Die ganze Zeit hielt sie Jill ganz fest in ihren Armen, so als wollte sie diese nie wieder loslassen.
Sie sollte ihren kleinen Sonnenschein verlieren und verzweifelt fragte sie:
„Mama, sag mir bitte, was habe ich verbrochen? Was habe ich getan, dass Gott mir soviel antut? Ich will sie nicht verlieren, bitte hilf mir!“
Regina weinte auch und ihr Papa verließ den Raum. Er weinte draußen und konnte es auch noch nicht glauben.

Drei Tagen waren nun vergangen und Jill ging es ein bisschen besser. Ein paar Medikamente konnte Christina kaufen, aber sie reichten einfach nicht aus. Traurig sah sie ihre kleine Tochter an. Diese lächelte und hob die Ärmchen, weil sie doch zu ihrer Mama wollte.
Am Abend saß sie mit ihren Eltern in der Küche. Christina hatte einen Entschluss gefasst und wollte es ihnen mitteilen. Die Beiden sahen sie an und warteten darauf, was jetzt kam.
„Mama, Papa ich werde eine Stiftung für herzkranke Kinder ins Leben rufen. Vielleicht werden die Menschen dann wach. Es gibt bestimmt Leute die spenden wollen und uns helfen. Auch wenn die Hilfe vielleicht für meinen Schatz zu spät kommt, kann ich doch noch anderen helfen.“
Die beiden waren begeistert von ihrer Idee und sie schmiedeten Pläne.
Am nächsten Morgen machte sie sich mit Jill auf den weiten Weg nach London.
Sie ging in jede Firma, die da existierte um sie um Unterstützung zu bitten.
Bei manchen hatte sie auch Erfolg und so konnte sie die Krankheit ihrer Tochter ein wenig lindern und ihr die Medikamente kaufen, die sie brauchte.

Monatelang blieb sie in London und hatte sogar schon eine Hauptzentrale dort aufgebaut.
Die Leute spendeten was das Zeug hielt und Christina gab ein Interview nach dem anderen.

Auch wenn sie viel zu tun hatte und kaum Zeit für sich selbst fand, war sie mit ihren Gedanken oft bei ihren Eltern und vermisste sie sehr. Darum beschloss sie für ein paar Tage nach Hause zu fahren.
Ihre Eltern waren freudig überrascht, als sie in der Tür stand und ihre Mutter konnte sich gar nicht mehr beruhigen und sie redete soviel dummes Zeug, dass Christina anfing zu schimpfen:
„Lasst mich doch erst mal richtig ankommen.“
Ihr Vater grinste die ganze Zeit und Chris ging zu ihm:
„Papa, was ist los? Warum grinst du so?“
Stolz hielt ihr Vater die Zeitung hoch und Christina riss die Augen weit auf. Da war ein Bild von ihr und die Überschrift….

„Frau des Jahres!“

Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Damit hatte sie gar nicht gerechnet. Diesen Titel hatte sie doch gar nicht verdient. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum ihr diese Ehre zuteil wurde.
Mit der Zeitung in der Hand setzte sie sich und las sich den Artikel durch. Darin stand das eine Gala für sie stand fand. Wieso wusste sie das nicht?
Schnell kramte sie in ihrer Tasche. Sie hatte die Post von den letzten Tagen noch nicht durchgesehen, weil ihr die Zeit jeden Tag durch die Finger rann.
Tatsächlich war eine Einladung dabei. Sie überlegte, ob sie dort wirklich hingehen sollte, entschloss sich dazu, weil so hatte sie wieder die Möglichkeit für ihre Stiftung zu agieren.
Das Einzige was sie traurig stimmte war, dass sie ihre Eltern schon wieder verlassen musste. Sie war doch gerade erst angekommen. Vorsichtig fragte sie die Beiden, ob sie sie nicht begleiten wollten und sie willigten ein. Das machte Christina glücklich und Jill quietschte dazwischen. Der Kleinen ging es den Umständen entsprechend gut und Christina genoss jeden Moment mit ihr. Sie war ein Sonnenschein und wuchs sehr schnell heran.

Der Tag der Gala war schnell herangerückt und als sie dort ankamen, wurde Chris gefragt, ob sie eine Rede halten könnte. Sie war so nervös, aber sagte zu.
Viele Firmenbosse waren vertreten und auch einige Ärzte und die Ärztekammer. Ihre Eltern waren mit Jill in einem separatem Raum. Von dort konnten sie die Veranstaltung über einen Monitor sehen.

Dann war es soweit:

"Bitte begrüßen sie nun mit einem riesigen Applaus, die Frau des Jahres, Fee Myers!“
Ganz langsam ging sie auf die Bühne und ein tosender Beifall hallte durch den großen Saal. Es war ihr ein wenig unangenehm und ihre Knie zitterten.
Nur ein Mann im Saal applaudierte nicht. Er hielt die Luft an. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Dorian Keller konnte es einfach nicht glauben. Sie war es!
Sein Freund Kevin legte ihm die Hand auf die Schulter, versuchte ihm ein wenig Halt zu geben. Auch er hatte die junge Frau, auf der Bühne erkannt.

Christina fing an leise an zureden:

„Mein Name ist Fee. Mir wurde zwar gesagt, ich soll etwas über mich erzählen. Aber ich kann es nicht. Ich weiß nichts über mich. Durch eine Operation habe ich mein Gedächtnis verloren und wurde von liebevollen Menschen auf genommen. Sie gaben mir den Namen Fee. Was ich ihnen aber sagen kann. Sie sind wundervolle Eltern und ich wünschte es würde mehr von ihnen auf unserer Erde geben. Ich wäre verloren ohne sie. Sie gaben mir ein Leben. Ein neues Leben, welches ich nicht missen möchte und ich möchte hier und heute ihnen einfach nur sagen, Mama und Papa, ich liebe euch von ganzem Herzen. Danke das es euch gibt.
Die Beiden haben mir die Kraft und den Halt gegeben, als ich erfuhr, dass meine Tochter sehr schwer krank ist. Ich weiß, dass ich sie bald verlieren werde….“


Sie schluchzte und konnte ihre Tränen nicht mehr aufhalten und im Saal war es ganz leise:

„Liebe Gäste, ich habe diese Stiftung gegründet, weil ganz viele Kinder von dieser Krankheit betroffen sind. Oft fehlen die finanziellen Mittel um die benötigten Medikamente zu kaufen. Es gibt viele Menschen, die nicht genug verdienen, um ihren Kindern zu helfen. Hilfe die sie dringend benötigen. Ohne die Unterstützung von aussen, werden viele Kinder sterben. Darum bitte ich sie….“

Plötzlich hörte sie sagen:

„Mama!“

Christina sah nach rechts und sah ihre kleine Tochter auf sie zu tappeln. Es waren Jills erste Schritte und Chris kniete sich hinunter und hielt die Arme auf. Die Kleine stolperte hinein und gab ihrer Mama ein Küsschen.

Sie nahm Jill auf den Arm und ging zum Pult zurück:

„Glauben sie mir, es lohnt sich für die Kinder zu kämpfen. Auch sie haben eine Zukunft verdient und das sie auch, wenn sie krank sind, lächeln können. Und sie danken es ihnen mit ihrer Liebe, die sie schenken. Ich danke ihnen, dass sie mir diese Auszeichnung verliehen haben.“

Die Gäste standen auf und applaudierten und waren gerührt von dieser starken Frau. Die Frau ohne Vergangenheit, die ins Leben zurück gekehrt ist und ihren Weg gefunden hatte.
Nur einer blieb sitzen und starte die ganze Zeit auf die Bühne.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. So lange hatte er sie gesucht. Das war nicht Fee Myers. Nein, sie war seine Frau.
Mrs. Christina Keller. Die Frau, die er von ganzem Herzen liebte und die er nie aufgehört hatte zu lieben. Nie hatte er die Hoffnung aufgegeben, sie wieder zu finden und nun stand sie auf der Bühne. Erinnerte sich nicht an ihn. Wusste nicht, dass da jemand war, der sein Leben für sie geben würde.
Sein Freund zog Dorian hoch und gemeinsam gingen sie zu Christina auf die Bühne und wollten ihr gratulieren.
Christina blickte Dorian an. Seine Augen waren so unbeschreiblich traurig. Es berührte sie sehr und sie reichte ihm die Hand.
„Hallo, ich bin Fee und das ist mein Engel Jill!“
Zögerlich gab er ihr die Hand.
„Hallo, ich bin Dorian Keller!“
Als ihre Hände sich berührten, konnten sie ihren Blick nicht voneinander lösen. Was war das? Es war warm und angenehm.
Jill fing plötzlich an zuweinen und Christina entschuldigte sich. Dorian blickte ihr hinterher und er ließ sie nicht aus den Augen.
Auf dem Weg nach draußen, wurde Jill plötzlich blau im Gesicht und röchelte nur noch. Panik brauch aus. Ihr Herz stand plötzlich still. Sofort wurde erste Hilfe geleistet. Auch Dorian kam dazu, kniete sich zu Chris herunter:
„Was ist mit ihr?“
Unter Tränen flüsterte Christina:
„Sie wird uns verlassen. Es war ihr letzter Tag auf Erden!“
Die Gäste und auch Dorian kämpften mit den Tränen. Noch eine Weile wurde um das Leben von Jill gekämpft. Aber es war hoffnungslos und der Arzt konnte nur noch den Tod des kleinen Mädchens bestätigen.
Ohne ein Wort zu sagen, nahm Christina ihre kleine Tochter auf den Arm, hielt sie ganz fest. Als Dorian sah, dass sie jeden Moment den Halt verlor, nahm er sie auf seine starken Arme und trug sie in ein Zimmer und legte sie dort aufs Sofa. Jill noch immer festhaltend, lag sie da und die Tränen liefen ihr über die Wangen.
Sie wollte ihre Tochter nicht gehen lassen und kämpfte mit aller Macht, dass sie sie ihr nicht entreißen. Ihre Kraft verließ sie und Jill wurde fortgebracht. Für Christina gab es kein Halten mehr und sie schrie.
„Gebt mir mein Baby wieder. Bitte, Bitte!“
Ihre Eltern versuchten sie zu beruhigen, aber es half nichts und der Arzt musste ihre eine Beruhigungsspritze geben und sie schlief ein.
Dorian stand die ganze Zeit neben ihren Eltern und plötzlich fragte ihr Vater.
„Wer sind sie?“
„Dorian Keller. Ich bin ihr Ehemann!“
Mit großen Augen sahen sie den jungen Mann an. Dorian weinte und erzählte ihnen unter Tränen, dass er Christina gesucht hatte. Jeden Tag, jede Nacht.
Nun wollten die Eltern alles wissen und gemeinsam setzten sie sich an den Tisch. Dorian brauchte einen Moment, aber dann fing er an zu erzählen:

„Als wir heirateten, schien alles perfekt. Unsere Liebe war so stark und wir waren auch noch nicht lange zusammen, als wir heirateten. Aber wir waren uns sehr sicher, dass wir zueinander gehörten!
Wochen voller Glück folgten und ich konnte mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Aber dann zogen die ersten grauen Wolken auf.
Erst verlor sie unser Baby. Sie litt so sehr an dem Verlust. Es war eine sehr harte Zeit für uns. Als wir wieder ein bisschen lächeln konnte, wurde ihr plötzlich jeden Tag schwindelig und auch hatte sie oft Kopfschmerzen. Wir konsultierten einen Arzt und erfuhren, dass sie einen Hirntumor hatte. . Wir kannten alle Risiken und sie entschied sich gegen eine Operation. Tagelang stritten wir darüber.
Ich wollte sie doch nicht verlieren. Letzten Endes aber akzeptierte ich ihre Entscheidung und hing meinen Job an den Nagel. Man konnte nicht sagen, wann es vorbei war und darum genossen wir jeden einzelnen Tag. Nach knapp einem Jahr ging es dann los. Ständig quälten sie diese Kopfschmerzen und dann wurde sie ein anderer Mensch.
Trotz allem liebte ich sie und wollte ihr beistehen so gut ich konnte. Dann kamen wieder Momente in denen alles gut war. Weinend entschuldigte sie sich dann bei mir, was sie gar nicht brauchte. Wir liebten uns so sehr und dann war es soweit. Eines Abends stand sie im Wohnzimmer und hielt ein Messer vor sich. Sie glaubte ich wollte ihr was tun. Ich redete mit ihr und sie erkannte mich einfach nicht. Dann lief sie aus dem Haus und ich folgte ihr.
Doch in der Dunkelheit verlor ich sie aus den Augen. Seit diesem Tage hatte ich sie nicht wieder gesehen. Wochenlang setzten wir Artikel in die Zeitungen, doch niemand konnte uns etwas sagen. Und heute sah ich sie dann auf der Bühne.“

Dorian endete und als er in den Aschenbecher sah, lächelte er leicht und sagte:
„Das hasste Christina. Sie wollte immer das ich aufhöre. Doch ich habe es immer noch nicht geschafft. Sagt mir doch bitte, was ist mit ihr. Wie geht es ihr?“
Christinas Ziehvater stand auf und zog ihn in seine Arme und hielt in fest. Es tat ihm weh, ihn so leiden zu sehen und er fühlte die Liebe. Für ihn war klar, seine Tochter und Dorian gehörten zusammen. Um Dorian ein wenig zu beruhigen, gab er ihm die Antworten:

„Sie ist wieder gesund. Meine Frau hat sie damals gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde sie dann operiert. Das einzige was zurück geblieben ist, dass sie ihre Erinnerungen verloren hat. Sie wird sich niemals wieder an ihre Vergangenheit erinnern.“
Dorian konnte es glauben was er hörte. Sie hatte ihn vergessen. Ihre gemeinsame Zeit und er ging im Zimmer umher, sah Chris Vater traurig an. Es tat so weh.
„Heißt das wir werden nie wieder zusammen sein können?“
Ihr Vater konnte nicht antworten, aber Regina stand auf, ging zu ihm, küsste ihn auf die Stirn.
„Doch mein Sohn. Wenn eure Liebe stark genug ist, wird sie dich wieder lieben.“

Danach sagte niemand mehr etwas. Es war alles gesagt. Christina war wach und sah sich um. Nach einigen Minuten wusste sie, dass alles kein Traum war, denn die bedrückten Gesichter um sie herum, gaben ihr die Antwort.

Ohne niemanden anzusehen, stand sie auf und sagte zu ihren Eltern:

„Bringt mich heim. Ich will die Beerdigung meiner Tochter arrangieren.“
Dann verließ ich ohne ein weiteres Wort den Raum.

Dorian sah ihr nach. Was sollte er denn jetzt tun. Er wollte sie nicht schon wieder verlieren. Aber ihre Mutter drückte ihm bei gehen, ihre Adresse in die Hand. Auch sie wollte nicht, dass er sie wieder verlor. Auch ihn hatte sie ins Herz geschlossen. Regina wusste, dass ihre Tochter ihn jetzt brauchte, damit sie nicht zerbrach.

Die Beerdigung war organisiert. Dorian stand mit ihren Eltern in Kontakt und erfuhr das Datum. Er machte sich auf den Weg dorthin.
Christina kam gerade aus dem Haus, als Dorian aus dem Wagen stieg. Für einen Moment sahen sie sich nur an. Dann fiel sie ihm weinend in den Arm. Nachdem Galaabend, hatte sie ihn nicht vergessen und nun war sie dankbar, dass er bei ihr war.
Nachdem die Kleine nun verabschiedet wurde, fühlte Christina sich unwohl, wollte allein sein und sie ging zum kleinen See. In Gedanken sah sie immer Dorian. Sein Blick. Als wollte er ihr etwas sagen.
Sie setzte sich und hielt ihre Füsse ins kalte Nass. Christina hatte die Augen geschlossen und trotzdem konnte man ihre Tränen sehen. Sie vermisste ihre kleine Tochter, fühlte sich so einsam.
In Gedanken versunken, bemerkte sie nicht, dass sich jemand neben sie setzte. Erst als er ihre Hand nahm und leicht drückte, öffnete sie ihre Augen und blickte in Dorians Gesicht. Es bedurfte keiner Worte, sie saßen einfach nur da und fühlten die ungesagten Worte.

Es wurde dunkel und noch immer saßen sie wortlos da. Christina stand auf und ging zurück zur Hütte. Dorian hingegen blieb sitzen und als sie fort war, fing er an zuweinen. Er vermisste sie so sehr, sehnte sich nach ihr und sie erkannte ihn nicht mehr. Wie sollte es nur weiter gehen?
Er ahnte nicht, dass Christina zurück gekehrt war. Ihr Herz wollte nicht von diesem Ort fort und sehnte sich nach ihm.
Nebeneinander sitzend, hingen sie ihren Gedanken nach. Dorian versuchte seine Tränen zu verwischen, wollte nicht das sie diese entdeckte.
Plötzlich fragte sie in die Stille:
„Hey Dorian, hast du auch eine Liebe verloren?“
Er nickte nur, konnte nicht antworten. Musternd sah sie ihn an. Er hatte ein sehr markantes Gesicht und wenn er sie ansah, war da etwas in seinen Augen. Es kam ihr so vor, als kannte sie diesen Mann schon ihr ganzes Leben und nicht erst seit diesem Abend.
Nachdenklich fing sie das Gespräch an.
„Dorian, weißt du was schlimm ist?“
„Nein?“
„Es ist schwer ohne Vergangenheit zu leben. Aber mir scheint, du weißt etwas. Du siehst mich immer so an, als wolltest du mir etwas sagen.“
Plötzlich sprang er auf, drehte sich von ihr weg. Sofort spürte Chris, dass er ihr etwas verheimlichte. Diese Reaktion kam ihr auch bekannt vor. Als er gehen wollte, packte sie ihm am Ärmel und wurde richtig laut:
„Dorian wenn du etwas weißt, dann sag es mir doch. Bitte. Ich merke doch, dass du mir etwas verheimlichst.“
Ohne etwas zu sagen, zog er sie in seine Arme und hielt sie fest. Und ehe sie sich versahen, küssten sie sich zärtlich.
Abrupt ließ er sie los und lief davon. Das hätte nicht geschehen dürfen. Verwirrt blieb sie zurück. Da war etwas.

Ohne noch einmal mit ihr geredet zu haben, verließ Dorian das Dorf noch in dieser Nacht. Er konnte es einfach nicht ertragen. Die Sehnsucht nach ihr, fraß ihn innerlich auf und es tat so weh, dass sie sich nicht mehr an ihn erinnerte.

Christina verstand einfach nicht warum er abgereist war. Was hatte sie ihm denn getan? Ihr Herz pochte an die Wände ihrer Brust, wenn sie an ihm dachte und sie sehnte sich nach seiner Umarmung. Abends wenn sie ins Bett ging, dachte sie an ihn und fühlte sich einsam. Manchmal hörte sie das Lächeln von ihrer Tochter im Haus und dann sah sie wieder Dorian.
Ihre Gefühle fuhren Achterbahn und sie schaffte es kaum noch sich zu konzentrieren.
Eines Abends vertraute sie sich ihrer Mutter an und diese lächelte, als Christina fragte:
„Mama, ist das Liebe?“
„Ja, mein Kind. Das ist die Liebe!“
„Aber Mama, ich weiß doch gar nicht ob er das gleiche fühlt.“
„Das tut er und das schon jahrelang!“
Christina war verwirrt. Was wollte ihre Mutter ihr denn damit sagen?
„Mama, was meinst du?“
Regina zog ihre Tochter auf den Stuhl. Sie konnte es sich einfach nicht mehr mit ansehen.
„Schatz, du und Dorian…..“
„Ja?“
Zitternd und nervös wartete sie nun auf die Antwort. Was war hier los?
„Er ist dein Ehemann!“
Christina sprang so schnell auf, dass der Stuhl, auf dem sie saß, umkippte.
„Was?“
Regina hingegen blieb ganz ruhig.
„Setz dich wieder hin.“
Das tat sie und hörte nun zu, was ihre Mutter ihr zu sagen hatte.
„Ja mein Kind. Du bist mit Dorian schon lange verheiratet. Durch deine schwere Krankheit bist du durchgedreht und weggelaufen. Er dachte du wärst tot. Ewig lange hat er dich gesucht und die Liebe zu dir hat ihn nie verlassen. Er liebt dich immer noch und kann mit dieser Situation nicht klar kommen, darum ist er neulich nachts abgefahren. Es brach ihm einfach das Herz, dich nicht lieben und berühren zu dürfen.“
Nachdem Regina ihr alles gesagt hatte, antwortete Chris nicht mehr. Sie sprang auf und packte ihren Koffer. Sie wollte zu Dorian. Ihre Mutter half ihr wortlos und als sie fortfuhr, kam ihr Mann zu ihr.
„Na, fährt unser Kind endlich in ihr Glück?“
„Ja. Jetzt wird sie endlich glücklich!“
Gemeinsam gingen sie ins Haus. Das war das was sie sich für Christina gewünschte hatten. Das sie ihr Glück fand und ihr Lächeln zurück bekam.

Christina kam die Fahrt endlos vor. Sie war nervös. Wie war wohl ihre erste Begegnung. Was sollte sie sagen?
Mit rasenden Puls stieg sie aus dem Auto, als sie ihn vor dem Haus parkte. Ihre Hand zitterte, als sie auf den Klingelknopf drückte. Es dauerte auch einige Zeit, bis er öffnete. Die Tür sprang auf und er stand vor ihr. Seine Augen waren ganz groß und er glaubte zu träumen. Sie war hier!

„Darf ich reinkommen?“, fragte sie nach einiger Zeit. Es war doch ein wenig seltsam so lange vor der geöffneten Tür zu stehen. Dorian nickte und sie ging an ihm vorbei. Dabei sog er ihren betörenden Duft auf. So lange war es her.
Christina fühlte sich gleich wie zu hause und als sie sich im Wohnzimmer gegenüber standen, fing sie das Gespräch an:
„Warum hast du dich aus den Staub gemacht?“
Räuspernd stand er vor ihr und mit ganz leiser Stimme sagte er:
„Weil ich dich liebe.“
„Warum hast du es mir dann nicht gesagt?“
„Ich konnte es einfach nicht.“
Seine Schüchternheit war einfach unbeschreiblich und sie liebte es. Sie waren sich so vertraut und doch so fremd, mussten sich wieder neu kennenlernen. Sie fragte ihn:
„Weil wir verheiratet sind?“
Bei diesen Worten eilte er zu ihr und nahm seine Frau in die Arme:
„Du erinnerst dich?“
Traurig blickte sie zu Boden und flüsterte:
„Nein tue ich nicht. Aber das ändert nichts daran, dass ich dich auch liebe.“
Die beiden Herzen, die durch einen schweren Schicksalsschlag getrennt wurden, hatten wieder zu einander gefunden. Trotz verlorener Erinnerungen. Das war die wahre Liebe. Sie wurden sehr glücklich und liebten sich wie am ersten Tag. Dorian erzählte ihr viel von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, aber die Erinnerungen kamen nicht zurück.
Das jedoch störte sie nicht mehr und nach zwei Jahren schenkte sie ihm eine Tochter. Ihre Stiftung wurde immer größer und er unterstützte sie wo er konnte. Er war so stolz, ihr Ehemann zu sein.

Christina hatte ein schweres Schicksal zu tragen, aber sie nahm ihr Leben in die Hand und gab sich selbst nicht auf und sie wurde glücklich, weil auch das Schicksal, mag es noch so schwer sein, zwei Liebende niemals trennen kann, wenn sie sich lieben und sich nie aufgeben.

Auch ohne Erinnerungen werden die zwei Herzen, die für einander bestimmt sind, sich immer wieder finden. Liebe findet immer einen Weg.

© by Maya

Someone to love!

Wir alle träumen davon unsere zweite Hälfte zu finden. Jemand mit dem wir alles teilen können. Glück, Traurigkeit, Schmerzen, Liebe, unsere Seele und unser Herz. Irgendwo auf dieser großen, weiten Welt lebt jemand, der unsere andere Hälfte ist. Wenn Gott meint es ist an der Zeit, diese Person zu treffen, dann werden wir uns treffen. Dann sind wir glücklich und unsere Träume werden wahr. Wir werden ein Leben gefüllt mit Liebe und Glück haben.


Ein kleines Mädchen sieht ihren Vater an und fragt ihn sehr neugierg.
„Papa, was ist Liebe?“
Ihr Vater war überrascht, dass seine Tochter ihm diese Frage stellte. Was sollte er ihr antworten? Er nahm ihre Hand zog sie aufs Sofa.
„Ok, mein Schatz. Du möchtest wissen, was Liebe ist?“
„Ja!“. Sophie sah ihn an und hörte sehr genau zu, als ihr Vater anfing über die Liebe zu reden.

„Liebe ist, wenn du jemanden triffst und dein Herz hält an zu schlagen und gleichzeitig schlägt es doppelt so schnell. Wenn du in die Augen, dieser Person siehst, verlierst du dich selbst. Wenn du die Worte kennst, ohne das sie jemals ausgesprochen wurden. Wenn du dich frei fühlst. Wenn du, du selbst sein kannst und wenn du dein Herz und deine Seele mit der Person teilst.“


„Aber Papa, wie kann ich denn die Person erkennen, die richtig für mich ist?“
„Du wirst es wissen, mein Schatz. Dein Herz wird es dir sagen!“
„Und du meinst, ich werde diesen Mann eines Tages finden?“
Ihr Vater lächelte, nahm sie ganz fest in den Arm und sagte:
„Ja, aber du bist noch mein kleines Mädchen und hast noch jede Menge Zeit.“
Er gab ihr ein Küsschen auf die Stirn und sie unterhielten sich noch ein bisschen darüber.

Jahre waren vergangen und Sophie war zu einer erwachsenen Frau herangewachsen. Noch immer träumte sie von ihrer zweiten Hälfte. Das Leben hatte es bis jetzt noch nicht gut gemeint mit ihr. Wenn immer sie dachte, nun sollte sie glücklich werden, geschah etwas und genau das Gegenteil war der Fall. Nach einer Weile verlor sie dann den Glauben in die Liebe. Es schien als wenn ihre zweite Hälfte nirgends existierte.

Manchmal des Nachts, hörte sie ihren Vater in ihren Träumen sagen, dass sie nicht aufgeben sollte. Das sie jemanden finden würde, der sie liebt. Aber am nächsten Morgen wachte sie dann auf und ihre Wangen waren mit den Tränen, die sie des Nachts geweint hatte, benetzt.

Am Tage war sie eine Frau, die immer lächelte, ihr Leben lebte, als wäre alles in Ordnung. Niemand sah ihre Schmerzen, die sie in der Dunkelheit der Nacht, fühlte. Die Einsamkeit, die in ihr lebte.

Es war Montag morgen. Sie stand auf und wusste nicht, was sie tun sollte. Es war ein regnerischer Tag und innerlich war sie hin und hergerissen. Wieder hatte sie des Nachts geweint, aber dieses Mal waren es Tränen vor Freude, aber die Bedeutung dessen, hatte sie noch nicht gefunden. Egal wie hart sie versuchte es heraus zufinden.

Sie hatte einen wundervollen Traum. Ein Mann war da und hielt sie fest in seinen Armen. Sophie spürte soviel Liebe und Wärme und fühlte sich geborgen. Noch immer versuchte sie das Gesicht des Mannes zu erkennen, der ihr dieses Gefühl gab.

Die ganze Zeit dachte sie nun darüber nach und setzte sich mit ihrem Kaffee an den Tisch ihrer Küche. Die Worte ihres Vaters waren so present, wie noch nie zuvor.


Hatte er wirklich recht?
War da wirklich jemand irgendwo, der für sie bestimmt war?
Wer war dieser Mann in ihrem Traum?
Kannte sie ihn schon, oder war es jemand der weit entfernt lebte?


Die Gedanken und Fragen kreisten in ihrem Kopf. Um jedoch wieder einen klaren Kopf zu bekommen, entschied sie sich einen Spaziergang zu machen. Sophie nahm ihre Jacke und die Schlüssel und verließ das Haus, ging in Richtung des Flusses, der nicht weit ab von ihrem Haus lag. Als sie dort ankam, setzte sie sich ans Ufer und sah aufs Wasser. Der Fluss war heute sehr ruhig und das Geräusch des Wasser beruhigte sie ein wenig. Es war sehr gemütlich hier. Sie liebte es hier zu sitzen und einfach nur tief durch zuatmen. An nichts zu denken und diese Idylly zu genießen. Mit geschlossen Augen dasitzend, versuchte sie nun noch einmal mit diesem unbekannten Gefühl ins Reine zu kommen.
Doch plötzlich war dieser Mann bei ihr und es schien so, als wäre er ganz nah und wartete nur darauf, dass sie ihre Hand nach ihm ausstreckte.
Verwirrt öffnete sie ihre Augen und sah wieder in das fließende Wasser.


Da schwamm etwas und sie fragte sich was das war. Von Neugierde gepackt, watete sie durch den Fluss um das unbekannte Etwas heraus zufischen.
Ihre Hände zitterten ein wenig, als sie nach dem Gegenstand griff. Es war eine Flasche. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen.
Sophie öffnete die Flasche und staunte. Tatsächlich war da ein Brief in der Flasche.


Während sie aus dem Wasser watete, ließ sie den Blick nicht von der Flasche und dem Brief. Was stand da wohl drin?
Sie setzte sich und las neugierig:


„Hey Unbekannte!
Endlich habe ich dich gefunden. Ich habe eine lange Reise hinter mir, nur um dich zu finden. Bist du diejenige die zu mir gehört? Bist du meine zweite Hälfte?
Bist du diejenige, die mein Herz und meine Seele mit mir teilen wird?
Wenn ja, dann schicke ein Zeichen zu meinem Herzen. Eine Nachricht der Liebe und ich weiß, dass ich an meinem Ziel angekommen bin. John“


Sophies Gedanken gingen auf die Reise. Ist das wirklich möglich? Sie fühlte sich so sicher, nur allein wenn sie diese Worte las. In ihrem Herzen erwachte eine unbeschreibliche Wärme. Ihr Lächeln war so wunderschön und es war dieses Mal ein richtiges Lächeln, welches von Herzen kam. Eilig lief sie nach Hause. Auch eine Telefonnummer hatte dieser John in dem Brief hinterlassen. Einige Momente dauerte es noch, bis sie sich traute seine Nummer zu wählen. Dann endlich sprang sie über ihren Schatten und wartete nun neugierig, ob John das Gespräch annahm. Ihre Knie wurden weich, als sie eine männliche Stimme „Hallo“ sagen hörte.
Sophie wusste nicht was sie sagen sollte und irgendwie kamen die Worte auch nicht über ihre Lippen. John spürte ihre Unsicherheit und fragte ganz leise:

„Bist du diejenige?“
„Ja!“, platzte es aus Sophie heraus. Sie brauchte nicht mehr zu überlegen. Ihr Herz gab ihr die Antwort.

Mit diesem „Ja“ wurde der Anfang gemacht. Zwei Herzen fingen an sich zu vereinen. Beide waren sehr nervös und gleichzeitig glücklich. Das Gespräch war am Anfang noch sehr vorsichtig. Doch ihre Herzen halfen ein bisschen nach und Schritt für Schritt kamen sie sich während des Gesprächs näher. John gab Sophie soviel Sicherheit und es schien als kannte sie sich schon ihr ganzes Leben. Sie waren für einander geschaffen.

Als sie sich verabschiedeten, war Sophie so aufgeregt. Ihr Herz, welches sonst nur mit Tränen gefüllt war, lief vor Glücksseligkeit über. Die Sonne kam zurück und löschte nach all den Jahren, die Dunkelheit dort aus.

Die Wochen vergingen und sie redeten jeden Tag miteinander. Und des Nachts wenn Sophie in ihrem Bett lag, dachte sie an John. Der Mann der einst nur in ihrem Traum war, war real. Er existierte und liebte sie. Sie teilten alles miteinander und wenn alles ganz ruhig war, hörte Sophie ihn sagen:

Jemand will dich, jemand braucht dich.
Jemand träumt von dir jede Nacht.
Jemand kann ohne dich nicht atmen.
Jemand ist immer bei dir.
Jemand denkt in jeder Sekunde an dich.
Jemand hofft, dass du dasselbe fühlst.
Dieser Jemand ist ich, John!


Das war der Beginn einer wunderbaren Liebesbeziehung.

Eine kleine Nachricht in der Flasche brachte zwei Herzen zusammen und sie liebten sich ihr ganzes Leben. Sie hatten ihre zweite Hälfte gefunden und teilten nun alles miteinander.

Ende gut, alles gut!

© Maya

Can you forgive me?

Rahul saß am Bett von Loreen und sah sie an. Das Leben wich immer mehr aus ihr und er konnte es nicht glauben. Obwohl er noch versucht hatte ihr Leben zu retten, hatte er es nicht geschafft.
Er hielt ihre Hand fest umschlossen und wischte die Schweißperlen von ihrer heißen Stirn. Sie krümmte sich vor Schmerzen und Rahul litt mit ihr. Ihre Schmerzen zerrissen ihn förmlich und er wünschte er könnte ihr diese nehmen. Der Arzt kam herein und überprüfte ihre Körperfunktionen. Rahul sah ihn fragend an und dieser schüttelte den Kopf. Sofort wusste er, was das bedeutete. Loreen musste gleich das Leben verlassen.
Der Arzt verließ den Raum und Rahul legte sich neben seine Loreen und weinte. Unaufhaltsam liefen die Tränen über sein Gesicht. Sunny, der am Fenster stand und alles mit ansah, weinte mit. Noch niemals hatte er Rahul so verzweifelt gesehen.
Helfen konnte er seinem Freund aber nicht. Das was heute geschah, hatte niemand voraus gesehen.
Loreen öffnete ihre Augen und drückte Rahul`s Hand ganz fest.
„Rahul ich habe Angst.“
Er blickte sie mit rot verweinten Augen an und legte seine Hand auf ihre Wange.
„Ich bin bei dir. Endlich bin ich wieder bei dir. Du brauchst keine Angst haben. Ich verlasse dich nie wieder.“
„Aber ich werde dich jetzt gleich verlassen.“
Auch ihr rollten die Tränen heiß über ihre Wangen und Verzweiflung machte sich in ihr breit.
„Loreen kannst du mir verzeihen? Bitte verzeih mir!“
Sie sah ihn wieder an und Rahul`s Herz zerbrach in tausend Einzelteile.
Loreen sagte nichts und schluckte heftig. Die Krämpfe in ihrem Körper wurden stärker und sie bäumte sich auf. Obwohl sie gegen den Tod ankämpfte, sollte sie diesen Kampf verlieren.
Tief einatmend schloss Loreen wieder ihre Augen und Rahul hauchte ihr leichte Küsse auf diese. Er wollte es nicht akzeptieren das sie sterben sollte, aber er musste es. Das Schicksal hatte es nicht anders gewollt. Sie sollten nicht glücklich miteinander werden. Obwohl es erst so aussah, hatte die Zeit sie eines besseren belehrt. Die Intrigen um die beiden herum, wurden jeden Tag mehr und das Vertrauen zueinander wurde dadurch zerrissen und zerstört.
Die Minuten vergingen und Rahul sah sie einfach nur an, hielt ihre Hand und begleitete sie auf ihren letzten Weg.
Kurz bevor sie ihren letzten Atemzug machte, öffnete sie ihre Augen und flüsterte leise:
„Rahul ich liebe dich!“
„Loreen ich liebe dich auch!“
Dann schloss sie ihre Augen auf ewig. Die Geräte piepten und die Null-Linie erschien. Loreen war auf ewig gegangen.
Rahul wurde von Weinkrämpfen gepackt und er klammerte sich an Loreen.
„Nein Loreen, komm zurück. Lass mich nicht allein!!! Loreen komm zurück! Wie soll ich denn ohne dich leben? Loreen…“
Doch sie öffnete ihre Augen nicht mehr.
Sunny zuckte zusammen und lief zu seinem Freund.
„Rahul komm lass uns gehen. Loreen ist an einem besseren Ort. Ihr wird es dort gut gehen.“
„Nein ich will nicht gehen. Bitte lass mich bleiben. Lass mich mit Loreen allein.“
„Okay ich warte draußen auf dich. Verabschiede dich in Ruhe von ihr.“
Rahul nickte nur und Sunny verließ den Raum, ließ seinen verzweifelten Freund zurück. Dieser nahm sich einen Stuhl und setzte sich an Loreen`s Bett, nahm ihre Hand und hielt sie fest.
„Loreen bitte vergib mir. Warum hast du mich verlassen? Warum? Wie soll ich denn jetzt ohne dich weiterleben? Wie?“
Er nahm ihre Hand und legte diese auf sein Herz.
„Kannst du es fühlen Loreen? Ich habe dir mein Herz mitgegeben. Es schlägt nur für dich. Es wird dich beschützen, wo auch immer du bist. Es wird dich mit Wärme einhüllen, wenn dir kalt ist. Es wird für dich schlagen und eines Tages werde ich wieder bei dir sein. Ich hoffe das du mir vergeben kannst.“
Rahul schloss seine Augen und er fühlte sich so leer. So hilflos und konnte diesen Verlust nicht ertragen. Am liebsten wäre er mit ihr gegangen. Nie hatte er geglaubt, dass Liebe so grausam sein konnte. Nie hatte er geglaubt, dass er Loreen für immer verlor. Wie sollte er denn jetzt weiterleben? Wie sollte er atmen können?
Vor vier Jahren schien alles so perfekt. Die beiden waren so glücklich und glaubten, dass dieses Glück und die Liebe bis an ihr Lebensende andauerte.
Rahul war sich sicher, dass seine Liebe zu Loreen niemals starb. Egal wo sie jetzt war, er würde nie wieder eine Frau so lieben können, wie er Loreen geliebt hatte. Das schönste was sie ihm noch sagen konnte, war das sie ihn auch liebte. Das sollte ihn die nächsten Jahre aufrecht erhalten. Und er musste stark bleiben, denn jetzt gab es jemanden in seinem Leben, für den er stark bleiben musste. Als er daran dachte, ging die Tür auf und die Krankenschwester kam herein. Rahul blickte hoch und obwohl er eingehüllt in Trauer war, huschte ein leichtes Lächeln über seine Lippen. Sie hatte ein Baby auf dem Arm und kam nun zu ihm.
„Mr. Khan, darf ich vorstellen? Das ist ihre Tochter.“
Behutsam nahm Rahul die Kleine auf den Arm und hauchte ihr ein Küsschen auf die Stirn.
Ein Teil von Loreen und das Ergebnis der Liebe der Beiden hielt er in den Armen.
Sunny stand hinter der Krankenschwester und lächelte leicht. Rahul blickte Sunny an und flüsterte:
„Sieh dir dieses kleine Wunder an. Meine Tochter!“
Sunny schossen Tränen in die Augen. Rahul war so voller Trauer und dieses kleine Mädchen hatte es geschafft ihn zu verzaubern.
Er trat näher zu seinem Freund und legte eine Hand auf seine Schulter.
„Ja Rahul sie ist ein kleines Wunder!“
„Ich werde sie Anja nennen.“
„Rahul der Name passt zu ihr. Aber wir sollten jetzt gehen.“
Erschreckt blickte Rahul auf und Sunny sah die Verzweiflung.
„Sunny ich kann Loreen doch nicht allein lassen.“
„Du lässt sie nicht allein. Sie ist weiterhin in deinem Herzen. Komm lass sie gehen.“
Mit Tränen in den Augen ging er zu Loreen und hauchte ihr noch einen letzten Kuss auf die Stirn und flüsterte:
„Wir werden uns wieder sehen. Das verspreche ich dir und du wirst immer weiter in meinem Herzen leben. Ich werde niemals aufhören dich zulieben.“
Dann verließ er schweren Herzens das Krankenzimmer und ging mit Sunny und Anja den langen Flur entlang.
Jeder Schritt schmerzte und war kaum erträglich. Er hatte seine Tochter fest im Arm und so verließen sie die Klinik. Sunny fuhr die beiden nach Hause und sie gingen gemeinsam ins Haus.
Verloren stand Rahul mit Anja im Arm auf dem Flur und blickte Sunny verzweifelt an.
„Wie soll es denn weitergehen? Sunny ich kann nicht mehr atmen.“
„Komm Rahul ich nehme Anja und du legst dich ein bisschen hin. Ich werde mich um einiges kümmern, während du dich ausruhst.“
Erst protestierte Rahul, aber Sunny war sehr hartnäckig und irgendwann gab Rahul nach. Er hatte keine Kraft mehr zu rebellieren.
Mit hängenden Schultern ging Rahul in sein Zimmer und legte sich in sein großes Bett, drehte sich auf die Seite und streichelte das Kissen neben sich. Vor einigen Monaten lag seine Loreen dort und er konnte sie halten und immer für sie da sein. Und nun war sie fort und er blieb allein zurück.
Leise flüsterte er :
„Kannst du mir vergeben Loreen?“
Diese Frage stand offen im Raum, denn sie hatte ihm das nicht mehr beantworten können.
Rahul weinte sich in den Schlaf und während er schlief, organisierte Sunny alles. Nach vier Stunden wurde Rahul wach und blickte sich im Schlafzimmer um. Er fühlte sich verloren. Die Stille im Haus beunruhigte ihn und er stand auf und verließ das Zimmer. Im gegenüberliegenden Raum war Licht und er ging hinein. Er war überwältigt. Sunny hatte in der Zeit, wo Rahul schlief, dass Kinderzimmer einrichten lassen und seine kleine Tochter lag in ihrem Bettchen und schlief.
Rahul ging zu seinem Freund und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Sunny ich danke dir so sehr. Ich danke dir, dass du die ganze Zeit für Loreen da warst. Ich danke dir, dass du mein Freund bist!“
Sunny nahm seinen Freund in den Arm und hielt ihn fest, während Rahul seinen Gefühlen freien Lauf ließ.
Nach einer Weile beruhigte Rahul sich wieder und drehte sich zu dem Kinderbett. Die beiden Männer sahen das kleine Wunder an und Rahul flüsterte:
„Loreen ich danke dir, dass du mir dieses kleine Mädchen geschenkt hast. Wo immer du auch bist, ich hoffe du kannst sie sehen. Ich werde immer für sie da sein und sie beschützen. Unsere Tochter wird ein wundervolles Leben haben, dass schwöre ich dir.“
Minuten des Schweigens begannen und die Stille durchzog das ganze Haus.
Sunny und Rahul verließen das Kinderzimmer auf Zehenspitzen und setzten sich auf die Terrasse um eine Zigarette zu rauchen.
Die beiden sahen in den Sternenhimmel.
„Sunny ich hasse mich. Ich kann mir nicht verzeihen, was ich getan habe. Warum habe ich ihr so wehgetan.“
„Rahul verzeihe dir. Sie hat dir verziehen.“
„Woher willst du das denn wissen? Ich habe ihr weh getan und sie ist damals gegangen.“
„Ich weiß, aber ich weiß auch, dass sie dich trotz allem geliebt hat. Sie hat nie aufgehört dich zu lieben und auch wenn du nicht bei ihr warst, warst du in ihrem Gedanken, in ihrem Herzen. Es verging nicht eine Minute, an der sie nicht an dich gedacht hat. Glaube mir.“
„Aber sie konnte mir nicht verzeihen.“
„Sie hat Rahul. Hier mein Freund. Der ist für dich.“
Sunny hielt ihm einen Brief hin und sagte:
„Den hat sie kurz vor ihrem Tod für dich geschrieben. Sie wusste, dass sie die Geburt vielleicht nicht überleben würde.“
Rahul sah Sunny verunsichert und ängstlich an und konnte sich nicht mehr regen.
Doch Sunny stand auf und legte ihm den Brief auf den Tisch.
„Lies ihn Rahul. Ich werde jetzt nach Hause fahren und komme morgen wieder.“
Daraufhin verließ Sunny das Haus und Rahul saß da und überlegte, ob er diesen Brief lesen sollte. Alles sträubte sich in ihm. Wieder lösten sich die Tränen aus seinen Augen. Loreen war damals gegangen und Rahul hatte nie geglaubt, dass es auf ewig sein würde. Die Hoffnung, dass sie ihm eines Tages vergab und zu ihm zurück kehrte, war immer da. Aber nun war die Hoffnung mit Loreen gestorben.
Rahul schloss die Augen und dachte über die gemeinsame Zeit mit Loreen nach. Sie war einerseits so schön, aber sie endete traurig. Vor vier Jahren schien alles so perfekt und nie würde er die erste Begegnung vergessen.


Loreen kam von der Uni und war in Eile. Es war jeden Tag das gleiche bei ihr. Erst Uni und dann in einem kleinen Imbiss die Gäste bedienen. Ihre Eltern waren schon vor langer Zeit gestorben und sie hatte niemanden mehr. Mit diesem Job finanzierte sie ihr Studium zur Kinderärztin. Sie liebte Kinder und war sehr ehrgeizig, dass Studium zu schaffen.
Es war nicht leicht, denn das Leben hatte sie schon hart gestraft. Sie verlor ihren großen Bruder beim Autounfall und ihre Eltern kamen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Gedankenverloren lief sie die Straßen entlang. Ein Jahr war es jetzt her, dass sie ihren Freund verlassen hatte. Er hatte sie nach Strich und Faden betrogen und er war auch nie wirklich gut zu ihr. Eines Tages hatte sie sich von ihm getrennt und jetzt war sie Single und hatte sich geschworen nie wieder einen Mann in ihr Herz zu lassen. Nie wieder. Den Glauben an die Liebe hatte sie verloren. Sie konnte und wollte keinem Mann mehr trauen. In ihren Augen gab es niemanden, der sie so lieben würde, wie sie war. An ihrer Seite sein würde. Ihr Herz war gebrochen und niemand konnte es schaffen, diese Einzelteile wieder zusammen zusetzen.
Aber erstens kam es immer anders und zweitens anders, als man dachte.
Heute war Loreen nervös und unruhig und sie konnte nicht sagen warum. Eigentlich war es doch ein Tag wie jeder andere auch.
Ohne auf den Verkehr zu achten, lief sie über die Straße und hörte nur noch das Quietschen der Reifen. Entsetzt blieb sie stehen und sah in die Windschutzscheibe des Wagens, der kurz vor ihr zum Halten gekommen war. Aber anstatt sich zu entschuldigen, schrie sie den Mann, der im Auto saß, an:
„Meine Güte können sie nicht ihre Augen aufmachen? Sie hätten mich beinahe überfahren.“
Der Mann stieg aus und Loreen hielt sofort ihren Mund. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie war Rahul Khan ins Auto gelaufen. Aber sie konnte nicht lange ihren Mund halten, denn er sagte zu ihr:
„Junge Dame sie sollten vielleicht ihre Augen aufmachen, bevor sie über die Straße laufen.“
Loreen stützte ihre Arme in die Hüften und sah ihn mit wütenden Blick an.
„Was glauben sie eigentlich wer sie sind? Bloss weil sie Rahul Khan sind, gehört ihnen die Straße doch nicht. Boah ey… Typisch Kerl.“
Rahul musste schmunzeln, denn diese Frau hatte ein Temperament und das gefiel ihm. Und dann noch dieser Glanz in ihren Augen, wenn sie lächelte. Er war fasziniert von ihr. Er blieb an dem Wagen stehen und hörte ihr einfach nur zu. Loreen hatte sich schon abgewendet und während sie ging schimpfte sie weiter vor sich hin.
„So ein Idiot. Ich verstehe gar nicht, warum die Frauen ihn so toll finden. Der mag ja gute Filme machen, aber Auto fahren? Ne… das sollte er mal lieber üben. Pfff, nie wieder sehe ich mir ein Film von dem an. Nein ich mag ihn nicht.“
Rahul stieg schmunzelnd ein und fuhr langsam weiter. Als er in ihrer Nähe war, fuhr er noch langsamer und rief durch das offene Fenster:
„He, du bist süß. Ich mag kleine Kratzbürsten.“
Loreen wurde noch wütender und schrie nur rum:
„Zieh endlich Leine. Ich mag dich nicht!“
Um ihm das zu demonstrieren, lief sie in die entgegen gesetzte Richtung, aber Rahul legte den Rückwärtsgang ein und fuhr zurück.
„He. Lady du kannst mir nicht entfliehen.“
„Wollen wir wetten?“
Loreen lief einfach in das nächste Kaufhaus und schon hatte Rahul keine Chance mehr und sie grinste erleichtert. Von wegen sie konnte ihm nicht entfliehen.
Wütend setzte sie sich in der Eingangshalle, des Kaufhauses, auf die Bank und schimpfte:
„Männer. Ich weiß schon warum ich Single bin. Die sind doch alle gleich.“
Nachdem sie sich beruhigt hatte, ging sie endlich zum Imbiss. Natürlich war sie heute durch den Vorfall zu spät und das alles wegen Rahul Khan. Sie hatte ihn gefressen, wie zehn Pfund Schmierseife.
Sie ging an ihre Arbeit und versuchte sich abzulenken. Aber ihre Gedanken waren trotzdem bei Rahul. Obwohl sie schimpfte über ihn, hatte sein Blick, sie in den Bann gezogen.
Rahul kam am Drehort an und schmunzelte immer noch. Sunny der das sah, kam sofort zu ihm.
„He Rahul, dir scheint es ja gut zugehen.“
„Oh ja. Ich habe heute die Frau getroffen, die ich heiraten werde.“
„Wie jetzt? Seit wann hast du denn eine Freundin?“
„Habe ich nicht.“
„Und wieso willst du sie heiraten. Erzähl mal. Wie lange kennst du sie? Wer ist sie? Kenne ich sie? Was sagt sie denn, will sie dich denn auch heiraten?“
„Sunny du bist aber neugierig. Also ich kenne sie nicht. Ich weiß nicht wer sie ist. Ich habe sie heute zum ersten Mal gesehen und nein sie weiß noch nicht, dass ich sie heiraten werde.“
Sunny blieb wie angewurzelt stehen und als Rahul weitergehen wollte, hielt er ihm am Ärmel zurück.
„Sag mal hast du jetzt völlig den Verstand verloren? Du willst eine Frau heiraten, die du gar nicht kennst?“
„Ja.“
„Was ja?“
„Ja ich habe meinen Verstand verloren. Ich liebe sie, obwohl ich sie gar nicht kenne. Ich hoffe das ich sie wieder sehe. Sie ist die Einzige mit der ich mein Leben teilen will!“
Rahul ging einfach weiter und ließ einen verdutzten Sunny stehen.
Aber er glaubte nicht daran, was Rahul sagte, obwohl er seinen besten Freund doch besser kennen müsste. Wenn Rahul sich etwas vornahm, dann zog er das auch durch. Doch Sunny verstand nicht, warum ausgerechnet eine Unbekannte. Er wurde von den Frauen umschwärmt, wie die Motten das Licht und er könnte Jede haben. Nein, sein Freund wollte eine Frau heiraten, die er gar nicht kannte.
Die beiden gingen an die Arbeit. In Rahul`s Gedanken kreiste nur noch diese eine Frau.


Die Tage vergingen und sowohl Rahul und auch Loreen dachten nur an den jeweils anderen. Aber jeder auf seiner Weise. Loreen war immer noch wütend auf ihn und es kam auch mal vor, dass das eine oder andere durch die Luft flog, wenn sie an ihn dachte. Sie war böse auf ihn, weil er nicht mehr aus ihren Gedanken verschwinden wollte.
Rahul hatte ein Dauergrinsen auf dem Gesicht und ein Glänzen in den Augen. Er fühlte sich so wohl, wie noch nie zuvor. Sie hatte sein Herz im Sturm erobert. Sunny nervte sein Dauergrinsen schon.
Eines Tages gingen die beiden nach dem Drehen in eine Imbissstube. Sie hatten Hunger. Die Tür öffnete sich und Loreen blickte dort hin. Das war nicht so gut, denn sie hatte einen Stapel Teller in der Hand, den sie los ließ. Man hörte Geschirr scheppern und alle blickten zu Loreen. Diese wäre am liebsten im Erdboden versunken.
Rahul hatte sie sofort wieder erkannt und hatte wieder dieses Lächeln auf den Lippen. Er und Sunny gingen zu ihr und halfen ihr beim Aufsammeln des kaputten Geschirrs. Als sich ihre Finger berührten, durchfuhren beide Stromschläge und sie sahen sich tief in die Augen. Sunny der das ganze beobachtete, erkannte genau was da zwischen den beiden geschah und hatte jetzt auch ein blödes Grinsen auf den Lippen.
Als Loreen das sah, wurde sie wütend. Sie konnte sich nicht erklären warum und ohne nachzudenken, nahm sie die Ketschup-Flasche und bespritzte damit beide.
„So und ich hoffe nun ist euch beiden das blöde Grinsen vergangen.“
Dann stand sie auf und verließ den Imbiss. Sie brauchte frische Luft.
Rahul und Sunny sahen sich an und taten so als wäre gar nichts geschehen. Setzten sich an den Tisch und warteten seelenruhig auf Loreen, die sie ja bedienen musste.
Sie ging wieder hinein und sah die beiden. Das konnte sie nun wirklich nicht glauben. Die beiden grinsten sie an und sie schäumte vor Wut.
Aber sie ging und bediente die beiden, ohne mit der Wimper zuzucken.
Nachdem sie den Männern das Essen serviert hatte, machte sie Feierabend und verließ die Imbissstube. Die frische Luft tat ihr gut und sie ging durch den lauen Sommerabend, fragte sich immer wieder, warum sie immer so auf Rahul reagierte.
Sie wollte doch niemanden in ihr Herz lassen. Aber Rahul schlich sich immer weiter hinein.
Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Erschrocken drehte sie sich herum und verpasste demjenigen automatisch eine Ohrfeige.
Noch mit erhobener Hand sah sie erschrocken ihr Gegenüber an. Es war Rahul und sie legte ihre Hand auf ihren Mund.
„Sorry. Das wollte ich nicht.“
Rahul`s Glänzen in den Augen war unbeschreiblich und sie erkannte sehr viel Wärme darinnen. Doch sie konnte nicht zulassen, dass er immer weiter in ihr Herz kam.
„Mr. Khan. Es tut mir leid.“
Er nahm ihre Hand und sagte mit ruhiger Stimme.
„Sag Rahul zu mir.“
Verlegen senkte sie ihren Blick.
„Ich kann nicht.“
„Doch du kannst. Öffne dein Herz.“
„Was meinst du?“
„Komm mit.“
Rahul nahm sie an die Hand und sie gingen zum gegenüberliegenden Park. Dort angekommen, blieb er stehen.
„Was siehst du hier? Was fühlst du hier?“
Sie sah sich um und leise antwortete Loreen:
„Was ich hier sehe? Nichts es ist dunkel.“
„Nein öffne dein Herz. Dann kannst du sehr viel mehr sehen.“
„Weißt du was. Das ist mir zu blöd. Ich werde hier verschwinden.“
Abrupt drehte Loreen sich weg und wollte fliehen. Aber Rahul war schneller und hielt sie am Arm zurück.
„Warum wehrst du dich gegen deine eigenen Gefühle?“
„Tue ich doch gar nicht.“
„Tust du doch!“
„Nein tue ich nicht. So und jetzt gehe ich.“
„Du bleibst und hörst mir zu. Du solltest dein Herz öffnen. In deinen Augen ist soviel Traurigkeit. Soviel Schmerz. Wer hat dir so wehgetan, dass du Menschen von dir stößt. Du solltest lächeln. Dein Leben genießen. Mit deinen Freunden lachen und weinen. Das Leben ist so kurz. Lass die Menschen zurück in dein Herz.“
Weinend stand Loreen vor ihm und konnte nicht verstehen, dass er genau wusste, was in ihr vorging. Die Tränen liefen über ihr Gesicht und mit zittriger Stimme antwortete sie:
„Ich bin allein. Und wenn man sein Herz öffnet wird man nur verletzt. Nein Rahul ich werde nie wieder mein Herz öffnen.“
Dann ging sie endgültig und ließ Rahul zurück. Er hielt sie nicht auf, weil er wusste, sie dachte über seine Worte nach und es tat ihm weh, sie so reden zuhören. Sein Gefühl sagte ihm, dass sie sich wieder sahen und dann sollte sich auch ihr Herz öffnen. Für ihn. Er war sich sicher, das sie das gleiche für ihn empfand.


So trennten sich zwei Herzen, die doch eigentlich zusammengehörten. Ihre Herzen wussten es schon, aber Loreens Verstand wehrte sich gegen die Gefühle in ihrem Herzen. Immer wenn sie in der Vorlesung saß, waren ihre Gedanken bei ihm. Sie konnte ihn einfach nicht vergessen. Jeden Tag wartete sie, dass er in den Imbiss kam, aber er kam nicht.
Nein, Rahul kam absichtlich nicht. Er wollte Loreen Zeit geben. Zeit zum Nachdenken. Zeit, die sie brauchte. Erst wenn sie bereit war, ihr Herz zu öffnen, dann war er da. Da war er sich ganz sicher. Das Schicksal hatte sie zusammengeführt, und wenn sie wirklich zueinander gehörten, kamen sie auch zusammen.
Und er hatte recht. Es war Samstag morgen und er stand mit soviel Wärme im Herzen auf. Es war soweit. Loreen hatte ihr Herz geöffnet. ER konnte es spüren. Nachdem er einen Kaffee getrunken hatte, ging er aus dem Haus und fuhr zum Park. Er wusste gar nicht warum, aber es zog ihn dorthin.
Rahul ging zu der Bank an seinem Lieblingsplatz und setzte sich und sah in den Himmel. Die Sonne schien und wärmte sein Gesicht, welches er ihr entgegenreckte. Plötzlich legte sich ein Schatten auf sein Gesicht und er öffnete seine Augen und sah in das wunderschöne Gesicht von Loreen.
„Rahul wenn ich mein Herz jetzt öffne, wirst du mir auch wehtun? Wirst du mir auch mein Herz brechen?“
Sofort stand er auf und zog sie in seine Arme.
„Nein, ich breche dein Herz nicht. Ich werde es wärmen mit meiner Liebe. Werde es zum lächeln bringen. Du wirst strahlen wie ein Stern am Nachthimmel.“
Wieder hatte Loreen Tränen in den Augen. Noch nie hatte ihr einer so etwas Schönes gesagt. Sie schluchzte und klammerte sich an ihm fest.
Als sie sich voneinander lösten, sah sie zu Boden und flüsterte leise:
„Ich heiße Loreen.“
Rahul lächelte und erwiderte:
„Ich weiß.“
Erstaunt sah sie ihn an und wollte gerade fragen, aber er antwortete, so als wusste er was sie fragen wollte.
„Ich habe im Imbiss nachgefragt.“
Nun lächelte sie auch und Rahul nahm sie an die Hand.
Sie gingen wortlos spazieren und genossen die Gegenwart des anderen. Noch hatten sie sich nicht gesagt, was sie füreinander empfanden, aber das brauchten sie auch nicht. Die Herzen der beiden sprachen das aus, was sie nicht über ihre Lippen brachten.


Das war der Beginn der großen Liebe zwischen Rahul und Loreen. Tage und Wochen vergingen und die beiden kamen sich immer näher. Hatten viel Spass gemeinsam. Loreen blühte auf und heute nun wollte Rahul ihr endlich sagen, was er für sie empfand.
Loreen war heute das erste Mal bei ihm zu Hause und sie sah sich gerade um, als Rahul durch die Tür kam.
„Komm setz dich doch. Lass es uns gemütlich machen.“
Lächelnd nickte Loreen und sie setzten sich gemeinsam aufs Sofa.
Immer wieder blickten sie sich an und Rahul legte seine Hand an ihre Wange und sie schmiegte diese hinein und er näherte sich ihrem Gesicht, leise flüsterte er:
„Ich brauche dich Loreen. Ich brauche dich zum Atmen. Ich brauche dich in meinem Leben. Ich liebe dich.“
Es war raus, Rahul hatte ihr gesagt, dass er sie liebte und sie sah ihn mit glänzenden Augen an. Ihre Gesichter näherten sich ganz langsam. Ganz leicht berührten sich ihre Lippen und sie küssten sich. Ganz zart war ihr erster Kuss und als sie sich voneinander lösten, lächelten sie sich an.
Sie schwebten im siebten Himmel.


Das Telefon klingelte und Rahul entschuldigte sich für einen Moment. Loreen musste dringend mal ins Bad und sie ging auf die Suche. Sie kannte sich noch nicht im Haus aus und sie öffnete jede Tür. Aber nichts. Also entschied sie sich die Treppen hochzugehen und öffnete dort auch die Türen. Eine Tür führte direkt in sein Schlafzimmer. Mitten im Raum blieb sie stehen. Das ganze Zimmer hatte den Duft seines Aftershaves.
Sie fühlte sich wohl hier und sie ging langsam zu seinem Bett und strich über die Decke. Ganz plötzlich spürte sie seinen warmen Atem in ihrem Nacken und sie bekam eine Gänsehaut. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Rahul drehte sie zu sich herum und sah ihr mit einem Lächeln auf den Lippen tief in die Augen und sie ertrank in seinen braunen Seen.
Ganz langsam näherten sich ihre Gesichter wieder und ihre Lippen fanden sich zu einem zärtlichen Kuss.
„Weißt du eigentlich wie sehr ich dich liebe?“, fragte er sie leise, nachdem sie sich voneinander lösten.
„Ja, genauso sehr, wie ich dich liebe, Rahul.“
„Willst du meine Frau werden?“
Loreen konnte nicht glauben, was sie gerade hörte.
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und in ihrem Bauch tanzten die Schmetterlinge einen wilden Samba. Rahul wartete sehnsüchtig auf ihre Antwort und endlich bekam er sie.
„Ja Rahul. Ich möchte deine Frau werden.“
Sie konnte die Tränen in seinen Augen sehen. Sie hatte ihn zum glücklichsten Mann auf der ganzen Welt gemacht und er küsste sie mit soviel Liebe das ihr schwindelig wurde.
Sie hielten sich fest in den Armen und sahen sich einfach nur an. Genossen jede Minute ihres Beisammenseins. Plötzlich entdeckte er einen Schatten in ihren wunderschönen Augen.
„Loreen was bedrückt dich?“
„Rahul versprichst du mir, dass du mir niemals das Herz brichst?“
„Das verspreche ich dir. Niemals werde ich dir dein Herz brechen. Du bist mein Leben. Du bist meine Liebe. Du bist mein Atem. Du bist mein Herz.“
Danach küssten sie sich wieder und als sie sich voneinander lösten, bettete sie ihren Kopf auf seiner Brust und schlief ein. Rahul blieb wach und betrachtete seine Loreen im Schlaf. Sie schlief wie ein Engel und er war so glücklich, sie gefunden zu haben.


Genau das war jetzt über drei Jahre her. Und die Realität hatte die beiden eingeholt. Sie standen sich in der Küche gegenüber und sahen sich an. In ihren Augen war soviel Traurigkeit und sie fragte ihn nun immer wieder:
„Warum Rahul? Was habe ich dir getan? Was?“
„Was willst du Loreen? Ich weiß gar nicht wovon du redest!“
„Du weißt nicht wovon ich rede? Jeden Tag kommst du spät heim. Wenn ich mit dir reden will, weichst du mir aus. Wann haben wir beide das letzte Mal etwas unternommen und dieser Müll in der Zeitung. Was soll das?“
Demonstrativ hielt sie die Zeitung hoch. Der Artikel hatte sie völlig aus der Bahn geworfen. Dort stand herinnen, dass er eine andere Frau traf.
„Loreen es ist nicht so wie du denkst.“
„Wer ist sie Rahul?“
„Das kann ich dir nicht sagen!“
„Warum nicht? Liebst du diese Frau?“
Rahul senkte den Blick und Loreen weinte. Das war Antwort genug. Mehr wollte sie nicht hören. Für sie war es Aus und Vorbei. Die Ehe war gescheitert und sie wollte nur noch verschwinden. Auch er hatte sein Versprechen nicht gehalten. Rahul hatte ihr das Herz gebrochen.
Als sie ihre Sachen zusammengepackt hatte, ging sie ohne ein weiteres Wort und ließ Rahul allein zurück.
Rahul gab ihr Recht, die Ehe war gescheitert. Nichts war mehr wie zu Anfang. Die Liebe war da, aber zu oft hatten sie sich gestritten, wegen Nichtigkeiten.
Und der Höhepunkt war dann, dass er für ein halbes Jahr, nach Griechenland zu Dreharbeiten musste. Sie sahen sich sehr selten. Oftmals stand in der Presse, dass Rahul eine neue Liebe hatte. Dann war er nicht zu ihrem Geburtstag gekommen, stattdessen war er mit einer Rommy schön essen. All das hatte Loreen ohne etwas zu sagen hingenommen, aber nach dem letzen Zeitungsartikel konnte sie einfach nicht mehr. Immer hatte sie ihm vertraut. Immer. Aber jetzt ging es einfach nicht mehr. Die beiden ahnten ja nicht, dass dahinter eine Frau von der Presse stand, die die beiden auseinander bringen wollte, damit sie ihn für sich hatte.
Rahul hatte sie mehrfach getroffen und mochte sie sehr. Sie gaukelte ihm Freundschaft vor und er vertraute ihr. Aber sie nutzte es für sich und sie hatte es geschafft. Die Ehe war zerbrochen.
Er sank weinend auf die Knie. Loreen war gegangen, obwohl er nichts getan hatte. Er war niemals untreu gewesen, liebte sie wie am ersten Tag und das sollte sich niemals ändern. Nachdem er sich beruhigt hatte, rief er sie auf dem Handy an. Aber Loreen ging nicht ran.
Sie lag weinend in Sunnys Armen. Sunny verstand die Welt nicht mehr. Die beiden waren für ihn das Traumpaar und nun war alles aus. Nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte, sagte sie zu Sunny.
„Ich will ihn nie wieder sehen. Ich werde weggehen aus Mumbai.“
„Das ist nicht dein Ernst Loreen. Rede mit ihm.“
„Nein er hat eine andere und er soll glücklich werden mit ihr.“
Eine Weile unterhielten sich die beiden noch und Sunny versuchte sie umzustimmen. Aber keine Chance.
Loreen verabschiedete sich von Sunny und fuhr mit dem Taxi zum Flughafen. Dort saß sie in der Halle und konnte sich nicht mehr bewegen. Ihr Herz sagte ihr sie sollte in Mumbai bleiben und irgendwann stand sie auf und ging. Erst suchte sie eine Pension ein wenig außerhalb der Stadt.
Die Wochen vergingen und sie hatte eine kleine Wohnung am Rande von Mumbai gefunden. Sie arbeitete als Näherin und die Wochen zogen ins Land, aber es gab nicht einen Moment, wo sie nicht an Rahul dachte. Wenn sie die Nachrichten sah, brach es ihr jedes Mal das Herz. Oft war er mit dieser Frau zusehen.
Eines Morgens war ihr sehr übel und sie ging zum Arzt. Dieser stellte fest, dass sie schon im fünften Monat schwanger war und sie war geschockt. Sie fragte sich immer wieder, warum sie es nicht früher bemerkt hatte. Aber er sagte ihr noch etwas. Doch dieses wollte sie nicht mehr hören.
Nachdem sie nach Hause kam, saß sie auf ihrem Sofa und weinte sich die Augen nach dem Mann aus, der ihr das Herz gebrochen hatte. Trotz allem liebte sie Rahul und niemals sollte sich das ändern. Er lebte in ihrem Herzen weiter.
Auch Rahul litt unter der Trennung. Er wusste nicht wo sie war. Hatte nie wieder etwas von ihr gehört. Sunny hatte ihm mitgeteilt, dass sie aus Mumbai fortgehen wollte. Mehr wusste er auch nicht. In Rahul`s Augen war nur noch Leere zu sehen und Sunny machte sich große Sorgen.
Solange hatte Rahul sich gefragt, woher diese Schlagzeilen nur kamen, hatte aber nichts herausgefunden. Er traf sich weiterhin mit der jungen Frau. Diese versuchte ihm immer näher zu kommen, schaffte es nicht und sie hasste Loreen dafür.


Nachdem Loreen erfahren hatte, dass sie ein Kind von Rahul bekam, trat sie kürzer. Die Geburt stand kurz bevor und sie schrieb einen Brief für Rahul. Vor kurzem hatte er in einem Interview gefragt:
„Loreen kannst du mir vergeben? Bitte melde dich bei mir!“
Doch sie hatte es nicht getan. Aber nun wollte sie ihm noch etwas sagen. Während sie schrieb, bekam sie Krämpfe. Eigentlich hatte sie noch ein paar Tage, aber das Baby wollte das Licht der Welt erblicken. Loreen hatte so furchtbare Angst, denn sie wusste was geschehen konnte. Es waren vielleicht sie letzten Tage für sie auf Erden.
Als sie den Brief beendet hatte, konnte sie es kaum noch aushalten vor Schmerzen. Angstvoll wählte sie Sunny`s Nummer. Er war ihr einziger Freund und als er den Anruf entgegennahm, konnte sie nur noch schluchzen.
„Sunny ich brauche Hilfe.“
„Loreen????“
„Ja ich bin es. Bitte hilf mir Sunny.“
„Wo bist du?“
„Hier in Mumbai. Schnell Sunny ich halte es nicht mehr aus.“
Sie sagte ihm die Adresse und legte auf. So schnell Sunny konnte, fuhr er zu ihr. Als er unten im Flur war, hörte er Loreen schreien und lief hoch zu ihrer Wohnungstür und klingelte. Aber sie lag auf dem Boden und konnte nicht mehr aufstehen. Die Schmerzen waren höllisch. Sunny klopfte immer und immer wieder und als er sie wieder schreien hörte, warf er sich gegen die Tür und konnte sie einbrechen. Erschrocken blieb er stehen, als er die schwangere Loreen sah. Er lief zu ihr und kniete sich zu ihr herunter.
„Loreen!“
„Sunny hilf mir. Es tut so weh!“
Während er sie in den Armen hielt, rief er den Notarzt. Der ließ nicht lange auf sich warten und sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Sunny begleitete sie und hielt die ganze Zeit ihre Hand. Stunden vergingen und Loreen wurde an die Apparaturen angeschlossen. Der Arzt kam zu ihr und sah sie mit ernstem Gesicht an, was Sunny sofort sah.
„Dr. was ist los?“
„Kommen sie mit vor die Tür. Ich muss mit ihnen reden.“
Die beiden gingen vor die Tür und der Doktor machte ein sehr besorgtes Gesicht.
„Dr. reden sie schon.“
„Also gut. Eigentlich darf ich es ihnen nichts sagen, weil sie kein Angehöriger sind. Aber sie hat uns ihr Einverständnis gegeben.“
„Loreen wird es nicht schaffen und das Baby vielleicht auch nicht!“
Sunny stand fassungslos im Klinikflur. Das durfte doch wohl alles nicht wahr sein. Er kam sich vor wie in einem schlechten Traum.
„Dr. sagen sie mir bitte, dass ist nicht wahr.“
„Doch, leider ja. Loreen wird sterben. Und sie hat es gewusst.“
„Sie hat es gewusst?“
„Wir haben ihr abgeraten, dass Kind zubekommen. Sie ist nicht in der Lage, dass Kind auf normalem Wege zu bekommen. Und dann ihre seltene Blutgruppe. Wir haben keine Vorräte mehr. Und wenn wir sie jetzt operieren und das Kind holen, wird sie sterben.“
„Können sie nicht noch einen Spender finden?“
„Das würde noch Tage dauern. Sie wissen, wie selten die Menschen Blut spenden. Ich wünschte es würde jeder Mensch Blut spenden um Menschenleben zu retten, aber leider ist es nicht so. Dafür muss Loreen ihr Leben lassen. Die Zeit ist einfach zu kurz. Und wir haben höchstens noch 24 Stunden.“
„Bitte versuchen sie alles Dr.. Sie darf nicht sterben.“
„Das werden wir, aber die Chancen stehen schlecht. Gehen sie zu ihr. Sie sollte nicht allein sein.“
„Danke Doc.“
Sunny ging mit gesenktem Kopf den Flur entlang und klopfte an Loreen`s Zimmertür, wartete aber auf keine Antwort. Leise ging er hinein und blickte direkt auf die vielen Apparate, die um das Bett herum standen.
Er setzte sich zu ihr und sah sie an. Loreen sah so zerbrechlich aus und man konnte erkennen, dass sie starke Schmerzen hatte. Sie war nur noch ein Schatten ihrer selbst und alles Leben war fast aus ihr gewichen.
Tränen rannen über sein Gesicht. Es brach ihm das Herz, sie so zusehen.
Loreen öffnete leicht die Augen und sah ihn weinen. Traurig griff sie nach seiner Hand und flüsterte:
„Sei nicht traurig Sunny. Das ist mein Schicksal. Es sollte nicht sein, dass ich glücklich werde.“
Sunny nickte weinend und die Tränen liefen ihm unaufhaltsam übers Gesicht.
Loreen war seit er sie kennen gelernt hatte, wie eine kleine Schwester für ihn. Und nun sollte sie ihn verlassen.
„Loreen warum?“
„Was warum?“
„Warum wolltest du dieses Kind bekommen? Du hast es die ganze Zeit gewusst.“
Abrupt ließ sie seine Hand los und senkte ihren Blick.
„Es ist ein Teil von Rahul. Und auch wenn er mir mein Herz gebrochen hat, werde ich ihn immer vermissen. Ich dachte es würde gut gehen. Ich hatte gehofft, dass ich unsere Tochter bekommen kann, ohne das ich sterben muss. Aber ich habe mich getäuscht. Mein Wunsch ist es nur noch, dass ich sie einmal sehen kann, wenn ich ihr das Leben geschenkt habe.“
Auch ihr rannen die Tränen übers Gesicht. Ja, sie sehnte sich nach Rahul. Er hatte ihr alles genommen. Den Glauben an die Liebe, die Hoffnung. Trotz allem war ihr Herz und ihre Seele bei ihm. In all den Monaten in denen sie allein war, liebte sie ihn, wie am ersten Tag. Niemals hätte sie einen anderen Mann so lieben können, wie Rahul. Er war die Erfüllung ihres Lebens. Er war alles was sie wollte. Seine Liebe.
Wieder suchte Loreen die Hand von Sunny und hielt sie fest.
„Sunny kannst du mir etwas versprechen?“
„Alles was du willst, Loreen.“
„Bitte kümmere dich um meine kleine Prinzessin! Bring sie nach meinem Tod zu Rahul und dann ist da noch ein Brief für ihn in meiner Wohnung. Würdest du ihn Rahul geben?“
„Loreen ich werde es tun. Ich verspreche es dir. Aber wäre es nicht, dass beste, wenn wir Rahul benachrichtigen?“
„Nein Sunny. Er hat ein neues Leben mit dieser Frau begonnen. Ich will nicht, dass diese Liebe zerstört wird. Ich möchte, dass er glücklich ist. Er hat sich für eine andere Frau entschieden und das habe ich akzeptiert.“
„Loreen bitte, lass mich ihn anrufen.“
„Nein Sunny. Das möchte ich nicht. Bitte verstehe mich.“
Ihre Worte waren sehr leise, denn die Kraft verließ sie immer mehr und sie krümmte sich vor Schmerzen.
„Loreen ist alles ok?“
„Ja es geht schon wieder. Aber ich möchte ein bisschen schlafen.“
„Mach das. Ich bleibe bei dir.“
„Danke Sunny. Du bist ein Schatz. Ich danke dir für alles. Danke das du immer für mich da warst. Danke……“
Mehr konnte sie nicht sagen. Es wurde plötzlich ganz ruhig im Zimmer. Sunny konnte nur das Piepen der Geräte hören. Die ganze Zeit hielt er ihre Hand und weinte.
Einige Stunden vergingen und der Arzt kam mit keinen Neuigkeiten. Sunny wusste nicht was er tun sollte und ging leise aus dem Zimmer, suchte nach dem Arzt.
Als er ihn fand, fragte er:
„Dr. haben sie einen Blutspender gefunden?“
„Nein leider nicht. Und ich denke in acht Stunden müssen wir das Kind holen. Viel länger können wir nicht mehr warten. Es tut mir leid.“
Sunny blieb allein im Flur stehen. Mit der Hand fuhr er sich durchs Haar. Die Verzweiflung war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Dann entschloss er sich doch Rahul anzurufen, gegen den Willen von Loreen. Er hatte ein Recht darauf die Wahrheit zu erfahren. Er sollte wissen, dass seine Frau und sein Baby um ihr Leben kämpften.
Sunny ging raus aus der Klinik und wählte Rahul`s Nummer. Es dauerte eine Weile, bis er ranging.
„Ja Sunny was gibt es?“
„Rahul wo bist du?“
„In Dehli beim drehen!“
„Du musst so schnell wie möglich nach Mumbai kommen. Koste es was es wolle.“
„Was ist denn los Sunny?“
„Es geht um Loreen!“
Rahul blieb fast das Herz stehen.
„Was ist mit ihr?“
„Sie ist im Krankenhaus und kämpft um ihr Leben.“
Sunny legte auf, er wollte zurück zu Loreen. Alles weitere konnte er mit Rahul immer noch bereden, wenn er hier war.
Rahul stand da, als wäre er vom Blitz getroffen worden. Jetzt konnte er sich seine innere Unruhe erklären, die er schon den ganzen Tag hatte. Aber wie sollte er so schnell wie möglich nach Mumbai kommen. Er rief den Flughafen an, aber er hatte kein Glück. Die nächsten Flüge gingen erst in ein paar Stunden. Rahul versuchte eine Privatmaschine zu chartern und hatte Glück. Er machte sich auf den Weg zu seiner Frau. Sein Herz schlug unregelmäßig. Sein Puls raste und Angst hatte seinen Körper eingehüllt. Immer wieder stellte er sich die Frage, was geschehen war? Schaffte er es rechtzeitig? Die Zeit raste ihm davon und als er in Mumbai landete, stand sein Fahrer schon bereit und Rahul sagte ihm, er sollte Gas geben.
Vor der Klinik hielt der Wagen mit quietschenden Reifen und Rahul stieg aus und lief wie vom Teufel gehetzt hinein. An der Anmeldung blieb er völlig außer Atem stehen und bekam keinen Ton heraus.
Sunny hatte ihn aber schon gesehen und lief zu ihm.
Rahul sah ihn an und wartete auf eine Erklärung.
„Rahul wir werden sie verlieren. Sie haben sie in den OP gebracht.“
„Sunny was ist passiert?“
„Sie bekommt ein Kind und das ist lebensgefährlich für beide. Sie braucht dringend Blut, was sie nicht haben.“
„Dann sollen sie meines nehmen. Ich habe die gleiche Blutgruppe wie Loreen.“
„Dann komm!“
Beide suchten sie nach einem Arzt sagten ihm, dass mit dem Blut und Rahul wurde sofort mitgenommen.
Er spendete sein Blut um seine Frau und sein Baby zu retten.
Nach Stunden wurde Loreen aus dem OP gefahren. Rahul war noch ein wenig wackelig auf den Beinen, aber er ging sofort zu ihr, streichelte ihr Gesicht. Sie war so blass. Fragend sah er den Arzt an. Der schüttelte den Kopf und sagte leise:
„Es tut mir leid Mr. Khan.“
Rahul brach weinend mitten auf dem Flur zusammen und Sunny nahm ihn sofort in die Arme. Loreen wurde in ihr Zimmer geschoben. Rahul wurde von Weinkrämpfen geschüttelt. Der Arzt kam zu ihnen und half Sunny, Rahul wieder auf die Beine zu bekommen.
„Gehen sie zu ihr Mr. Khan.“
Von Sunny gestützt ging Rahul zu seiner Frau und setzte sich an ihr Bett. Sunny ging zum Fenster und sah hinaus.


Rahul wurde in die Gegenwart geholt, als er seine kleine Prinzessin weinen hörte.
Er stand auf und ging zu ihr, nahm sie in den Arm und setzte sich in den Schaukelstuhl und wiegte sie in den Schlaf.
Die ganze Zeit betrachtete er seine Tochter. Sie war ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Er drückte Anja an sich und weinte sich in den Schlaf.
Die nächsten Tage wurden sehr hart. Rahul hatte seine Frau zu Grabe getragen und war sehr ruhig. Niemand konnte ihn zum Lächeln bringen. Sunny war jeden Tag bei ihm und ließ ihn nicht aus den Augen. Die Einzige, die ihm ein Lächeln auf die Lippen zauberte, war seine kleine Tochter.


Neun Monate später saßen Sunny und Rahul wieder auf der Terrasse.
„Rahul, hast du den Brief von Loreen gelesen?“
„Nein ich konnte es nicht!“
„Lies ihn.“
„Es tut so weh Sunny. Jeden Tag habe ich das Gefühl, ich sterbe ein Stück mehr. Ich weiß einfach nicht wie ich weiter machen soll.“
„Lies den Brief. Vielleicht findest du Antworten auf deine Fragen. Ich muss jetzt los. Wir sehen uns morgen!“
Sunny verließ das Haus und Rahul blieb allein zurück. Er holte den Brief aus seiner Hosentasche. Er trug ihn immer bei sich. So fühlte er sich ihr immer ein bisschen näher. Vorsichtig öffnete er ihn nun und holte tief Luft bevor er begann zu lesen:

„Mein geliebter Rahul,


das werden meine letzten Worte sein, die ich an dich richte. Jetzt wo ich hier sitze und dir schreibe, weiß ich noch nicht, ob ich dich noch einmal sehen werde, bevor ich das Leben verlasse. Aber ich möchte dir etwas sagen. Du hast mich nach unserer Trennung gefragt, ob ich dir vergebe. Ja Rahul ich vergebe dir!!!!
Du warst mein Leben, meine Liebe, mein Herz und meine Seele und auch wenn ich nicht mehr bei dir bin, wird sich das nicht ändern. Ja du hast mein Herz gebrochen. Ich habe dir vertraut und du hast es gebrochen.
Trotz allem konnte ich dich nie vergessen. Habe dich geliebt, wie am ersten Tag. Du warst in jedem Moment in dem ich atmete bei mir. Wenn ich meine Augen geschlossen hatte, warst du bei mir und wenn ich sie öffnete warst du bei mir. Ich konnte immer dein Lächeln sehen, welches mein Herz erwärmt hat.
Auch wenn du nicht bei mir warst, war die Wärme da, wenn ich an dein Lächeln dachte.
Ich dachte immer, wenn einem das Herz gebrochen wird, dass man den Menschen hasst. Aber es ist nicht wahr. Wenn es die wahre Liebe ist, liebt man den Menschen auf ewig.
Rahul du kannst mich nicht mehr sehen, aber wenn du deine Augen schließt bin ich bei dir. Das verspreche ich dir. Ich werde über unsere Tochter von einem fernen Ort wachen. Und ich werde dein Herz mit Wärme füllen.
Ich bitte dich um einen Gefallen. Pass auf unsere Tochter auf. Beschütze sie und lasse es niemals zu, dass ihr Herz gebrochen wird. Denn wenn sie die wahre Liebe gefunden hat, und ihr Herz gebrochen wird, wird sie dasselbe erleben, was wir erlebt haben. Ich möchte, dass sie glücklich mit dem Mann ihrer Träume wird. Das sie eine Familie gründet und das sie ihr Leben lang lächelt. Und bitte lächle für sie. Sie soll ihren Daddy immer lächeln sehen. Tue es für mich. Ich weiß es wird dir schwer fallen. Aber ich bin in deiner Nähe. Du bist niemals allein.
Lächle Rahul. Ich vergebe dir und bitte vergebe dir selbst auch!!! Das war unser Schicksal. Aber eines Tages werden wir uns beide wiedersehen. Das verspreche ich dir!!!


Deine dich immer liebende Loreen


Rahul ließ den Brief sinken. Die Tränen brannten heiß auf seinen Wangen und er stand auf und ging im Garten auf und ab.
Sunny hatte recht. Er wusste was zutun war.
Am nächsten Morgen fuhr er gemeinsam mit Sunny und Anja zum Friedhof, bat Sunny, ihn für ein paar Minuten allein zu lassen. Sunny nickte nur und nahm Anja auf den Arm und ging mit ihr spazieren. Rahul ging zum Grab seiner Frau.
Er setzte sich hin und strich mit der Hand über den Grabstein. Mit großer Schrift stand dort geschrieben:

„In Gedenken an die Liebe meines Lebens! Loreen ich werde dich immer lieben und du wirst immer in meinem Herzen bleiben. Dein Rahul!“

Rahul`s Tränen liefen ihm unaufhaltsam über die Wangen. Es tat so weh. Er vermisste Loreen. Ihr Lächeln, ihre Liebe, ihre Berührungen.
Er fühlte sich einsam ohne sie. Sie hatte ein Teil von ihm mitgenommen, aber ein Teil von ihr war immer bei ihm.
Seine Augen hatte er geschlossen und er dachte an sie und er flüsterte:
„Danke das du mir vergeben hast.“
Plötzlich hörte er eine Stimme.
„Ich liebe dich Rahul. Wir sehen uns bald wieder.“
Irritiert öffnete er seine Augen und sah fragend umher. Aber es war niemand da. Das war die Stimme von Loreen und es zauberte ihn ein Lächeln auf die Lippen. Ja sie war bei ihm.
„Daddy, Daddy.“
Anja tapselte den Weg entlang und Rahul stand auf und breitete seine Arme aus, nahm seinen Goldschatz auf den Arm und gab ihr einen Kuss.
„Komm mein Schatz. Auf in unser neues Leben.“
Sunny brachte die beiden zum Flughafen. Er verabschiedete sich von ihnen und Rahul und Anja verließen das Land um einen Neuanfang zu starten. Er hatte seinen Job an den Nagel gehängt und wollte nur noch für seine Tochter für die nächsten Jahre da sein. Sie sollte mit ihrem Vater aufwachsen, der immer bei ihr war und nicht ständig auf Reisen war und fast um rund um die Uhr arbeitete. Sie hatte es verdient, ihren Vater um sich herum zuhaben, während sie aufwuchs.

Das war jetzt 20 Jahre her. Rahul ging in Richtung des Traualtars. Stolz hielt er seine Tochter im Arm, die nun heute die Liebe ihres Lebens heiratete.
Sie lächelte und war glücklich. Während der Vermählung hatte Rahul Tränen in den Augen. Er sah in einem Schatten seine Frau, die ihm zulächelte und nickte.

Die Jahre vergingen und das Herz von Anja wurde nicht gebrochen. Sie wurde glücklich und Rahul war stolz auf seine Tochter. Anja schenkte ihm noch zwei wundervolle Enkelkinder. Eines Abends saß seine Tochter bei ihm und fragte:
„Daddy?“
„Ja Schatz.“
„Warum hast du eigentlich nie wieder geheiratet?“
„Weil nur deine Mutter in meinem Herzen lebt. Niemals hätte ich eine andere Frau lieben können. Ich habe ihr das Herz gebrochen und trotzdem hat sie mir vergeben.“
„Hast du dich nie allein gefühlt?“
„Nein Anja, deine Mutter ist immer bei mir. Hier!“
Er legte seine Hand auf sein Herz und lächelte.
„Die Erinnerung an sie zaubert mir immer Lächeln auf die Lippen und ich fühle mich ihr so nahe. Ihre Liebe reicht für mein ganzes Leben!“
„Aber auch wenn du immer für mich gelächelt hast, konnte ich doch sehen, dass du traurig warst.“
„Ja ich war und bin immer noch traurig. Aber das ist in Ordnung Schatz. Mache dir bitte keine Sorgen um mich.“
Rahul zuckte kurz zusammen.
„Daddy alles okay?“
„Ja Schatz. Ich bin nur müde.“
Er streichelte seiner Tochter über den Kopf und sagte zu ihr:
„Schatz bitte vergiss bitte niemals. Auch wenn das Herz gebrochen wird, wenn es die wahre Liebe ist, wird diese Liebe niemals sterben.“
Anja stand auf und hauchte ihrem Vater einen Kuss auf die Stirn.
„Das werde ich niemals vergessen. Daddy ich liebe dich.“
Rahul schloss die Augen und lächelte. Auch er war eingeschlafen. Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen, denn er war seiner Loreen gefolgt. Nun waren sie wieder zusammen auf ewig. Und wenn man in den Nachthimmel sah, konnte man zwei hell leuchtende Sterne ganz nah bei einander sehen. Das waren Loreen und Rahul die im Tod wieder vereint wurden, obwohl im Leben ihre Herzen gebrochen waren, war ihre Liebe nicht gestorben und sie liebten sich über den Tod hinaus.

The End

© Maya

Liebe? Nein Danke!!!!!!

Seit meiner frühesten Jugend lebte ich, Jennifer Winters, genannt, Jenna, in Boston. War gerade 25 Jahre alt geworden und hatte immer noch kein Ziel vor Augen. Was ich werden wollte oder wie meine Zukunft aussah. So lebte ich in den Tag hinein und genoss meinen Lebensstil. Nebenher studierte ich Schauspielkunst. Jedoch ernst nahm ich es nicht. Die meisten Vorlesungen ließ ich ausfallen. Ich brauchte schließlich meinen Schönheitsschlaf nach den durchzechten Partynächten. Die Partys waren immer so cool und ich ließ keine aus, was natürlich bedeutete, dass ich erst in den frühen Morgenstunden heim kam und dann doch sehr erschöpft war.

Meine Eltern hatten nie viel Zeit für mich und sie mochten meinen Lebensstil nicht und so zog ich aus, als ich volljährig war. Sie waren nicht einverstanden und der Kontakt war sehr eingeschränkt, weil sie sich für mich schämten. Mein Vater wiederum sagte immer zu mir, dass ich sowieso nur ein Unfall war und nur Schande brachte.
Mich störte das nicht wirklich und ich vermisste sie auch nicht. Liebe hatten sie für mich nie übrig. Also was solls. Hatte ja schließlich auch etwas gutes. Sie gingen mir nicht auf die Nerven und brauchte mir nicht anhören: Tue dies nicht, Tue das nicht.

Und noch etwas über mich. Der Liebe hatte ich abgeschworen. Ich wollte das nicht mehr. Immer wenn ich gedacht hatte, dass ich den Richtigen gefunden hatte, wurde ich wieder enttäuscht. Belogen und betrogen wurde ich von den Männern und somit kam ich zu der Entscheidung:

Liebe? Nein Danke!


Jeder Tag gestaltete sich bei mir ziemlich gleich. Mittags aufstehen und wenn ich dann noch Lust hatte, fuhr ich zur Uni. Aber nur damit ich da weiter schlafen konnte.
Nachmittags dann die Vorbereitungen für die abendliche Party, auf die ich dann ging. Ich liebte mein Leben und einen Mann brauchte ich nicht um glücklich zu sein.
Und was sollte ich mir noch einen Typen an die Backe nageln. Wozu? Es reichte mir schon, wenn ich meine Eltern sah. Sie führten ein so trostloses Leben. Wie öde.
Und zu allem Überfluss denke ich, dass der Mann, der für mich bestimmt sein sollte erst einmal gebacken werden musste. Den gab es gar nicht auf dieser großen, weiten Welt.


Am heutigen Tag kam ich gar nicht aus der Hüfte und tanzte erst gegen 1:00 Uhr mittags an der Uni an und stürmte sehr geräuschvoll den Saal. Meine Kommilitonen grinsten, weil sie es von mir schon gewohnt waren, dass ich immer den perfekten Auftritt hinlegte. Doch heute war etwas anders. Ich stand an der Tür und diese Stille machte mir ein wenig Angst. Was war hier los? Was habe ich verpasst? Das war doch nun wirklich nichts neues, dass ich zu spät kam. Also warum heute diese Stille?
Damit ich diese Stille nicht durchbrach, tapste ich auf Zehenspitzen zu meinem Platz und versuchte mich dann auch noch lautlos hinzusetzen, was völlig daneben ging, denn mein Stuhl kippte um, und dieser erzeugte einen riesigen Knall.
Das war wieder typisch für mich. Ich fiel immer und überall auf und war nie zu überhören. Als ich dann endlich fertig war und saß, blickte ich nach vorn.


Wer war das? Das war doch nicht mein Prof, der dort an der Tafel stand. Auch wenn er mit dem Rücken zu mir stand, sah ich das sofort. Diese Wahnsinns-Figur gehörte jemand anders. Mein Prof war klein und dick und naja sein Hinterteil war nicht wirklich ansehenswert. Aber was mein Auge jetzt erblickte, dass schlug dem Fass dem Boden aus. Mir blieb richtig die Luft weg. Ich mochte was ich da sah. Nervös rutschte ich auf meinem Stuhl hin und her. Dieser Körper trug dazu bei, dass meine Sinne sich verschärften…über die ich jetzt nicht reden werde. Dieser Mann brauchte einen Waffenschein.
Cool, so jemanden als Lehrer zu haben. Vielleicht sollte ich mir doch überlegen wieder öfter an die Uni zu kommen. Da geht die Sonne doch jeden Tag auf, wenn man so was als Frau sieht.


Plötzlich drehte er sich um und es war vollends um mich geschehen. Nur als er anfing zu sprechen, rutschte ich sehr tief in meinem Sitz und hoffte er sah mich nicht. Zumindest nicht sofort. Jedoch hatte er mich schon entdeckt und kam näher. Ja und dann fingen die Geigen im Himmel an zugingen. Eine unsagbar, sinnliche Stimme hallte durch den Saal, als er mich fragte:
„Und mit wem habe ich die Ehre?“
Oh, er drückte sich aber sehr gewählt aus. Nicht zu vergleichen, mit unserem alten Prof, der immer sehr unbeholfen aussah und auch nicht wirklich gut reden konnte. Ich war wie versteinert, als ich seine wunderschönen, ausdrucksvollen Augen sah. Ich ertrank völlig in ihnen und verlor die Fassung immer mehr und rang nach Luft.
Wieder holte er mich in die Realität zurück.
„Würden sie sich bitte vorstellen, junge Dame?“
„Ich heiße, Jennifer Winters. Meine Freunde nennen mich Jenna. Können sie auch machen wenn sie wollen. Und mit wem habe ich die Ehre?“, fragte ich frech.
„Für sie bin ich Mr. Anders!“
„Nett, sie kennen zulernen. Und warum sind sie hier, Mr. Anders?“
Ein wenig genervt sah er mich an. Begann aber noch einmal sich vorzustellen. Die anderen Studenten verdrehten die Augen, weil sie diesen Vortrag nun noch einmal hören mussten und es war auch eigentlich schon seit Wochen bekannt, dass Mr. Anders diesen Kurs übernahm. Aber das war mir egal. Ich war neugierig und wollte es wissen. Und ich war ja auch noch nicht so oft da, woher sollte ich dann wissen, dass mein alter Prof. in Rente gegangen war. Nach einer Weile wusste ich nun, dass er Dalton Anders hieß, 38 Jahre alt war, Witwer und er hatte einen Sohn names Kevin. War alles sehr interessant und als er endete, sagte ich nur:
„Aha!“
Die anderen fingen an zulachen und ich fand es cool. Wieder einmal war ich diejenige, die alle unterhielt. Darum hieß ich ja auch Klassenkasper unter den Studenten und ich liebte es die Lehrer zu ärgern.
Seine Augen verengten sich, aber er sagte nichts weiter, ging wieder an die Tafel und fuhr mit dem Unterricht vor. Ich versuchte mich ja zu konzentrieren, aber es war so langweilig und ich war müde. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Mann so langweilig war. Er war zwar eine Sahneschnitte, aber was er sagte, interessierte mich nicht und hastig sammelte ich meine Sachen zusammen und wollte den Saal verlassen.
„Halt! Wohin des Weges?“
„Mr. Anders, ich fühle mich gerade ein bisschen unpässlich!“
„Was ist geschehen?“
„Na das kommt schon einmal im Monat bei mir vor!“
Ein Grölen tönte durch den Saal und Mr. Anders Wangen röteten sich. Herrlich sein Gesicht so zu sehen und um noch einen drauf zusetzen, sagte ich:
„Ach und wenn mir morgen wieder so ist, schneie ich mal wieder rein hier. Also Bye!“
Vor der Tür konnte ich mich nicht mehr halten vor lachen. Das war gut und sehr zufrieden ging ich heim. Ich war doch manchmal wirklich ein kleines Biest und ich liebte es.


Nur eines Verstand ich nicht. Dieser Mann ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Was auch immer ich tat, er war da. Das ärgerte mich ein wenig. Noch nie hatte es ein Mann geschafft. Und da kam dieser Dalton und wollte nicht mehr aus meinen Gedanken weichen.


Das durfte nicht sein und so entschloss ich mich in das Nachtgetümmel zu begeben und richtig Party zu machen. Natürlich war es sehr feuchtfröhlich und ich fiel in den frühen Morgenstunden halb tot ins Bett.
Den Wecker hatte ich überhört und so trottete ich mit einem Kater erst wieder Mittags zur Uni. Es war mörderisch in meinem Kopf. Es pochte wie wild darin und bewegen konnte ich ihn kaum. Wenn dann wurde mir so übel und ich schimpfte über mich selbst. War wohl doch ein bisschen zu viel letzte Nacht. Natürlich riss ich die Tür des Saales laut auf und stolzierte hoch erhobenen Hauptes an Mr. Anders vorbei und setzte mich auf meinen Platz. Herausfordernd lächelte ich ihn an. Ich weiß nicht warum, aber ich wollte ihn provozieren. Dieses Mal aber ließ er sich nicht darauf ein und unterrichtete weiter, als wäre das eben gerade gar nicht geschehen. Nach einigen Minuten dann schlief ich doch wieder ein, rechnete nicht mit dem was nun kam. Mr. Anders schlug mit dem Zeigestock auf dem Tisch und ich sprang erschrocken hoch. Verwirrt sah ich ihn an. Mein Herz pochte im dreifachen Takt und ich bekam kaum Luft. Wutentbrannt, dass er mich so erschreckt hatte, schrie ich los:
„Was bilden sie sich eigentlich ein? Soll ich wegen ihnen einen Herzinfarkt bekommen? Man, ich will doch noch nicht ins Gras beißen. Erst sind sie dran. Schließlich sind sie viel älter als ich.“
Die Klasse brüllte laut los und ich stand vor Mr. Anders mit den Händen in die Hüften gestemmt. Zum Kampf bereit. Doch Dalton blieb ganz ruhig.
„Kommen sie nach dem Unterricht zu mir!“
Das war alles und ich war verdutzt. Hilfe, wie konnte man den denn aus der Ruhe bringen? Ich schmollte, als ich mich wieder hinsetzte. Der hatte doch nicht mehr alle Tassen im Schrank. Bringt mich hier fast um und tut so als wäre nichts geschehen.


Es klingelte und natürlich schlich ich mich an ihm vorbei und verließ den Saal. Ich hatte keine Lust mit ihm zu reden. Es war aber klar, dass das bald bösen Ärger gab. Der alte Prof. sah das alles nicht so eng, denn meine Ergebnisse in den Prüfungen waren okay und somit ließ er mich in Ruhe. Nur ob der Anders mich so davon kommen ließ, da war ich mir nicht so sicher.


Am nächsten Tag ging ich ein bisschen früher zur Uni. Na gut, ein kleines bisschen. Ja, ja es war nur eine halbe Stunde. Aber doch immer hin. Ich hatte noch weniger Lust dorthin zu gehen, seit Dalton Anders mein Lehrer war. Ich wollte ihn einfach nicht sehen.
Einmal atmete ich noch tief durch und ging dann hinein. Oh mein Gott, was war nun wieder los? Alle sahen sehr angestrengt aus und brüteten über irgendwelchen Zetteln.
Prüfung?
Hatte ich etwas verpasst?
Warum hatte mir keiner was von einer Prüfung gesagt?
Mr. Anders sah mich strafend an, als ich an ihm vorbeiging, drückte mir aber die Zettel in die Hand. Gut ich hatte nicht mehr viel Zeit, aber als es klingelte, war ich doch tatsächlich fertig geworden. Gerade wollte ich aufspringen, als Dalton uns sagte, dass wir noch bleiben sollten. Oh nein, was denn nun wieder.
Er teilte uns mit, dass wir morgen einen Ausflug in die Filmstudios hatten, um zusehen, was noch vor uns liegt und was für Arbeit es doch bedeutete. Stöhnend saß ich da.
„Mrs. Winters stehen sie bitte auf.“
Was wollte er denn nun schon wieder von mir? Ich gehorchte und sah ihn fragend an.
„Was passt der Dame denn heute wieder nicht?“
„Das ist ja so früh. Muss ich mit?“
Dalton sah sehr ernst aus und schüttelte mit dem Kopf.
„Ich frage mich langsam, warum sie Schauspiel studieren, Mrs. Winters!“
Gleichgültig zuckte ich mit den Schultern. Ich wusste es ja selbst nicht und das ließ ich ihn auch wissen.
„Keine Ahnung. Hab nichts besseres gefunden. Wusste ja nicht, dass das alles so öde ist und nicht einmal Action. Und immer dieses frühe aufstehen.„
Um noch einen draufzusetzen, weil ich das Bedürfnis hatte, ihn zu ärgern, sagte ich noch zu ihm:
„Aber nun hab ich ja einen Grund. Ihr knackiger Po ist doch immer einen Anblick wert. Dafür komme ich dann doch ganz gerne auf Stippvisite vorbei!“
Dalton verließ den Saal und alle grölten. Die Lacher waren wieder mal auf meine Seite. Nur fühlte ich mich plötzlich nicht mehr so wohl. Irgendetwas tat in meinem Herzen weh. Mir wurde klar, ich habe ihn verletzt und es tat mir leid. Zugeben wollte ich es aber nicht und setzte mein schönstes Lächeln auf, als Dalton wieder hereinkam. Er brauchte eine Zigarette und musste sich ein wenig beruhigen. Erst viel später erfuhr ich, dass ich ihn in den Wahnsinn trieb.
Abrupt wurde es still, als Dalton zu mir sagte:
„Das wird noch ein Nachspiel haben. Es reicht mir jetzt!“
Daraufhin stand ich auf, ging zu ihm und sah ihm tief in die Augen:
„Was wollen sie tun? Mich von der Uni verweisen?“
„Das werden wir dann sehen!“
Seine Stimme wurde rauer und seine Pupillen tanzten nervös umher. Einer der Jungen feuerte mich noch und stachelte mich auf:
„Zeig es ihm Jenna! Du bist einfach klasse!“
Mir war das doch unangenehm und ich sagte nur im Hinausgehen:
„Machen sie doch, wenn sie sich dann besser fühlen!“
Dalton aber folgte mir vor die Tür und packte mich am Arm:
„Was haben sie eigentlich für ein Problem? Wenn sie keine Lust auf studieren haben, warum sind sie dann hier?“
„Das habe ich ihnen schon gesagt. Aber sie sind süß, wenn sie wütend werden.“
Er ließ resignierend meinem Arm los und ich ging ohne ein weiteres Wort. Die Aufruhr in mir sollte er nicht bemerken.


Am nächsten Morgen stand ich sehr früh auf und ging mit zu diesem Auftritt, auch wenn mich das gar nicht interessierte. Als ich Mr. Anders entdeckte, blieb mir die Spucke weg. Heute war er leger gekleidet. Jeans und ein weißes Hemd, was nur sehr weit offen stand. Dieser Anblick gefiel mir. Dalton aber ging an mir vorbei, so als existierte ich gar nicht. Damit ich auf mich aufmerksam machte, rief ich laut in die Runde:
„Alles was weiß ist, bitte ausziehen!“
Die anderen Mädels stimmten mit ein und unser werter Herr Lehrer war doch peinlich berührt und er fragte sich, womit er so eine Studentin verdient hatte.


In den Filmstudios angekommen, stellte Dalton uns unseren Führer vor und entschuldigte sich. Er konnte bei der Führung nicht dabei sein und verschwand. Meine Neugierde wurde gepackt und ich folgte ihm. Er verschwand in einem Wohnwagen und schloss die Tür hinter sich. Ein Baby weinte und Dalton konnte man hören, wie er versuchte das Baby zu beruhigen. Vorsichtig öffnete ich die Tür und sah einen völlig verzweifelten Vater, der seinen Sohn nicht beruhigen konnte. Als er mich bemerkte, rief er verzweifelt:
„Nicht schon wieder. Ich kann sie nun wirklich nicht auch noch hier gebrauchen!“ Währenddessen wiegte er Kevin auf dem Arm, der sich gar nicht beruhigte. Mein Herz wurde so warm, bei diesem Anblick. Ich wollte ihm einfach nur helfen.
„Schon gut, Mr. Anders. Ich bin ein braves Mädchen. Versprochen!“
Die Zweifel waren in seinem Gesicht geschrieben. Ohne zu fragen, nahm ich ihm Kevin ab und wiegte ihn in meinen Armen. Er war so süß. Ich wunderte mich, über mich selbst. Diese Seite kannte ich gar nicht an mir. Mein Instinkt sagte mir, dass der Kleine frische Windeln brauchte und ich fand sie sehr schnell, wickelte ihn und nahm ihn dann wieder hoch. Es dauerte keine Minute und Kevin schlief seelenruhig in meinem Arm. Dalton hatte mich die ganze Zeit beobachtet und flüsterte ganz leise:
„Danke!“
„Gern geschehen!“
Ich gab ihm seinen Sohn zurück und verließ den Wohnwagen. Dalton sah mir nach. Ich konnte seine Blicke im Rücken spüren. Etwas hatte sich verändert.

So zogen die Wochen ins Land und ich ging immer noch nicht regelmäßig zur Uni. Die Lust war mir vergangen und ich hatte mich verändert. Manchmal saß ich einfach nur auf der Fensterbank und sah hinaus, dachte über mein Leben nach. Wie ich mir meine Zukunft vorstellte. Und dann war da noch was. Jemand schlich sich immer wieder in meine Gedanken.

DALTON!


Heute war mal wieder ein Tag wo ich an der Uni war. Dieses Mal schlief ich nicht, aber ich bekam nichts mit. Ich war mit meinen Gedanken ganz weit fort und bemerkte nicht einmal, dass Mr. Anders vor mir stand. Dieser sagte nur sehr laut:
„Mrs. Winters bitte kommen sie nach dem Unterricht zu mir.“
„Ja!“, sagte ich tonlos.
Nervosität machte sich in mir breit. Was wollte er von mir? Ich hatte den Unterricht doch gar nicht gestört.
Die Minuten zogen sich wie Kaugummi hin und als es endlich klingelte, ging ich zu ihm.
„Was gibt es denn?“
„Ich habe eine Frage an dich, Jenna!“
Ohne es zu bemerken, hatte er mich geduzt. Ich mochte es. Es fühlte sich so vertraut an.
„Bist du sauer auf mich?“, fragte ich ein wenig schüchtern.
„Ja ein wenig schon, aber darum geht es jetzt nicht. Es geht um Kevin!“
Ich wurde blass und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich fing an mir Sorgen um den kleinen Kerl zu machen. Warum? Ich wusste es nicht.
„Geht es ihm gut?“
Ein Lächeln war in Daltons Gesicht zu erkennen. Er wusste, dass ich einen Narren an den Kleinen gefressen hatte.
„Nein er ist in Ordnung. Aber ich brauche Hilfe. Ich habe heute Abend einen wichtigen Termin und niemanden der auf ihn aufpasst.“
„Und du möchtest, dass ich das übernehme. Habe ich recht?“
„Ja, wenn es dir keine Umstände macht!“
„Na warum nicht. Wann und Wo?“
„Heute Abend um sieben Uhr bei mir.“
„Okay. Ich werde da sein.“
Dalton gab mir seine Adresse und dankte mir von ganzem Herzen. Als er meine Hand nahm, war es als durchfuhr mich ein Stromschlag. Wir sahen uns lange an. Zu lange und er riss sich von mir abrupt los und verließ den Saal. In mir tobte ein Sturm. Was war das nur? Was hatte das zu bedeuten?


Am Abend fuhr ich dann mit einem Taxi zu ihm und als ich das Haus betrat, kam Dalton mir schon mit Kevin auf dem Arm entgegen. Tausend mal bedankte er sich bei mir. Und….er sah gut aus. Er hatte einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd an. Das natürlich wieder einmal zu weit offen war. Ich fing an zulachen und er sah mich verwirrt an.
„Ist irgendetwas nicht Ordnung?“
„Doch, doch! Nur…..“
„Was nur?“
Er sah an sich herunter und ich prustete los.
„Alles was weiß ist, muss ausgezogen werden!“
„Jenna bitte. Über diese Spielchen sind wir wohl doch hinweg!“
„Schon gut. War ja nur ein Spass!“
Lächelnd verabschiedete er sich und ich war nun mit dem kleinen Schatz allein. Mit ihm auf dem Arm, machte ich eine kleine Erkundungstour durchs Haus. Es war gemütlich eingerichtet. Dalton hatte wirklich einen sehr guten Geschmack. Das Einzige was mich störte. Es war so ordentlich. Nicht einmal Spielzeug lag herum. Wie konnte man sich denn hier wohlfühlen?
Als ich die Tür von Daltons Schlafzimmer öffnete, traf mich der Schlag. Hier sah es wirklich aus, als wäre eine Bombe explodiert.
Aha, dachte ich es mir doch. Dalton war wie jeder andere Mann auch. Das war also das Wirkliche Ich von Dalton Anders. Anscheinend hatte er einen Hang zur Unordentlichkeit und ich musste zugeben. Ich mochte es.
Kevin war richtig müde und als ich ihn gefüttert hatte und in sein Bettchen legte, schlief er gleich ein. Die Stunden vergingen und mir fielen auch die Augen auf dem Sofa, neben dem Kinderbettchen, zu.
Ich hatte nicht bemerkt, das Dalton nach Hause kam und er mich in sein Bett legte. Ich spürte nur die Wärme der Kissen und kuschelte mich ein und schlief weiter, während Dalton auf dem Sofa schlief.


Am nächsten Morgen erwachte ich von dem wunderbaren Geruch von heißem Kaffee. Ich hatte mich noch gar nicht richtig hingesetzt, da ging die Tür auf und Dalton kam mit einem Tablett herein.
Noch nie in meinem Leben hatte jemand Frühstück für mich gemacht und irgendwie konnte ich die Tränen nicht zurückhalten. Es war einfach nur schön. Wir sahen uns nur an und ich brauchte ihm nichts zu sagen. Er wusste was in mir vorging. Dasselbe was in ihm vorging. Wir sprachen es nur nicht aus und das war auch gut so!
Nach einiger Zeit und ein paar Schluck Kaffee hörte ich ihn so liebevoll sagen.
„Danke, dass du dich um Kevin gekümmert hast!“
„Nichts zu danken. Kevin ist süß. Ein richtiger Sonnenschein!“
Verlegen kroch ich aus dem Bett und konnte ihm nicht in die Augen sehen. Ich hatte das Bedürfnis so schnell wie möglich von hier zu verschwinden.
„Ach Dalton, wenn du wieder Hilfe brauchst, sag einfach Bescheid. Also bis dann!“
Als ich den Türgriff in der Hand hatte, stand er schon hinter mir.
„Willst du nicht mit mir zur Uni fahren?“
Entsetzt sah ich ihn an.
„Spinnst du? Ich geh jetzt nach Hause und schlafe eine Runde. Ich denke heute Mittag bin ich dann auch da. Bye!“
„Jenna!“
„Nein, nein. Ich will das nicht hören. Ich gehe jetzt!“


Am späten Mittag tauchte ich dann an der Uni auf, und ich bekam einen strafenden Blick von Dalton, was mir ein Stich ins Herz gab. Ich fühlte mich schuldig und setzte mich mit gesenkten Kopf hin. Ich konnte ihm einfach nicht in die Augen sehen.
Es störte mich, dass er böse mit mir war. Warum nur? Nach dem Unterricht ging ich verwirrt heim. Ich verstand nicht was mich so aus der Bahn geworfen hatte und suchte nach Gründen, die ich nicht fand.

Wieder vergingen einige Wochen und ich passte mittlerweile regelmäßig auf Kevin auf. Es machte mir Spass und ich genoss auch die Gegenwart von Dalton. Wir waren gute Freunde geworden und redeten über alles. Über alles?


Aber als ein Thema aufkam, wurde mir anders.
„Jenna, bist du eigentlich in jemanden verliebt?“
Meine Augen mussten riesengroß gewesen sein. Alles hatte ich erwartet, nur nicht diese Frage. Ich hielt ihm einen Vortrag, was ich von Liebe halte und erklärte ihm meinen Standpunkt, endete mit den Worten:
„Liebe? Nein danke!“
Dalton sah mich sehr ernst an und seine Augen waren heute besonders dunkel.
„Jenna auch du brauchst Liebe. Jeder Mensch braucht Liebe. Ohne sie wirst du nie glücklich sein!“
„Ach quatsch. Dalton glaube mir, es geht wirklich auch ohne Liebe. Ich bin die ganze Zeit damit sehr gut gefahren und das wird auch so bleiben. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der mich liebt.“
Daltons Augen hatten plötzlich einen Schatten gefüllt mit Traurigkeit und ich wusste einfach nicht warum. Ich lenkte vom Thema ab. Ich wollte einfach nicht mehr darüber reden. Thema erledigt!

So verbrachten wir sehr viel Zeit. In der Uni war er mein Lehrer und in der Freizeit mein bester Freund. Es klappte sehr gut und niemand wusste davon.
Während der ganzen Zeit hatte Dalton es tatsächlich geschafft mir das Studium näher zu bringen und mein Interesse wurde von Tag zu Tag mehr geweckt. Dalton Anders wurde mein Mentor. Ein sehr guter. Der Beste!

Und ich ging neuerdings pünktlich zur Uni. Wenn ich in den Saal kam, zwinkerte Dalton mir lächelnd zu. Er war stolz auf mich. Der Ehrgeiz packte mich immer mehr und ich schloss meine Zwischenprüfung mit sehr gut ab, was viele Studenten doch in Staunen versetzte. Ich hatte es geschafft und am liebsten wäre ich Dalton um den Hals gefallen. Nur es ging nicht vor all den Studenten.

Ich holte es dann am Abend nach. Er öffnete seine Tür und ich fiel ihm ohne Vorwarnung um den Hals. Und er rief nur:
„Nicht so stürmisch, junge Dame!“
Schnell ließ ich ihn durch und strahlte ihn an:
„Danke, ohne dich hätte ich es nie geschafft!“
Mein ganzen Mut nahm ich zusammen und gab ihm ein Küsschen auf die Wange. Dabei spürte ich die Röte, die mir ins Gesicht schoss. Für eine Weile war es als existierten nur wir Beide, aber Kevin sorgte dafür, dass er der Mittelpunkt war. Er schrie ganz laut und ich lief an Dalton vorbei. Schnell nahm ich ihn hoch und wiegte ihn in den Schlaf. Dalton war mir gefolgt.
„Anscheinend kann er ohne dich auch nicht mehr einschlafen!“
„Wie meinst du das, Dalton?“
Er nahm mir Kevin ab und legte ihn zurück ins Bettchen und sah mich ernst an.
„Hey, wie meinst du das.“
Mit einem Schritt war er mir ganz Nahe und sah mir tief in die Augen.
„Warte ich zeige es dir!“
Was dann geschah, riss mir den Boden unter den Füßen weg. Seine Lippen waren so weich, als er mich küsste und ich ließ mich fallen. Es war so wunderschön und er hielt mich so fest in seinen Armen und als wir auf dem Boden sanken, konnte ich mir etwas nicht verkneifen.
„Wehe, du machst gleich das Licht aus!“
Dalton küsste mich nicht mehr und sah mich verdutzt an.
„Wie meinst du das?“
„Vergiss es!“
Erst jetzt verstand er was ich sagen wollte. Da gab es ein Gerücht und er grinste.
„Keine Sorge, dass Licht bleibt an!“ und er zwinkerte mir zu.
Danach gab es kein zurück mehr. Irgendwie verloren wir unseren Halt und ließen unseren Gefühlen freien Lauf. Unsere Herzen schlugen im Gleichklang und unsere Seelen vereinten sich und gemeinsam flogen wir in eine Welt, die uns Beiden nur allein gehörte.

Das Gefühl der Sicherheit, was er mir in diesem Moment gab, konnte ich einfach nicht beschreiben. Ich fühlte mich geliebt und das machte mir Angst. Während er irgendwann einschlief und mich so festhielt, als wollte er mich nie wieder los lassen, grübelte ich vor mich hin, kämpfte gegen diese unsagbaren Gefühle an.
Immer und immer wieder sagte ich mir:

„Ich brauch keine Liebe, ich brauch keine Liebe, ich brauch keine Liebe.“

Um dem ganzen doch noch entfliehen zu können, verließ ich still und heimlich bei Nacht und Nebel Daltons Haus. Die Angst war so groß, dass ich weinte. Dalton hatte alles kaputt gemacht. Warum hatte er mir nur gesagt, dass er mich liebte? Diese Drei Worte! Ich hasste sie!

Am nächsten Tag hatte ich nicht wirklich Lust zur Uni zu gehen und es war ein harter Kampf. Letzten Endes ging ich dann Mittags hin.
Vorsichtig öffnete ich die Tür und ging in den Saal.
Dalton blickte hoch und ich konnte seine Enttäuschung erkennen.
Ich setzte mich auf meinen Platz, doch vom Unterricht bekam ich nichts mit.
Als ich ihn anblickte, flimmerte die letzte Nacht vor meinen Augen.
Der Unterricht war zu Ende und Dalton hinderte mich am Gehen.
Die Klasse war leer und ich sah ihn nicht einmal an.
„Jenna warum bist du gegangen?“
Mein Fuß scharrte auf dem Boden und ich fixierte einen Punkt an der Wand.
Ich wollte Dalton einfach nicht ansehen und auch nicht Rede und Antwort stehen.
„Jenna was ist los?“
„Nichts was soll denn schon sein.“
„He Süße, ich liebe dich.“
Meine Augen weiteten sich wieder bei diesen drei Worten.
„Dalton kannst du dich noch an unser Gespräch erinnern. Liebe? Nein danke!! Ich liebe dich nicht. Es war eine schöne Nacht und mehr nicht.“
Man konnte Daltons Herz zerspringen hören.
Ich hatte es ihm in diesem Moment gebrochen und es tat mir sehr weh.
Dalton nahm seine Tasche und ging ohne mich noch einmal an zusehen.
Allein stand ich nun auf weiter Flur und verstand das alles nicht.
Warum hatte er denn mit dem Wort Liebe angefangen?
Es ging doch auch so. Wie sollte es denn jetzt weiter gehen?
Waren wir trotzdem noch Freunde?
Schnell lief ich ihm nach und erreichte ihn noch rechtzeitig an seinem Auto.
„Dalton warte bitte.“
Er hatte allerdings schon die Wagentür aufgemacht und wollte sich reinsetzen. Mit der Hand hielt ich ihm aber am Arm fest.
„Dalton bitte.“
„Was bitte? Du hast doch eben alles gesagt. Für dich war anscheinend alles nur ein Spiel.“
„Dalton, bist du böse?“
„Nein böse nicht. Einfach nur enttäuscht. Ich habe mich in dir geirrt. Für mich warst du immer etwas Besonderes. Und was machst du? Spielst einfach mit meinen Gefühlen.“
„Ich habe nicht mit deinen Gefühlen gespielt, bitte Dalton. Lass uns doch Freunde bleiben.“
Dalton sah mich traurig an.
„Das kann ich nicht. Es tut mir leid. Wenn du zu mir sagst, dass du keine Liebe brauchst, kann ich dir keine Freundschaft geben. Denn Freundschaft ist in meinen Augen auch Liebe. Dir ist das anscheinend gar nicht bewusst. Liebe ist nun mal auch Freundschaft. Und so lange du dich gegen die Liebe sträubst, wirst du keine Freunde haben. Jenna du hast mich sehr verletzt. Natürlich werde ich dich weiter lieben, dass steht außer Frage. Ich werde dich immer lieben. Aber so geht es nicht weiter. Machs gut. Und vergiss bitte niemals: Ohne Liebe gehst du eines Tages unter, denn du brauchst die Liebe genauso wie die Luft zum Atmen.“
Dalton stieg in den Wagen und startete ihn.
Ich sah ihm noch nach, als er das Auto vom Parkplatz lenkte.
Seine Worte stimmten mich nachdenklich.
Nur meine Sturheit war größer.
Also raffte ich mich auf und holte mir mein altes Leben zurück.
Wieder ging ich raus und war auf jeder Party zu finden. Auch zur Uni ging ich kaum noch. Oft schwänzte ich auch und wenn ich mal da war, sahen wir uns zwar an, doch mehr war da nicht. Weil niemand von uns wusste, bemerkte es niemand. Es war ein sehr gespanntes Verhältnis zwischen uns. Meine Leistungen sanken immer mehr in den Keller.
Eines Tages nach Schulschluss wartete Dalton draußen auf mich.
Ich ging zu ihm und zwang mich zu lächeln.
„Hallo Dalton. Wie geht es Kevin?“
„Es geht ihm gut.“
„Dann gib ihm ein Küsschen.“
Als ich gehen wollte, griff er nach meiner Hand und fragte:
„Jenna was ist los? Du hast dich verändert?“
„Mit mir ist alles bestens.“
„Ja das sehe ich an deinen Leistungen.“
„Ah, da spricht also der Lehrer mit mir.“
„Nein ich rede mit dir. Dalton.“
Ich riss mich einfach nur los und ging an ihm vorbei. Es hatte keinen Sinn. Als ich zu Hause ankam, warf ich ein paar Klamotten in einen Koffer und verließ die Stadt. Ich ging zu meinen Verwandten nach Deutschland. Ich redete mit meiner Tante, warum, wieso, weshalb. Ich verschwieg ihr auch nicht das Dalton mich liebte und ich diese Liebe nicht brauchte. Kopfschüttelnd ließ sie mich allein.
Sie verstand mich auch nicht, doch sie wollte mich erst einmal zur Ruhe kommen lassen.

Monate vergingen und ich hatte Dalton immer noch nicht vergessen. Ganz im Gegenteil. Ich vermisste ihn so sehr, dass ich mich jede Nacht in den Schlaf weinte.

Meine Tante und mein Onkel fragten mich, ob ich mit ihnen zum See fahre und ich sagte zu. Irgendwie musste ich diesen Mann doch aus meinen Gedanken verbannen und mich von ihm lösen. Ich zog mein weißes Sommerkleid an, aber unweigerlich musste ich wieder an ihn denken und wurde traurig.
Die Zeit verging sehr schnell und es wurde schon wieder dunkel und meine Leute wollten nach Hause. Nur ich nicht. Am liebsten wäre ich für immer hier geblieben. Diese Stille beruhigte mich. Sie ließen mich allein zurück und ich blickte in den Nachthimmel. So viele Sterne tanzten am Firmament. Es war schön anzusehen, aber es wäre schöner gewesen, wenn Dalton bei mir gewesen wäre. Tränen liefen über meine Wangen und ich konnte sie einfach nicht mehr aufhalten.
Jetzt war mir endlich klar geworden, dass auch ich nicht ohne Liebe leben konnte. Die Leere in meinem Herzen war so unerträglich und ich sehnte mich danach, dass Dalton mich in seinen starken Armen hielt, mich beschützte und liebte. Aber er war nicht da.
Er hatte wirklich recht, ohne Liebe konnte man nicht glücklich sein und ich seufzte.
Von Ferne hörte ich plötzlich jemanden sagen:
„Alles was weiß ist, muss ausgezogen werden.“
Schnell stand ich auf und suchte in der Dunkelheit. Konnte ihn nirgends sehen und verzweifelte. Hatte ich das geträumt?
„Dalton wo bist du? Lass mich nicht allein! Komm zurück!“
Keine Antwort und ich wurde nervös. Wo war er und endlich erspähte ich ihn. Er kam näher und ich musste lächeln. Seine Augen waren so wunderschön und ich konnte die Liebe zu mir in ihnen sehen und ich fühlte, das sein Herz und mein Herz sich wieder zusammentaten. Ganz ernst sah er mich an und war nur ein paar Schritte von mir entfernt, als er mich fragte:
„Brauchst du die Liebe wirklich nicht?“
Nun kullerten meine Tränen herunter und schluchzend, sagte ich:
„Ich brauch nur die Liebe von dir!“
Schon lag ich in seinen Armen und er hielt mich ganz fest.
„Ich liebe dich so sehr Jenna! Ich habe versucht dich zu vergessen, aber es ging einfach nicht.“
„Dalton ich liebe dich auch. Bitte lass mich nie mehr los.“
„Nein ich lass dich nie mehr los!“
Gemeinsam weinten wir. Kevin tapste auf mich zu und streckte mir seine kleinen Ärmchen entgegen. Er konnte laufen und das war so niedlich. Ich ließ Dalton los und kniete mich herunter, um ihn in meine Arme zu schließen. Plötzlich plapperte er los:
„Mama!“
Fragend und zugleich verwirrt sah ich Dalton an.
„Dalton, ich versteh das nicht. Ich bin doch gar nicht seine Mama.“
„Wenn du meine Frau werden willst, dann schon.“
Irritiert sah ich umher und plötzlich waren auch meine Leute alle da.
Was war hier los? Schien als hätte ich wieder was verpasst! Dalton kniete sich vor mir nieder und nahm meine Hände in seine.
„Meine liebste Jenna. Da du nun endlich begriffen hast, das auch du die Liebe brauchst, und wir endlich wieder vereint sind, möchte ich dich bitten, meine Frau zu werden. Willst du mich heiraten?“
Weinend sagte ich:
„Ja das will ich.“
Dalton stand auf und drückte mich, wir küssten uns und alle jubelten uns zu.

Drei Tage später heirateten wir schon.
Dalton setzte es durch, dass ich noch meinen Abschluss an der Uni nachholen konnte. Meine Prüfungen schloss ich sogar mit Auszeichnung ab. Na ja bei dem Lehrer auch kein Wunder.
Doch Schauspielerin wurde ich nie.

Nein, ich schenkte Dalton, zwei Jahre nach unser Hochzeit Zwillinge.
Wir waren wirklich sehr glücklich und vor allem eine große Familie.
In unserem Haus gab es soviel Liebe, dass sie für zehn Leben ausreichte.
Und nur durch Dalton begriff ich, dass auch ich die Liebe brauchte.
Dafür war ich ihn sehr dankbar.
Diese Liebe gab ich ihm dreifach, wenn nicht noch mehr, zurück.

Und ich wollte, alle würden es wissen, dass man ohne Liebe nicht leben konnte.
Denn die Liebe braucht man. Liebe schenken ist etwas sehr schönes und auch geliebt zu werden und jeder Mensch hat diese Liebe verdient.


© Maya

Patience!

Geduld! Das Wort, was in vielen von uns ein Unbehagen auslöst. Aber es ist ein Teil unseres Lebens. Ein wichtiger Teil. In vielen Dingen im Leben brauchen wir Geduld um ans Ziel zu kommen. Wenn wir keine Geduld aufbringen, könnten wir vieles nicht erreichen und würden sehr viel verlieren.

Ich bin eine von denen, die dieses Wort überhaupt nicht mochte. Ich glaube, ich bin die ungeduldigste Person auf der ganzen Welt gewesen. Und wenn ich dieses Wort in der Vergangenheit hörte, bekam ich eine Gänsehaut, rollte mit den Augen, seufzte und manchmal wurde ich auch wütend. Ich hasste es Geduld zu haben. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Ich habe gelernt, Geduld aufzubringen und ich bekam damit das größte Geschenk. Meinen Ehemann!

Der Wecker klingelte und ich öffnete meine Augen vorsichtig, aber als ich zum Fenster sah, grummelte ich, schloss die Augen wieder und kuschelte mich an meinen Mann. Er schlief noch tief und fest und ich hörte seinen gleichmäßigen Atem. Ich liebte es ihn zu betrachten, wenn er schlief. Sein dunkles Haar war durcheinander gewuschelt und einzelne Strähnen fielen ihm ins Gesicht. Jeden Tag dankte ich Gott, dass er der Mann an meiner Seite war. Ich liebte ihn so sehr und er liebte mich. Aber ich muss zugeben, es hätte alles auch ganz anders kommen können. Denn wenn ich keine Geduld gehabt hätte, wären wir jetzt nicht verheiratet und wir würden nicht unsere kleine Tochter bekommen, die in einigen Wochen das Licht der Welt erblicken sollte.
Nur durch meine Geduld, war ich im Land meiner Träume und Sehnsüchte angekommen und ich bereue nicht einen Tag des Wartens, denn jetzt weiß ich, dass es sich gelohnt hat.

Meine Gedanken schweiften in die Ferne. Sehr weit. In die Zeit, als ich ein Teenager war.

Heute war ich 14 geworden. Wow, nun war ich erwachsen und endlich konnte ich machen was ich wollte. Das dachte ich zumindest. Ich wollte wie die anderen, ich sag mal wie die “Großen” zur Disko gehen, Party machen, lange draußen bleiben. Einfach auf den Putz hauen. Natürlich dachte ich dass alles nur, denn ratet mal wer mir da einen Strich durch die Rechnung machte. Ja genau, meine geliebten Eltern.

Wir saßen am Frühstückstisch und ich kaute auf meinem Brot herum. Leicht grinsend beugte ich mich zum meinem Papa.
“Papa, jetzt wo ich 14 bin, kann ich da bis um 21:00 Uhr draußen bleiben?”
Er sah mich sehr ernst an und runzelte mit der Stirn.
“Vergiss es. Du bist um 19:00 Uhr zu hause!”
Toll, ich war beleidigt und lehnte mich an. Das Essen war mir vergangen.
Mein Vater sah es, nahm seine Brille ab. Oh nein, nicht schon wieder. Natürlich wusste ich was jetzt wieder von ihm kam.
“Mein liebes Töchterchen, du brauchst gar nicht maulen.”
Ich wollte gerade ansetzen, um ihn eine zickige Antwort zugeben, aber schluckte es herunter, denn sein Blick sprach Bände.
Als wir mit dem Essen fertig waren, half ich meiner Mutter beim Abräumen und grummelte. Es hatte sich nichts geändert, obwohl ich doch jetzt erwachsen war. Auch mein Vater stand auf und kurz bevor er die Küche verließ, sagte er zu mir ganz trocken.
“Hab noch ein paar Jahre Geduld!”
Das war´s ja wieder.
Geduld!
10 Jahre Geduld um den Schulabschluss zu haben.
2 Jahre Geduld um eine Ausbildung zu beenden, noch 4 Jahre Geduld bis ich den Führerschein machen durfte.
Da war ich ja vorher gestorben. Das ging doch nicht. Ich war beleidigt. Das war mir alles zu doof und ich sagte nur zickig zu meiner Mutter:
“Die anderen dürfen länger draußen bleiben.”
Meine Mutter natürlich auf meines Vaters Seite.
“Es interessiert uns nicht, was die anderen dürfen. Du bist unsere Tochter und….”
“Ja, ja..und so lange ich die Füße unter eurem Tisch habe, muss ich machen was ihr sagt. Gut, dann zieh ich eben mit 18 aus und dann aber…”
“Was dann?”
“Nüx!”
Schnell begab ich mich auf die Flucht. Ich hatte mich gerade in das Kampfgebiet meiner Mutter begeben und ich wusste, dass ich mit Pauken und Trompeten untergehen würde.


So war das nun jeden Tag und ich machte mittlerweile schon Kreuze auf dem Kalender. Ich wollte endlich 18 sein.
Ich arbeitete also einen neuen Plan aus, wie ich meine Eltern doch noch überzeugen konnte. Ich war immer so lieb und machte was sie wollten, bis eines Tages mein Papa mich fragte:
“Sag mal, Töchterchen, du willst doch irgendwas von uns?”
“Nein, nein, wie kommst du denn darauf?”
“Weil ich dich kenne! Also raus mit der Sprache!”
Ich traute mich nicht, denn mein Paps war nicht in guter Stimmung, also entschied ich mich doch lieber erstmal meine Mutter zu fragen.
Gedacht, getan.
“Mutti?”
Sie war gerade beim Wäsche waschen. Oh, gutes Timing, dachte ich noch, denn so war sie abgelenkt.
“Kann ich heute Abend zur Disko gehen?”
“Frag deinen Vater!”
Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Wieder dieses Spiel und echt das war wirklich Geduld, denn das kannte ich schon, wie meine eigene Westentasche, dass konnte eine Stunde gehen, denn mein Vater, sagte dann….na, na, wisst ihr es? Ja genau.
“Frag deine Mutter.”
Okay, was tat man nicht alles wenn man etwas wollte. Ich also hin und her. Mein Vater war im Stall und versorgte unsere Haustiere, meine Mutter oben in der Wohnung war am Wäsche waschen. Ich kann euch sagen, dass dauerte tatsächlich über eine Stunde. Ich immer hin und her und da sollte mal einer sagen ich habe keine Geduld. Gut endlich war es soweit, mein Vater sah mich, setzte an und ja, ich war mir sicher, weil ich ihm schon auf die Nerven ging, dass er ja sagte, da hörte ich einen LKW auf unseren Hof fahren.
Ach du schei….Wir bekamen Kohlen. Und glaubt mir, dass war so ein Berg. Mein Vater sah mich an.
“Gut du kannst gehen.”
Ich ließ einen Jubelschrei raus, der aber sofort erstickte, als er sagte:
“Wenn die Kohlen im Schuppen sind!”
Gott, wie ich das hasste. Da tobe ich eine Stunde hin und her, bringe Geduld auf, darf endlich gehen und dann das. Wenn wir mit den Kohlen fertig waren, war es Nacht. Mit hängenden Schultern machte ich mich an die Arbeit. Zwei Stunden war die ganze Familie dabei. Ich jaulte furchtbar. Meine Hände taten weh, ich war so schmutzig.
“Papa, kann ich gehen?”
“Nein!”
“Papa…aber das dauert doch noch so lange!”
“Kind, du musst Geduld haben.”
“Ich hab aber keine Geduld mehr. Das ist doof!”
Mein Vater legte die Kohlenschaufel hin, sah mich sehr ernst an und hielt mir einen Vortrag.
“Mein Schatz, jetzt hör mir mal genau zu. Nur mit Geduld kommst du an dein Ziel.”
Ich unterbrach ihn und sagte frech:
“Nö, schnell muss gehen, Spass muss machen!”
“Hör mir zu. Ich meine es sehr ernst. Wenn du keine Geduld hast, zerstörst vielleicht etwas, was wunderschön werden kann. Wenn du alles übers Knie brichst, kann es nach hinten los gehen und du verlierst.”
Schulter zuckend arbeitete ich weiter. Ich wollte das alles nicht hören und mein Vater schüttelte mit dem Kopf und irgendwie grinste er auch. Ich war ein Hitzkopf und ähnelte ihm sehr. Er war genauso wie ich, als er jung war.


Endlich waren wir fertig und mein Vater erlaubte mir endlich zu gehen. Und was denkt ihr was passierte? Während meine Freunde Spass hatten, saß ich in der Ecke auf dem Stuhl und schlief. Das war mein erstes Erlebnis, wo ich wirklich Geduld aufbrachte. Na toll und was hatte mein alter Herr gesagt, es könnte wunderschön werden? Gut wenn man im Schlaf schön wird, dann hat das noch nicht mal bei mir geklappt.

4 Jahre lang ging das so weiter und endlich war ich 18. Den Führerschein hatte ich in der Tasche und einen Job hatte ich auch. Was ich immer noch nicht hatte war Geduld. Immer noch entschied ich spontan. Wenn ich mal länger frei hatte, fuhr ich einfach weg und genoss die Zeit. Dann aber folgten Jahre, der Traurigkeit des Kummers. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt und ohne darüber nach zudenken, hatte ich sie auch. Aber es war nicht so wie mein Vater gesagt hatte, ich hatte trotzdem verloren. Ich verlor immer wieder, trotz Geduld, also entschied ich, dass Geduld auch nichts brachte.

Ich hatte Freunde, die es jahrelang versuchten, mir beizubringen, was Geduld wirklich bedeutete und einer von ihnen sagte immer, du brauchst wirklich jemanden, der dir Geduld bei bringt! Ich drehte dann immer mit den Augen und war mir sicher, dass ich das niemals lernen würde.

Aber dann geschah etwas, womit ich niemals gerechnet hatte. Ein Mann trat in mein Leben. Ich war verloren, liebte ihn so sehr. Ich fing an Geduld zu haben, ohne es wirklich zu registrieren. An manchen Tagen war es nicht einfach, aber ich überlebte es. Ich bekam alles, was ich mir wünschte und er machte mich zur glücklichsten Frau auf der ganzen Welt. Er war der Mann, der mir bei brachte, was Geduld wirklich bedeutete!

Nun waren wir schon zwei Jahre verheiratet. Glücklich! Und unsere kleine Tochter war nun auch bald da. Ja und geduldig muss ich immer noch sein, weil er seine Socken immer noch in der Gegend verteilt. Seine Hosen auf dem Flur liegen lässt und seine Schuhe stehen lässt, dort wo er sie auszieht. Wo er geht und steht, lässt er etwas fallen, aber all das stört mich nicht mehr. Die Geduld ist da und wisst ihr warum? Weil ich ihn liebe!

Ich möchte euch keinen Rat geben, aber glaubt mir, ihr kommt wirklich mit Geduld ans Ziel und nicht mit Eile. Wenn ich damals nicht die Geduld aufgebracht hätte, wer weiß, was dann geschehen wäre. Vielleicht wäre ich jetzt allein und unglücklich. Geduld ist wirklich das Geheimnis, was uns zum Erfolg führt, egal in welchen Bereichen des Lebens. Ich habe es gelernt und ich bin dankbar dafür.

© Maya

Take my Hand!

Die Nacht: Dunkelheit, Angst, Gefängnis, Alptraum!

So sehen einige unter uns die Nacht und für sie ist es ein einziger Kampf, die Nacht zu überstehen!
Aber die Nacht, die Dunkelheit ist ein Bestandteil unseres Lebens. Für die Einen ist es einfach nur der Ausklang des Tages, der in die Nacht übergeht und für Erholung sorgt.
Für andere jedoch hat Dunkelheit eine ganze andere Bedeutung. Während die meisten von uns die Nacht nutzen um Kraft für den nächsten Tag zu tanken, sind Menschen unter uns, für die die Dunkelheit, Angst bedeutete. Für sie ist die Nacht die Hölle. Sofern sie ihre Augen schließen, fühlen sie sich unwohl und versuchen der Dunkelheit zu entfliehen. Für sie ist nicht nur die Nacht Dunkelheit. Sie tragen diese Dunkelheit auch am Tage mit sich herum. Sie schleicht sich immer mehr in ihr Herz und Seele und so nach und nach zerbrechen sie daran. Aber so lange sie der Dunkelheit mehr Kraft geben und nicht gegen ankämpfen, können sie nicht den Weg ins Licht gehen. Das Licht, welches auf sie wartet um sie zurück ins Leben zuschicken. Es bedarf nur einiger Schritte um ins Leben zurück zukehren und es in vollen Zügen zu genießen. Aber diese Schritte bedeuten viel Kraft und oft haben diese Menschen, diese nicht mehr oder die Angst ist einfach zu groß.

Eine von diesen Menschen, war Phoebe. Auch sie hatte Angst. Angst vor dem Kampf gegen die Dunkelheit, Angst davor, die Augen zu schließen. Angst, den Menschen zu vertrauen, die sie liebten. Angst davor, einfach nur die Hand aus zustrecken und mit ihnen gemeinsam ins Licht zu gehen. Doch eines Tages kam ein Wendepunkt in ihrem Leben und alles änderte sich und das ist ihre Geschichte.

Phoebe stand am Fenster und sah hinaus. Es war dunkel und nicht ein Stern war am Himmel zu sehen. Seufzend drehte sie sich um und betrachtete ihren Mann im Bett, der friedlich schlief und anscheinend einen wunderschönen Traum hatte, denn er seufzte wohlig auf. Seine gleichmäßigen Atemzüge beruhigten sie und das zauberte ihr ein süßes Lächeln auf die Lippen. Sie liebte ihn so sehr. Was würde sie nur ohne ihn tun? Wenn er nicht wäre, hätte sie sich schon lange aufgegeben. Sie ging mit ihren Gedanken an den Tag zurück, als sie ihn kennenlernte.


Phoebe hatte eine eigene Werbeagentur und war in einem großen Meeting. Glenn war einer ihrer Geschäftspartner und immer wenn sich ihre Blicke trafen, senkte sie verlegen den Blick. Es war ein neues, aber schönes Gefühl. Lange kannte sie Glenn noch nicht, aber ihr Herz hatte ihr gesagt, dass er der Mann war, der ihr Leben retten würde. Nach dem Meeting fasste Glenn sich ein Herz und bat Phoebe, mit ihm Essen zu gehen. Sie willigte ein und am Abend saßen sie in einem Restaurant und unterhielten sich angeregt. Phoebe fühlte sich wohl. Das erste Mal fühlte sie nicht die Angst, die in ihr brodelte. Dieses Gefühl von Sicherheit gab ihr Vertrauen.
Von diesem Tag an trafen sie sich regelmäßig und schon nach drei Monaten bat Glenn, Phoebe ihn zu heiraten. Mit Tränen in den Augen fiel sie ihm um den Hals. Aber die Freude wurde getrübt, als sie anfingen die Einladungen zu verschicken. Phoebe hatte keine Familie mehr. Glenn tröstete sie und es ging ihr wieder besser. Eines Abends saßen sie zusammen auf dem Sofa und er sah ihr tief in die Augen.
„Welches Geheimnis verbirgst du, mein Schatz?“
Erschrocken zuckte Phoebe zusammen. Wie konnte er das wissen?
„Ich habe kein Geheimnis!“, antwortete sie schnell. Zu schnell und Glenn sah sie eindringlich an.
„Phoebe!“
Mit aller Macht versuchte sie sich in den Griff zu bekommen, küsste ihn und lenkte ihn von seiner Frage ab. So behielt sie es bei. Jedes Mal wenn er versuchte, dieses Geheimnis zu lüften. Glenn wusste es, aber er beließ es dabei, hoffte das sie ihm eines Tages erzählte, was ihr so sehr auf der Seele brannte, dass ihre Augen immer einen leichten Schleier von Trauer und Angst hatten.

Die Hochzeit war wunderschön und Glenn trug sie auf Händen. Sie war seine Prinzessin und sie hatte ihr zuhause gefunden. Phoebe kam zurück in die Gegenwart und sah aus dem Fenster und flüsterte leise:
„Zuhause!“
Eine Träne kullerte über ihre Wange. Ihr Zuhause aus Kindertagen, war ein Ort des Grauens. Ein Ort der Dunkelheit. Und als sie alt genug war, ging sie weit fort. Nie wieder war sie dort, hatte ihre Eltern nie wieder gesehen. Sie lebten nun schon lange nicht mehr. Es gab nur noch eine lebende Verwandte und diese lebte noch in Phoebe´s Elternhaus. Was Phoebe einst nicht geahnt hatte. Die Dunkelheit, die dort war, hatte sie mit sich genommen. Tief in in ihr, in ihrer Seele, war sie begraben und drohte nun wieder auszubrechen. Bis zum heutigen Tage hatte sie niemanden davon erzählt.

Lange hatte sie es nun verdrängt, aber kurz nach der Hochzeit, startete dieser Alptraum wieder. Sie konnte sich nicht erklären, warum es zurück gekommen war. Und nun war es so, dass jede Nacht wieder ein und derselbe Traum zurück kam.

Glenn wurde wach und suchte nach Phoebe. Sie war wieder nicht im Bett und er knipste das Licht an. Sie kniff die Augen zusammen und hörte ihn sagen:
„Phoebe, du schläfst noch nicht?“
„Ich war nicht müde, Schatz!“
Bis jetzt hatte Glenn nichts gesagt, aber er wusste, dass es jede Nacht so war, dass sie nicht mehr schlief.
Da musste sich etwas ändern und das schnellstens.
„Komm ins Bett!“
Ohne Widerworte krabbelte sie zu ihm ins Bett und er nahm sie ganz fest in seine Arme, hauchte ihr ein Küsschen auf.
„Jetzt wird aber geschlafen!“
Traurig nickte sie und kuschelte sich in seine starken Arme und nach einigen Minuten fiel sie in einen unruhigen Schlaf. Sie hörte von Ferne immer ihren Namen. Es schien als rief sie jemand. Glenn war die ganze Zeit wach und beobachtete sie. Ihre Augen unter den Lidern bewegten sich fahrig und der Schweiß auf ihrer Stirn glänzte. Ihr Körper zitterte und er konnte ihre Angst spüren. Was war nur los mit Phoebe? Er hatte Angst und machte sich große Sorgen um sie.

Als der Wecker früh klingelte, zuckte Glenn zusammen. Er war wohl doch eingeschlafen. Phoebe war schon lange aufgestanden und werkelte in der Küche. Er schlurfte zu ihr und küsste sie.
„Guten Morgen mein Schatz!“
„Guten Morgen, Glenn!“
Er hob seinen Finger und strich leicht unter ihren Augen entlang.
„Schatz, was ist los!“
„Nichts, alles in Ordnung!“
„Phoebe?“
„Glenn, es ist alles in Ordnung!“
„Ich glaube dir nicht mehr. Du erzählst mir das schon seit Wochen. Glaubst du wirklich ich bin so dumm? Du schläfst nicht mehr und wenn dann hast du Angst. Den ganzen Tag bist du gut drauf, aber sofern es Dunkel wird, bist du wie ausgewechselt. Wirst ruhig und ich kann deine Angst mehr und mehr fühlen. Was ist los?“
„Verdammt noch mal, Glenn, es ist alles in Ordnung. Hör endlich auf.“
„Nein!“
„Okay. Dann beende ich das hier jetzt!“
Sie griff nach ihrer Aktentasche und verschwand durch die Tür. Im Auto legte sie ihre Hände vors Gesicht und atmete heftig. Nur mit Mühe und Not konnte sie ihre Tränen zurück halten. Nach einigen Minuten startete sie den Wagen und fuhr in die Agentur, lenkte sich dort ab und arbeitete ohne eine Pause zu machen. Nur um nicht einmal an das Gespräch mit Glenn zu denken. Es tat ihr leid. Sie wusste, dass sie ihn mit ihrer Reaktion und Abweisung verletzte. Jedoch konnte sie einfach nicht über ihren Schatten springen und ihm die Wahrheit sagen. Die Angst, ihn dann zu verlieren, war einfach zu groß.

Glenn hingegen rief die beste Freundin von Phoebe an und bat um ein Treffen. Diese willigte ein und schon nach einer Stunde saßen sie in einem Cafe und unterhielten sich ernsthaft. Auch Julia hatte die Veränderung an Phoebe bemerkt und sorgte sich um sie.
Auch sie hatte schon eine Weile versucht heraus zubekommen, was mit ihrer Freundin ist. Aber es war als hätte Phoebe sich hinter einer großen Wand verschanzt und hatte einfach nicht den Mut, hervor zukommen. Sie hatte Angst, aber wo vor? Die beiden redeten und redeten und beschlossen das es an der Zeit war, dass Phoebe zurück ins Leben kehrte. Aber es war leichter gesagt als getan und sie bemerkten es schnell.

Mittlerweile waren schon wieder zwei Wochen vergangen. Phoebe hatte sich immer weiter zurück gezogen, aber wenn man sie darauf ansprach, sagte sie immer nur:
„Mache ich doch gar nicht. Ihr spinnt doch. Es ist alles in Ordnung!“
Natürlich wusste sie, dass es nicht so war und es tat ihr auch leid, dass sie sich so benahm, aber wie sollte sie den Beiden das denn erklären?
Wie? Fest davon überzeugt, dass ihr keiner helfen konnte, fiel sie immer tiefer. Verlor den Halt immer mehr und es verging kein Tag an dem sie nicht gefangen in der Zeit war, als das Grauen über sie kam!

Es war mitten in der Nacht und Phoebe träumte. Sie schrie und rief nach Hilfe, bat um Vergebung und als Glenn sie wach machte, weinte sie die bitterlichsten Tränen.

Einige Worte, während sie träumte, kamen über ihre Lippen:
„Mein Bruder….ich bin schuld….ich allein…sie hassen mich….“

Glenn konnte sich keinen Reim darauf machen. Phoebe lag wie ein kleines Mädchen in seinen Armen und flehte um Hilfe.

„Glenn hilf mir, bitte! Ich kann nicht mehr! Ich will das nicht mehr! Hilf mir doch!“

Die Verzweiflung war Phoebe ins Gesicht geschrieben und jedes Wort, welches über ihre Lippen kam, zerriss sein Herz in tausend Einzelteile. Es musste etwas geschehen. Seine Phoebe zerbrach an etwas und er musste es verhindern. Nach einer Weile konnte er sie beruhigen und sie schlief wieder ein. Leise stand er auf und setzte sich in den Stuhl am Fenster und beobachtete sie, hoffte das nun die Dämme gebrochen waren und er ihr endlich helfen konnte. Zumindest das sie die Hand nach ihm ausstreckte und ihm so sehr vertraute, dass sie ihm alles erzählte. Doch weit gefehlt. Am nächsten Morgen war alles wie immer und eigentlich war Phoebe noch sturer geworden. Doch dieses Mal wollte Glenn nicht nachgeben. Noch immer fühlte er ihre Verzweiflung und er kämpfte gegen die Tränen, die in ihm erwachten an. Nun musste er stark sein.

„Phoebe rede endlich und wenn nicht mit mir dann mit Julia!“
„Da gibt es nichts zu reden!“
„Oh doch.“, seine Stimme war scharf und Phoebe zuckte leicht zusammen. Noch nie hatte er so mit ihr geredet und sie wusste, wenn sie nicht schnell ging, dann hatte sie keine Chance ihm und seinen Fragen zu entfliehen. Hastig griff sie nach ihrer Tasche und verließ fluchtartig das Haus.
Einige Minuten überlegte er, wie er sie aus der Reserve locken konnte, aber ihm fiel nichts ein. Die Einzige, die ihm jetzt noch helfen konnte, war vielleicht Julia. Er rief sie an und erzählte ihr alles. Julia versprach Glenn sie anzurufen und mit ihr zu reden. Nachdem sie das Gespräch beendeten, wählte Julia die Nummer ihrer Freundin. Es dauerte ein wenig, aber dann nahm Phoebe das Gespräch an und Julia plapperte los, als wüsste sie von nichts.

„Hey Phoebe, was geht ab?“
„Alles bestens!“
Sofort hörte auch Julia das ihre Freundin nicht okay war.
„Erzähl mir nichts. Was ist passiert?“
„Ach nichts weiter. Ich hatte nur so einen blöden Traum und Glenn macht ein Drama daraus!“
„Warum?“
„Was weiß denn ich.“
„War der Traum so böse?“
„War okay. Kann passieren. Aber lass uns über was anderes reden!“
„Nein tun wir jetzt nicht. Man Phoebe ich bin doch nicht blöd. Ich kenne dich so lange. Willst mir nicht endlich sagen, was los ist? Ich will dir helfen!“
„Niemand, kann mir helfen!“, flüsterte Phoebe leise, aber Julia hatte es gehört.
„Doch Schatz. Die, die dir helfen kann bist du selbst. Spring über deinen Schatten und rede! Das ist der erste Schritt.“
„Ja, ja, ihr habt alle gut reden!“
„Versuche es einfach und du wirst sehen, du wirst dich besser fühlen!“
„Wenn du das glaubst?“
Das Gespräch brachte gar nichts. Die Mauer war so groß und dabei war es eigentlich so einfach. Wenn Phoebe nur einmal anfing zu reden und sich Glenn und Julia anvertraute, sich fallen ließ und kämpfte, dann wäre dieser Albtraum bald vorbei. Aber Phoebe wollte oder konnte es einfach nicht. Die Angst war einfach zu groß, alles noch einmal zu erleben.

Was sie vergaß, Reden war das Geheimnis! Wenn man über Dinge redete, die einen belasteten, dann verschwanden sie wieder. Vergräbt man sie tief in sich, dann holen sie einen immer wieder ein. Doch auch diese Lektion sollte Phoebe bald lernen!

Wieder vergingen Tage und Phoebe hatte kaum noch Kraft. Geschlafen hatte sie schon ewig nicht mehr. Das was ihr Kraft in diesen Tag gab, war, dass Glenn und Julia immer an ihrer Seite waren. Sie war so dankbar dafür. Ohne die beiden war sie verloren. Die Dunkelheit in ihr wurde immer größer und die Angst fraß sie innerlich auf. Es war der Punkt gekommen, wo alles in ihr zusammenbrach. Seufzend saß sie auf dem Sofa und sah ihren Mann an. Überlegte ob sie sollte oder nicht.

„Glenn?“
„Ja?“
„Kannst du machen, dass dieser Alptraum verschwindet?“
Er zog sie in seine Arme und sie weinte unaufhörlich. Ihre Kraft war verbraucht. Sie konnte nicht mehr und er wiegte sie in seinen Armen, strich ihr über den Rücken, gab ihr soviel Liebe. Liebe, die den Damm brechen sollte.
„Wenn du mit mir redest, wird er verschwinden.“
„Ich kann nicht!“
„Doch du kannst, mein Schatz! Lass dich fallen! Ich bin hier und fange dich auf! Lass es endlich raus und dann wird es gehen!“
Stunden saßen sie nur da und sagten nichts. Glenn gab ihr die Zeit, die sie brauchte. Sie hatten alle Zeit der Welt und ganz plötzlich redete Phoebe, ohne Punkt und Komma:

„Ich war 12. Mein Bruder war 6. Aron war ein Sonnenschein und ich habe immer auf ihn aufgepasst. Ich weiß noch, wie saßen in einem Maisfeld, hielten unsere Hände und ich schwor ihm, dass ich immer für ihn da bin. Dass ich ihn niemals allein lasse und ihm nie was böses geschieht.“

Glenn lächelte leicht. Er konnte ihre Liebe spüren. Aber zugleich hatte er Tränen in den Augen, denn er hatte nicht gewusst, dass sie einen Bruder hatte. Das hatte sie ihm nie erzählt. Aber er sollte in ein paar Minuten erfahren warum! Er unterbrach Phoebe nicht ein einziges Mal und sie redete und redete:

„Aber ich habe mein Versprechen nicht halten können. Es war sein sechster Geburtstag. Das Haus war schön geschmückt. Meine Eltern hatten auf dem See, der vor unserem Haus war, ganz viele Luftballons gelegt. Aron liebte den See und wir haben dort immer gespielt. Ich habe dort auch schwimmen gelernt.
Das Haus war voll Gäste und meine Eltern schickten uns raus zum spielen. Wir liefen zum See und Aron lächelte so süß. Wir spielten mit den anderen Kindern. Meine Freundin war auch da und ich war für einen Moment abgelenkt, habe nicht gemerkt, dass Aron in den See geklettert war, um sich einen Luftballon zu holen. Wir hörten ihn plötzlich um Hilfe schreien.
Ich bin sofort in den See gesprungen, aber Aron war schon untergegangen. Ich habe ihn gesucht, aber nicht gefunden. Tauchte immer noch einmal nach ihm. Aber vergebens. Die anderen Kinder holten Hilfe und mein Vater war sofort da und suchte auch nach Aron. Es dauerte lange bis er ihn gefunden hatte und aus dem Wasser gezogen hatte. Aber es war zu spät. Alle Versuche ihn wieder zu beleben, scheiterten. Aron war ertrunken. Er war ertrunken.

Ich weiß noch wie meine Mutter mich hasserfüllt angesehen hat, als der Krankenwagen, Aron mit nahm. Ich zitterte und fror, aber niemand hatte sich um mich gekümmert. Meine Eltern waren stundenlang fort. Die Gäste waren nicht mehr da und ich war allein.

Niemand war da, Glenn. Niemand! Ich war allein! Ganz allein!

Als sie wieder kamen und ich sie fragend an sah, sagte mein Vater nur:
„Du bist an allem Schuld. Du hast nicht auf ihn aufgepasst. Deinetwegen ist er gestorben!“
Sie haben mir die Schuld an dem Tod meines Bruders gegeben und es mich immer spüren lassen. In meinem Elternhaus herrschte nur noch Dunkelheit und Hass. Und als ich mit 18 Jahren weg gegangen war, war es ihnen egal. Danach habe ich sie nie wieder gesehen! Sie sind mittlerweile schon Jahre tot!“

Betretendes Schweigen herrschte nun im Wohnzimmer. Phoebe stand auf und ging zum Fenster, sah hinaus, senkte dann ihren Blick und flüsterte:
„Nun kennst du die Wahrheit. Ich bin eine Mörderin. Ich habe meinen eigenen Bruder getötet!“
Glenn sprang auf und zog Phoebe in seine Arme. Sie stieß in fort von sich und ihre Worte waren gefüllt mit Schmerz.
„Ich kann verstehen, wenn du mit mir nichts mehr zu tun haben willst, Glenn.“
„Phoebe. Ich liebe dich.“
„Ich weiß“
Weinend fiel sie in seine Arme. Die Tränen liefen unaufhaltsam und Glenn weinte mit ihr. Nun wusste er, warum sie so verschlossen war und sich so furchtbar quälte. Die ganze Zeit hatte sie die Vergangenheit in sich und nun verstand er auch die Angst, die sie in sich trug.
Liebevoll zog er sie mit sich auf das Sofa, umschloss ihre Wangen mit seinen Händen und küsste ihre Stirn. Phoebe schloss ihre Augen. Noch war sie sich nicht sicher, wie sie sich fühlte. War sie sauer, dass sie ihm davon erzählt hatte? Nein sie war es nicht! Es war, als wäre eine schwere Last von ihr Gefallen.
„Warum hast du mir nicht eher davon erzählt?“
„Ich hatte Angst.“
„Wovor?“
„Die Schmerzen zu fühlen? Aron zurück zuholen? Alles wieder zu sehen? Dich zu verlieren? Ich weiß es nicht! Ich habe versucht all die Jahre mit dieser Schuld zu leben, aber ich kann mir selbst nicht verzeihen!“
„Phoebe es war nicht deine Schuld!“
„Doch war es! Wenn ich besser auf ihn aufgepasst hätte!“
„Du warst noch ein Kind!“
„Trotzdem!“
„Nein, Phoebe!“
Sie redeten und redeten und irgendwann zwang Glenn sie ins Bett zu gehen. Widerwillig legte sie sich hin. Die Angst zu träumen war so groß, aber sie schlief ein und Glenn atmete erleichtert auf. Phoebe träumte wieder. Aber es war ein schöner Traum. Sie sah sich und ihren Bruder spielen und ganz plötzlich sagte ihr Bruder zu ihr:

„Endlich gibst du mich frei, Schwesterchen. Ich bin immer bei dir. ich liebe dich!“

Tränen kullerten über Phoebe´s Wangen und leise flüsterte sie im Schlaf:
„Ich liebe dich auch, Aron!“
Endlich war die Mauer durchbrochen. Glenn wusste das es noch lange Zeit dauerte, bis ihre seelischen Wunden heilten, aber er war da und fing sie auf, wenn sie ihn brauchte!

Die Wochen und Monate vergingen und Phoebe wurde wieder fröhlicher. Ab und an hatte sie noch böse Träume und auch die Angst vor der Dunkelheit kehrte ab und an wieder. Aber sie redete darüber. Mit Glenn und auch Julia, der sie auch alles erzählt hatte. Die Menschen, die sie so sehr liebte, waren immer für sie da und eines Tages beschlossen sie gemeinsam zu Phoebe´s Elternhaus zu fahren.

Phoebe war sehr aufgeregt, als es soweit war. Glenn nahm ihre Hand.
„Wir schaffen das mein Schatz! Es ist der letzte Schritt in deine Freiheit.“
„Ja ich weiß!“
Die Fahrt schien wie eine halbe Ewigkeit und als Glenn den Wagen vor dem Haus parkte, zitterte Phoebe leicht. Glenn und Julia hatten sie in ihre Mitte genommen und hielten ihre Hand, als sie zur Haustür gingen und klingelten.
Eine alte Dame öffnete und konnte nicht glauben, wer vor ihr stand.
„Phoebe?“
„Ja ich bin es Tante Edda!“
Ohne ein weiteres Wort nahmen sie sich in die Arme und weinten. Der letzte Stein der Mauer war gefallen.

Die Drei beschlossen noch ein paar Tage zu bleiben und Phoebe blühte immer mehr auf. Sie ging mit ihnen auf den Friedhof und besuchte ihre Eltern und ihren Bruder und so nach und nach fand sie ihren inneren Frieden wieder. Die Vergangenheit, die sich in ihr ausgebreitet hatte und keinen Platz für die Gegenwart ließ, verschwand Schritt für Schritt. Sie konnte wieder atmen.
Es waren wundervolle Tage und als sie heimfuhren, sagte sie leise:
„Ich danke euch beiden, dass ihr immer für mich da seid!“
„Da gibt es nichts zu danken, Phoebe. Das ist Liebe!“
Weil Glenn und Julia das im Chor sagten, fingen die Drei an zu lachen.
Phoebe kuschelte sich in den Sitz und schloss ihre Augen. Die Angst vor der Dunkelheit war verschwunden und sie lächelte. Sie hatte den Kampf gewonnen und sie musste zugeben, dass es gar nicht so schwer war, wie sie eigentlich gedacht hatte!

Phoebe hatte viel gelernt. Das Wichtigeste war. Vertraue denen die dich lieben, rede mit ihnen und lass dich fallen. Sie sind immer da und fangen dich auf. Reden und Vertrauen ist des Rätsels Lösung! Dann wird die Dunkelheit gehen und Licht ins Leben bringen.

© Maya

Love can build a bridge!

Amy sah aus dem Fenster des Klassenzimmers, während die Kinder der Unterstufe ihre Prüfung ablegten. In Gedanken war sie war weit fort.
Seit Wochen war sie verliebt. Als sie an ihre erste Begegnung mit ihm dachte, lächelte sie leicht vor sich hin und ihre Augen hatten einen unsagbaren Glanz.
Er war der Mann ihrer Träume und niemals wollte sie ihn mehr in ihrem Leben missen. Amy lehnte den Kopf gegen die Wand, neben dem Fenster, und sah einmal in die Runde um dann wieder aus dem Fenster zu sehen.
Es war verrückt, egal wo sie hinsah, sie sah ihn. Wenn sie die Augen schloss sah sie ihn, öffnete sie diese wieder, war er immer noch da. Ein Seufzen kam über ihre Lippen. All das Träumen nützte nichts, denn sie wusste nicht, was er fühlte und er wusste nicht das sie Liebe für ihn empfand.
Das Läuten der Schulglocke holte sie wieder in die Gegenwart zurück und Amy sammelte die Zettel der Kinder ein und verabschiedete sie ins Wochenende.
Auch sie wollte gerade gehen, als ihr Handy klingelte und als sie die Nummer erblickte, lächelte sie:
„Hallo Tayler!“
„Hallo Amy. Entschuldige ich habe nicht viel Zeit, ich muss gleich nach London fliegen!“
„Wie du musst nach London fliegen? Wir wollten doch was unternehmen.“
„Ja ich weiß, aber der Termin wurde vorverlegt! Kannst du mir verzeihen!“
„Ja klar. Kein Problem. Dann mach´s gut Tayler!“
„He, krieg ich noch ein Lächeln von dir?“
„Ja natürlich!“
„Danke schön. Ich melde mich wieder!“
„Mach das!“
Schon hatte Tayler aufgelegt. Amy schüttelte mit dem Kopf. Das war so typisch für ihn. So oft war es schon passiert, dass Tayler absagen musste. Es störte sie nicht, weil sie wusste, wie wichtig ihm seine Arbeit war, aber sie war trotzdem traurig, weil sie es liebte in seiner Nähe zu sein. Das bedeutete nun ein trostloses Wochenende zuhause. Allein.
Einmal atmete sie tief durch und dann ging sie zum Parkplatz, wo ihr Auto stand. Schnell war sie losgefahren und hielt am nächsten Supermarkt um noch einiges einzukaufen. Als auch das erledigt war fuhr sie heim und ging dann ganz langsam, die 5 Treppen zu ihrem Appartement hoch.
Schnaufend mit den schweren Taschen bepackt, suchte sie nach dem Schlüssel. Es dauerte eine Weile und in der Zwischenzeit, klingelte sich das Telefon in ihrem Flur halbtot. Endlich war sie drin, stellte die Taschen ab und eilte zum Telefon. Zu spät, der Anrufbeantworter war schon dran:
„Hi Schnecke, na noch nicht zu Hause? Wollte nur mal Hallo sagen und fragen wie es dir geht. Na ja ich versuche es nachher noch mal. Machs gut!“
Lächelnd stand sie vor ihrem kleinen Schränkchen mit dem AB. Tayler war doch süß,. Sie hatten doch vor zwei Stunden gesprochen und da hatte er doch gehört, dass es ihr gut ging. Aber so war er. Das war ihr Tayler. Erst überlegte sie, ob sie zurückrufen sollte, entschied sich doch dagegen. Stören wollte sie ihn nicht bei der Arbeit. So machte sie sich an das Auspacken ihrer Einkaufstaschen und danach setzte sie sich einen starken Kaffee auf und ging unter die Dusche. 
Endlich hatte sie sich den Ballast vom Schultag abgespült. Sie liebte ihren Job, aber es war anstrengend, die kleinen Racker zu Ruhe zubringen. Nach dem Abtrocknen zog sie sich gemütliche Sachen an, holte sich ihren Kaffee ins Wohnzimmer, das Telefon legte sie auf den Tisch und dann schaltete sie ihren Laptop an um ein bisschen im Internet zu surfen und ihre E-mails zu checken. 
„Bing, Bing! Sie haben eine neue Nachricht!“, hallte es durch das ruhige Wohnzimmer. Amy verdrehte die Augen, das konnte ja nur wieder eine Werbemail sein. Doch weit gefehlt. Sie öffnete diese und las:

„Hallo Amy, ich bin es noch mal. Ich wollte mich noch mal entschuldigen, dass ich dieses Wochenende keine Zeit habe. Sag mir doch wie es dir geht. Sorry, muss auch schon wieder los.“

Nachdem sie einen Schluck Kaffee getrunken hatte, machte sie sich daran, die mail zu beantworten:

„Hallo Tayler. Mit mir ist alles in Ordnung. Ich sitze hier auf meinem Sofa, trinke eine Tasse Kaffee und habe es mir gemütlich gemacht. Ich hoffe dir geht es auch gut. Wir sehen uns.“

Klick und die Mail war zu Tayler unterwegs. Für einen Moment schloss sie ihre Augen und ohne es zu bemerken, schlief sie ein, ging ins Land der Träume über und fand sich in einer Ruine wieder. Ein wenig verdutzt sah sie sich um.
Was sollte sie denn hier? Plötzlich machte jemand „Buh“ hinter ihr und sie erschrak zu Tode. Ihr Herz raste und sie hielt sich die Hand auf die Brust.
„Bist du bescheuert, Tayler?“
Er lachte sie nur an und nahm sie in den Arm:
„Ach komm schon, stell dich nicht so an!“
„Sag mal Tayler, was machen wir hier?“
Tayler liess sie los, ging ein paar Schritte von ihr weg und zuckte mit den Schultern.

„Sag du es mir Amy. Es ist dein Traum.“
„Ich weiß es nicht. Es ist ein unheimlicher Ort. Ich fühl mich unwohl hier.“
Tayler kam ihr ganz nahe, sah ihr tief in die Augen und sie versank in seinen braunen Seen, wie so oft in den letzten Wochen. Sie konnte seinen warmen Atem erst auf ihrer Wange und dann an ihrem Ohr spüren und bekam Gänsehaut, als er ganz leise zu ihr sprach:
„Und wie fühlst du dich jetzt? Immer noch so unwohl?“
Schüchtern blickte sie auf den Boden und sagte leise:
„Nein. Ich fühle mich geborgen. Mir ist so warm ums Herz. Was bedeutet das Tayler?“
„Was denkst du denn?“
„Ich weiß es nicht.“
„Doch du weißt es. Höre in dich hinein.“
Amy machte ein Schritt von ihm weg und sah ihn an. Ja, sie wusste es, aber sie würde es niemals aussprechen. Sie konnte es einfach nicht. Ernst sah Tayler sie an und sagte:
„Amy, Liebe kann eine Brücke bauen! Denkst du nicht, dass es an der Zeit ist?“
Wieder ging Amy einen Schritt zurück:
„Wie meinst du das?“
„So wie ich es gesagt habe. Liebe kann eine Brücke bauen. Eine Brücke zwischen deinem und meinem Herzen. Denkst du nicht, es ist jetzt die richtige Zeit?“
Amy konnte nicht antworten, aber Tayler entfernte sich mehr und mehr von ihr und drehte sich von ihr weg:
„Tayler bleib!“
„Vergiss das nie, Amy. Liebe kann eine Brücke zwischen dir und mir bauen und das für alle Zeit. Denke darüber nach.“
Dann war er verschwunden und Kälte machte sich in Amy breit. 
„Bing, Bing“, das Geräusch von ihrem Emailfach ließ sie aufwachen und ein wenig verwirrt sah sie umher, wusste im ersten Moment nicht was sie denken oder fühlen sollte. Einerseits war es ein wunderschöner Traum, aber andererseits machte er ihr Angst. War es wirklich möglich, dass er mit ihr dort war? Nein so etwas gab es nicht. Aber warum war es denn so real? Warum konnte sie ihn riechen, seinen Atem auf der Haut spüren? Warum? Um sich abzulenken, öffnete sie die Mail. Sie war von Tayler.

„Hallo Amy. Na hast du von mir geträumt? Ich hoffe es war ein schöner Traum. In einer Stunde geht mein Flieger nach London und ich wollte nur fragen, ob wirklich alles in Ordnung ist? Ich habe seit einigen Minuten so ein eigenartiges Gefühl im Magen. Bitte antworte mir schnell!“

Nun war Amy noch verwirrter. Wie konnte er wissen, dass sie von ihm geträumt hatte? Das war doch gar nicht möglich. Oder etwa doch? Amy konnte jetzt nicht antworten. Die Verwirrung in ihr wurde immer größer. Sie konnte ihm doch nicht sagen, dass gar nichts mehr in Ordnung war. Das sie ihn liebte. Ja sie liebte ihn. Mehr als andere auf der Welt, aber sagen konnte sie es ihm einfach nicht. So viele wundervolle Momente hatten sie miteinander erlebt. Zusammen gelacht und geweint und jeder einzelne Moment war etwas besonderes. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie vermisste ihn. Warum war nur so weit weg? Warum war er denn jetzt nicht bei ihr? Plötzlich hörte sie eine Stimme hinter sich:
„Ich bin hier. Denkst du nicht, es ist Zeit?“
Doch als sie sich umdrehte, war Tayler nicht da! Das war zuviel für Amy. Schnell lief sie aus dem Wohnzimmer, auf den Flur, zog ihre Jacke und Schuhe an und lief aus der Wohnung. Die Enge in den Räumen konnte sie nicht mehr ertragen. Sie brauchte Luft zum Atmen. Als sie vor der Haustür stand, atmete sie tief durch. Was war nur los mit ihr? Seit Monaten kannte sie Tayler nun, aber noch nie hatte sie ihn so sehr vermisst. Warum musste das geschehen? Warum tat es nur so weh? Warum war es so schwer ihm zu sagen, dass sie ihn liebte? Was konnte denn passieren? Entweder fühlte er dasselbe oder er erwiderte ihre Gefühle nicht. Aber was hatte der Traum denn zu bedeuten? Warum hatte er das denn zu ihr gesagt? Als sie durch die Straßen lief, hallten diese Worte in ihrem Kopf wieder:

„Liebe kann eine Brücke bauen! Eine Brücke zwischen deinem Herzen und meinem! Denkst du nicht, es ist Zeit?“

Eigenartigerweise lief sie an den Ort, wo sie sich das erste Mal begegneten. Es war ein Spielplatz. Er saß dort auf der Bank, trug eine Brille, sah zu den Kindern und lächelte! Amy setzte sich damals neben ihn. Sie war mit ihrer Schulklasse da. In dem Moment als sie sich setzte, berührten sie sich leicht an den Schultern und sie sah ihn entschuldigend an. Tayler lächelte so süß und es war um sie geschehen. Sie unterhielten sich sehr angeregt. Er erzählte ihr, dass er oft hier war, wenn er Pause hatte. Er liebte es den Kindern beim spielen zu zusehen. Ihr Lachen zu hören. Kurz bevor er gehen musste, fragte er, ob Amy mit ihm einen Kaffee trinken würde. Schüchtern willigte sie damals ein und sie hatte es bis zum heutigen Tage nicht bereut. Danach trafen sie sich regelmäßig und vertrauten sich so sehr, dass sie jeweils die Geheimnisse des anderen wussten. Nur das größte Geheimnis blieb im Verborgenen und das schon seit Monaten! 

Traurig setzte sie sich auf die Bank und sah in die Ferne. Tayler unterdessen wartete sehnsüchtig auf eine Mail von Amy. Immer und immer wieder sah er nach. Sein Flug wurde aufgerufen und verzweifelt, sah er auf das Display seines Telefons. Noch immer keine Mail. Das war gar nicht ihre Art. Sie hatte immer in kürzester Zeit geantwortet. Das mulmige Gefühl machte sich in seinem Magen immer mehr breit. Auch er vermisste sie. So manches Mal war er in Versuchung ihr zu sagen, dass er sie liebte. Doch er wollte ihr noch Zeit geben und sie damit nicht überrumpeln. Er wusste von ihrer Vergangenheit und er hatte Angst sie zu verlieren, also hielt er mit seinen Gefühlen hinter dem Berg. 
Jetzt war es aber nicht mehr möglich. Überall wo er hinblickte, sah er sie. Ihm erging es genauso wie Amy. Wenn er nachts im Bett lag, war er in Gedanken bei ihr und hielt sie in seinen Armen.
Tayler fragte sich, ob sie es gefühlt hatte? Hatte sie seine Anwesenheit gefühlt, so wie er die Ihrige fühlen konnte?
Wieder wurde sein Flug aufgerufen und sein Kollege rief nach Tayler. Sollte er jetzt wirklich fliegen? 
Ganz langsam ging er zu seinem Freund. Dieser bemerkte, dass etwas in Tayler vorging. Das ihn ein Gedanke einfach nicht los ließ.
„Hat Amy nicht geantwortet?“
„Nein hat sie nicht?“
„Hast du ihr endlich gesagt, dass du sie liebst?“
„Jein!“
„Wie jein? Ja oder nein?“
„Ich war in ihrem Traum und habe ihr gesagt, was ich für sie empfinde. Das sie darüber nachdenken soll, ob wir jetzt die richtige Zeit haben?“
Taylers Freund kratzte sich am Kopf und murmelte:
„Wäre es nicht besser wenn du es ihr sagst, wenn du ihr gegenüber stehst?“
Tayler schloss die Augen, als er wieder den Aufruf hörte. Es war der letzte!
Jetzt musste er eine Entscheidung treffen. Entweder er checkte jetzt ein oder er fuhr zu Amy. Sein Freund zog ihn am Arm mit sich, aber Tayler machte sich los.
„Ich bleibe hier. Ich muss zu ihr. Ich kann fühlen, dass es ihr nicht gut geht! Ich muss es ihr endlich sagen!“
Theatralisch seufzte sein Freund.
„Na endlich. Dann mal los mein Freund! Geh zu ihr.“
Tayler lächelte, umarmte seinen Kollegen und Freund und lief zum Ausgang des Flughafengebäudes. Schnell hatte er ein Taxi ergattert und fuhr zu Amys Wohnung. Dort lief er geschwind die Treppen hoch. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er klingelte….einmal, zweimal, dreimal….doch sie öffnete nicht.
Mit der Faust schlug er gegen die Tür und rief:
„Verdammt Amy wo steckst du nur?“
Für einen Moment schloss er die Augen und hörte auf das was sein Herz ihm gerade sagte. Ja, er wusste wo sie war und hastig verließ er das Haus und lief in die Richtung in der er sie vermutete und er hatte recht. Von weitem sah er sie weinend auf der Bank sitzen. Es brach ihm das Herz sie so zusehen und er ging langsam näher, stand hinter ihr. Er hörte wie sie fragte:
„Tayler wo bist du nur? Ich vermisse dich so sehr? Warum bist du nicht hier?“
Er trat einen Schritt näher und flüsterte:
„Ich bin hier?“
Amy glaubte es nicht und dachte daran, dass sie wieder unter Halluzinationen litt und schüttelte mit dem Kopf.
„Nein du kannst nicht hier sein. Das bilde ich mir nur ein!“
„Ich bin wirklich hier Amy! Dreh dich um!“
Wieder schüttelte sie mit dem Kopf, aber trotzdem drehte sie sich um, um sich zu überzeugen und was geschah? Sie sah in seine braunen Augen und war fassungslos, sprang von der Bank auf und fiel ihm um den Hals, schluchzte nur und konnte keinen Ton herausbringen. Tayler hielt sie ganz fest in seinen Armen, so als wollte er sie nie wieder loslassen. Nach einer Weile hatte sie sich wieder beruhigt und sich aus seinen Armen gelöst, sah ihn fragend an und als sie gerade etwas sagen wollte, legte er ihr den Finger auf den Mund und bat sie leise zu sein. Dann kramte er in seiner Manteltasche herum, bis er das kleine Kästchen, welches er schon seit Wochen bei sich trug fand. Dann kniete er sich mit der Schatulle, vor ihr nieder und nahm ihre Hände in die Seinigen, sah ihr tief in die Augen und redete leise:

„Amy, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, aber lass es mich einfach nur versuchen. Ich würde für dich zurück schwimmen, und dich retten, aus deinem See von zerbrochenen Träumen. Wenn all deine Hoffnungen versunken sind, dann lass mich dir zeigen, was Liebe bedeutet. Wenn wir beide zusammen sind, können wir alles schaffen. Zusammen haben wir die Kraft, die Hürden zu überspringen, die vor uns sind, die Klippen zu umschiffen, die uns beide versuchen ein zu engen. Zusammen haben wir die Kraft alles zu besiegen, was uns verletzen könnte. Liebe kann eine Brücke bauen zwischen deinem und meinem Herzen. Denkst du nicht auch, es ist an der Zeit? Ich liebe dich so sehr und ich möchte immer für dich da sein, dir die Sterne vom Himmel holen, dich lieben und ehren. Amy willst du mich heiraten?“

Amy hielt den Atem an und wusste jetzt nicht ob sie wachte oder träumte. Hatte er eben gerade gesagt, dass er sie liebte und sie heiraten wollte? Weil Tayler sehnsüchtig auf eine Antwort wartete und diese nicht bekam, rüttelte er leicht an ihrer Hand.

„Denkst du nicht auch, es ist an der Zeit? Liebst du mich so sehr wie ich dich liebe?“

Wieder kam keine Antwort von ihr und Tayler wurde langsam ungeduldig. Hatte er sich in ihr getäuscht? Oder warum antwortete sie nicht. Seine Geduld war am Ende und er schimpfte:

„Also wenn du mich nicht willst, ist das ja okay, aber musst du mich alten Mann so lange hier unten auf den Knien sitzen lassen?“

Amy fing an zulachen und kniete sich vor ihm hin, legte ihre Hand auf seine Wange.

„Du bist doch noch nicht alt, Tayler!“
„Also wenn du mich noch länger hier sitzen lässt, bekomme ich graue Haare.“
„Die würden dir aber auch stehen?“
Tayler rollte mit den Augen und wisperte, kaum hörbar:
„Amy ich liebe dich!“
„Tayler ich liebe dich auch!“
„Heißt das, du wirst meine Frau?“
„Ja Tayler!“

Tayler riss Amy an sich und hielt sie fest und seufzte aus der Tiefe seines Herzens.
„Ja sie liebt mich auch. Sie will mich heiraten!“ 
Dabei fielen sie um und Tayler lag auf Amy. Sie sahen sich tief in die Augen und brauchten keine Worte mehr! Ganz langsam näherten sich ihre Gesichter und sie küssten sich zärtlich!
Sie hatten sich gefunden. Nach einer ewig langen Reise der Unsicherheit, hielten sie sich endlich in den Armen.
Die Liebe der Beiden hatten eine Brücke gebaut zu ihren Herzen gebaut und nun konnten sie glücklich werden bis ans Ende ihrer Tage!

Ja das ist Liebe. Wenn man bereit ist eine Brücke zwischen den Herzen zu bauen, dann kommt so etwas heraus, wie bei Tayler und Amy. Öffnet eure Herzen für die Liebe und seit jeden Tag dankbar, dafür, dass die Liebe zu euch gefunden hat!!

© Maya